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TOURTAGEBUCH

23.07.2010 Luca Little @ Piedra Libre Open Air Freienstein
Freienstein, das ist irgendwo dort, wo die Flieger den Sprit noch gerade nicht ablassen, bevor sie in Zürich "unique" Kloten landen. Jedenfalls sind die Kühe gesund und zahlreich vorhanden. Aber es beginnt vorher, mit Regen. Eigentlich war das Wetter die ganze Zeit schön und ich habe meine Ferien auf Balkonien und Umgebung genossen. Doch Luca hat eben den Schlagzeuger entlassen und für die nächste gebuchte Show durfte ich die Stöcke hinhalten. Gut, hab ich ja schon mal gemacht, was nicht der einzige Grund war, dass ich mich nicht so intensiv wie auch schon auf das Konzert vorbereitete. Ich habe schliesslich Ferien und in denen schwadere ich lieber in der Aare rum. Die aktuelle Luca Little CD habe ich weis der Teufel wo, es tuts also auch ein altes Demo, um die Songs wieder ins Vorderhirn zu holen. Doch gewisse Änderungen hab ich halt nicht mitgekriegt, sie stehen auch nicht auf den Spickzetteln von meinem letzten Geburtsttag, also gibt es halt ein paar Reinfälle an der Probe am Nachmittag vor dem Konzert, während draussen der Regen ununterbrochen die Umwelt spühlt. Luca schluckt zwei bis drei mal leer, als die Wahrheit über das verschollene Album ans Licht kommt, doch schlussendlich haben wir nach knapp zwei Stunden das Set astrein genug beieinander und verschieben uns zur Nahrungsaufnahme in ein nahe gelegenes Fast Food Restaurant, wo wir in aller Ruhe schnelle Kost essen, während die neusten Räubergeschichten ausgetratscht werden. Man sieht sich schliesslich nur einmal im Jahr, wie die Erfahrung zeigt.
Wir suchen dann dieses Freienstein und finden es tatsächlich. Dort finden wir nicht so viel Matsch vor, wie wir erwartet haben. Die Jungs, die das Festival organisieren, haben sich Mühe gegeben, in diesem Unwetter eine Bühne im Niemandsland aufs Feld zu pferchen und der Tonmeister kann es kaum erwarten den Sound zu checken. Warum der Typ den Kopf schüttelt, als er meine Toms abmischt, weiss ich nicht. Ich vermute er ist sich derart resonante Kessel nicht gewohnt. Wir warten dann auf Publikum, das nicht kommt. Sind wohl alle wasserscheu, diese Freiensteiner. Es wird ein pünktlicher Fahrplan gefahren und wir eröffnen als erste Band den Abend und haben von der ersten Minute an Spass mit der Musik. Das scheinen auch die Kühe bemerkt zu haben, denn sie tummeln sich plötzlich am der Bühne am nähsten gelegenen Platz ihres Geheges. Beim zweiten Song gibt es eine Passage, bei der ich nur Verteschläge auf der Snare klopfen muss. Da kann ich gleich eine neue Pose ausprobieren, die ich am Gurtenfestival dem Drummer der Band The Cribs abgekupfert habe: Auf dem Stuhl stehend spielen. Kommt tiptop an, obwohl der Stuhl beinahe kippt. Mit Ausnahme eines Patzers, den wir hinterher nicht wirklich einem bestimmten Bandmitglied zuordnen können, tasten wir uns souverän und energieversprühend dem Cover des Klassikers "Sunny" entgegen. Und kaum stimmen wir diesen Song an, reisst die Wolkendecke auf und die Sonne zeigt sich für die letzte und einzige helle Stunde dieses Tages. So neigt sich dann unser Auftritt dem Ende. Mir kam das vor wie husch husch aber jetzt brauche ich eine Bratwurst. Die 5 Minuten, die ich auf das gebratene Stück warten muss, kommen mir elend lange (eigentlich viel länger als der Auftritt) vor. Doch auch das geht heute noch in Erfüllung. Die andere Band geht ihren Folksongs nach und benützt noch mein Schlagzeug. Der Feierabend bleibt auch noch etwas länger da und als die Küche endlich eingepackt ist, mache ich mich wieder auf den Weg zurück in die Ferien.
Posted on 24 Jul 2010 by chrz
Farbe im Kopf (Artikel in der Leipziger Volkszeitung, Jennifer Beck zur Plattentaufe von Peter Pieks Album "I Paint It On A Wall")
Ein schwer erkälteter Peter Piek malt schöne musikalische Bilder im Horns Erben

Starkes Konzert trotz einiger Handicaps: Peter Piek vertieft sich in die Songs seines zweiten Albums "I Paint It On A Wall". Zwei kraenkliche bleiche Meter in ausgewaschenen Jeans, die manisch zwischen Keyboard und Gitarre hin und her springen, Finger, die sich im einen Moment wie Soindeln auf die Saiten drehen und im nächsten wie eine Horde gehetzter Tiere über die Tasten sprinten. Nur ein in die Zehenspitzen fahrendes Sechsaiter-Solo ist nötig, um die Zuhörer am Samstag im Honrs Erebn davon zu überzeugen, das Statur und Musik von Peter Piek eine entscheidende Sache gemein haben: Sie sind irgendwie zu groß für einen Vierjaehrigen.
Denn nur vier Jahre ist es gerade her, das zwei Persoenlichkeitsentwuerfe eins wurden: Peter Stone, der schon als Kind Klavier studieren wollte, Dylan und Hendrix hoerte, verschmolz mit Peter Piechaczyk, der mit Oma ins Karl-Marx-Staedter Museum ging und Schmidt-Rottluff mit wilden Pinselstrichen nacheiferte. Dieser Peter Piek, das sind Musik und Malerei, das sind rhythmische Bilder und bildhafte Rhythmen, schreiende Leinwaende und fluesternde Akkorde. Das sind 4 Jahre, zwei Meter, 333 Konzerte, 19 Ausstellungen und seit vergangenen Woche endlich zwei Alben. "I Paint It On A Wall" heisst die 50 minuetige Liebeserklaerung an Form und Farbe, deren Vollendung der 29-jaehrige Multiinstrumentalist am Samstag trotz einiger Hindernisse im Horns Erben feiert. "Ich bin total erkältet und müde und schlecht vorbereitet, weil wir heut' das erste Mal in dieser Besetzung spielen", lautet die erste nasale Ansage. Es folgen anderthalb Stunden Kampf mit Setlist, Krankheit und Technik auf der einen und 90 Minuten Powerpop auf der anderen Seite, die in Ihrer Gesamtheit fuer das stehen, was den meisten Kuenstlern irgendwo zwischen Hotelsuite und Autogrammeschreiben abhanden gekommen ist: Athentizitaet.
"Shades Of Grey In December", "Underwater Death Song", "What About The Ladies" - was Piek und seine zwei Schweizer Kollegen Christian Schoenholzer an Becken und und Bassdrum und Lucas Tochtermann am Viersaiter auch ohne Dutzend Gastmusiker der CD, ohne Streichern und Blaeser und Verstaerkung an der der Percussionfront auf die Buehne zimmern, ist eingaengig in seinen lautesten und einfuehlsam in seinen leisesten Momenten. Und immer eigensinnig, schon allein der Stimme wegen. "There's No Space In My Head, There's Color In My Head", erklimmt sie in "Meteorite Float" die Tonleiter, bleibt manchmal haengen und stolpert uebr Taktstriche, klingt naiv und ist das Gegenteil, immer eine Hand breit neben der Spur. Ein Kehlkopf, der zwischen Jazz, Blues und Indierock, zwischen Sprechgesang und Hustenanfall, deutschen und englischen Silben Gemueter spaltet und genau deswegen laenger haengen bleibt als verpatzte einsaetze und zum schneiden dicke Luft.
"Ich hab gestern einen neuen Song geschrieben", kraechzt der angeschlagene Alleskoenner, ich spiel immer gern neue Songs da fuehlt man sich mehr als lebendiger Kuenstler und nicht so als Angestellter seiner selbst." Es folgen ein Akustiksong ohne Titel, die Zeilen "If This Is The End, I Will Stay Alive" und diverse Fingernaegel, die auf Holzstuhlrahmen klopfen. Die Grundierung aus dumpfen Basslaufen, eine dicke Schicht Snare und darueber gepsrenkelte Riffs - noch eine Handvoll Lieder malt das Trio auf die Leinwaende in den Zuhoererkoepfen. Und laesst dann die Farbe trocknen.
Posted on 14 Jun 2010 by chrz
28. + 29.05.2010 3 Gigs, 2 Tage, 700 Kilometer
Es ist Freitag gegen Abend und ich bin mit dem Schlagzeug, das ich heute früh vor 8 Uhr eingepackt habe auf dem Weg Richtung Luzern. Eigentlich freute mich auf das Konzert, da ich die Gewerbehalle, die wir heute zu rocken vorhaben, in bester Erinnerung hatte. Vor nicht ganz einem halben Jahr hat kleiner Hai da gespielt und es war einer der Abende, an denen man mit dem Gefühl der Hoffnung für die Konzertkultur nach Hause ging. Der Veranstalter hat das Promomaterial, das wir vorgängig zugesendet haben verteilt, hat im Lokalradio einen Konzerthinweis organisiert, hielt sich an die Abmachungen bezüglich Verpflegung, machte das der Abend problemlos über die Bühne geht, machte die Eintrittskasse und behielt dann, völlig berechtigt, 30% der Eintritte und zahlte den Rest der Band aus. Der Veranstalter hat einen Namen: Babsi und ist demzufolge eine Sie. Babsi hat auch mit Yves das Konzert von heute vereinbart und um Babsi noch etwas mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, kann Ernst David, der Cheekbonesbassisst, die selbe Geschichte von einem Konzert mit The Homestories vor weniger als 3 Monaten erzählen. Unter diesen Umständen war Yves wohl auch nicht all zu pingelig bei den Engagementvereinbarungen. Leuten wie Babsi kann man vertrauen und da wollte er nicht mit übertriebenem Bünzlitum nerven. Als ich diesen Frühling Babsi eine Email gesendet habe, um zu fragen, ob kleiner Hai wieder in der Gewerbehalle spielen kann, erhielt ich eine Antwort von einem Mann, der offenbar unter Babsis Emailadresse Babsis Job in der Gewerbehalle übernommen hat und dort Verhältnisse à la „Zwölf Zehn Stuttgart“ (man repetiere den Tagebucheintrag vom 06.10.08) eingeführt hat (Hier spielen Ja, Werbung macht ihr alles selber, Essen könnt ihr auch selber organisieren, Techniker haben wir keinen und die Kasse macht ihr auch selber. Ach und die ganze Verantwortung für die Veranstaltung tragt auch ihr. Aber 30% der Eintritte kriegt der Club). Diesem Falschfahrer habe ich natürlich klargemacht, was ich davon halte, allerdings ohne bekannt zu geben, dass ich irgendetwas mit Cheekbones zu tun habe.
Trotz dieser Vorgeschichte bin ich guter Dinge, als ich in Luzern eintreffe, voll in der Hoffnung, dass es schon schiefgehen wird. Drei Stunden später betrete zu 70 % stocksauer über die Zwölf Zehn Situation, die hier tatsächlich eingetreten ist und zu 30% motiviert, trotz allem den 3 Musikern von „Hearts and Knives“, die nach uns spielen, den 2 unbekannten Damen, den 2 unbekannten Herren, den 2 Bandfreundinnen, dem Bassisten von „Mothers Pride“ und der Barkeeperin eine gute Stunde Musik zu bieten. Klar ist, dass ich nur um Haaresbreite jetzt nicht schon längst wieder zu Hause bin, denn was hier läuft, haben wir uns mehr als genug gefallen lassen. Das einzig positive, das ich aus diesem Abend ziehe ist, dass die Guerilliaaktion gegen solche Verhältnisse in der Mittelschicht der Musikszene mit reichhaltigem Dünger genährt wurde. Und die Email an Babsis Adresse, die Babsi aber nie lesen wird, ist in meinem Kopf auch schon aufgesetzt. Als ich dann endlich zu Hause bin, kann ich bis zum ersten zwitschern der Vögel nicht einschlafen dank der Aufregung über die Gewerbehalle und ihresgleichen. Ich könnte wetten, der Typ, der unter Babsis Emailadresse die Welt kaputt macht, trägt immer ein Baseballcap…

10.20 Uhr am nächsten Morgen starte ich den Motor wieder und treibe die Kiste ins Vallis zum Pierrockfest. Dort ist man im Endspurt. Ein alter Schiessstand wurde temporär in mehrtägigem Entrümpelverfahren zum Konzertlokal umfunktioniert. Was nebst der phänomenalen Bühnenakustik nicht fehlt, ist ein wirklich grosser Grill und eine Racelettekäseschmelzvorrichtung. Um das Aufholen meines Futtermankos mache ich mir keine Sorgen. Nach dem Soundcheck, bei dem die Gäste des Fests schon beinahe das Tanzbein schwingen wollten, wird erst mal das Buffet leergegessen, obwohl das eigentlich gar nicht möglich ist, da ist so viel das man essen kann… LECKER! Um 16 Uhr sollte dann die Show losgehen, was sich aber verzögert, da die Ohropax fürs Volk irgendwie noch fehlen. Das warten macht mich weit mehr nervös als der Auftritt, da ich weiss, dass ich um 21 Uhr in Hallau bei Schaffhausen die Bühne betreten muss um dort einem Open Air Publikum Dampf zu machen. Da können die kleinsten Verzögerungen fatale Auswirkungen haben. Als dann die Oropax endlich da sind, steckt Pierrot noch einen Ventilator mit akustischer Untermalung eines Trommelwirbels ein und los geht’s. Die Setliste, die ich mir immer auf den Monitor klebe, suche ich hier vergebens, es wird auf Zuruf gespielt. Und falls wir uns mal nicht einig sein sollten, müsse die Unstimmigkeit einfach innerhalb der ersten vier Takte aus der Welt geschaffen sein. Wir bringen das Publikum in Stimmung und das Konzert ist viel zu schnell fertig. Jetzt, wo ich mich schon mal wohl fühle, schon wieder abhauen? ach nein. Aber wer hat es so gewollt? Wem immer ich irgendetwas beweisen will, ob nötig oder nicht, es wird durchgezogen. Und wenn ich dafür ein Racelette verpasse. 10 Minuten nach dem letzen Ton ist mein Schlagzeug im Auto und ich starte den Motor. Auf dem Beifahrersitz liegt ein Plastikteller mit einem Stück Roulade und zwei Stück Rhabarber Kuchen. Punktestand Luzern vs. Vallis = 0 : 100.
Bei der Rotenplanung habe ich mir den Floh ins Ohr gesetzt den 18.10 Autoverlad in Goppenstein zu kriegen, obwohl ich gar nicht so genau weiss, ob der auch wirklich um diese Zeit fährt. Aber die letzten zwei Mal hat es auch geklappt mit Pass hoch fahren, einchecken und ohne warten auf den Zug zu düsen. Diesmal treffe ich auch grünes Licht an und habe direkten Anschluss. In der Hektik habe ich vor der abfahrt vergessen die Toilette aufzusuchen. Nun ist es zwar nicht sehr dringend aber ich möchte nach dem Autoverlad keine Zeit verlieren, denn mein Navi sagt mir, dass ich die Zeit, die ich für den Weg in die „Üsserschwyz“ habe, auf die Minute genau ausschöpfen werde. Andererseits habe ich jetzt die Gelegenheit, wenn ich nicht noch am Toilettenhäuschen halt mache, einer der ersten zu sein, die auf den Zug fahren und somit auch einer der ersten, die ihn wieder verlassen, was den Vorteil bedeuten würde, alle Sonntagsfahrer im Kandertal hinter mir zu haben. Ich entscheide mich für die „Durchhalteübung zügiges Kandertal“. Während der Fahrt höre ich DRS 3. Die Modern Day Heroes werden gerade eine Stunde lang porträtiert und geniessen die Nomination zum „Best Talent“ und Luca Little bekommt einen sehr prominenten Konzerthinweis. Irgendwie gibt mir das das Gefühl auch nicht mehr so weit vom Olymp entfernt zu sein wie auch schon, warum auch immer. Im Kandertal erfreue ich mich dann am Fahrstil meines Vordermanns, der vielleicht auch nicht zu spät ankommen will und bis Zürich geht das mit meiner Blase eigentlich auch noch ganz gut. Doch als ich nach dem Bareggtunnel mein Navi missverstehe und 5 Minuten meiner kostbaren Zeit in der falschen Ausfahrt liegen lasse, erhöht die steigende Nervosität den Druck auf meine Blase. Ich gebe mal Bescheid nach Hallau, dass es ziemlich knapp werden könnte und erhalte zur Antwort, dass glücklicherweise auch dort der Zeitplan 15 Minuten Verzögerung erlitten hat. Dann sind wir also wieder 10 Minuten im Plus. Ab dem Limmattaler Kreuz, säumen mit grimmigen Beamten bestückte Streifenwagen die Autobahn und ich hoffe, dass die nicht auf die doofe Idee kommen, mir den Vorsprung wieder abzunehmen. Wenigstens gibt’s heute mal keinen Stau, denn das hätte das endgültige Scheitern meiner Punktlandung bedeutet. Um nach Hallau zu gelangen, muss ich sogar noch über Deutschen Boden in der Gegend westlich von Schaffhausen und erst da, als ich langsam sicher bin, pünktlich zu Konzertbeginn aufzutauchen, nehme ich war, dass diese Landschaft, das prächtige Wetter und die Abendstimmung zu einer zum Verweilen einladenden Idylle verschmelzen. Um 20.50 Uhr parke ich meinen Wagen direkt hinter der Bühne vom Open Air Hallau. Die Cheekbones sind schon dabei ihre Kanäle zu checken. Ich spurte zwischen Auto und Bühne hin und her, bis ich den nötigen Kram für 1 Stunde lüpfiges Rhythmusklopfen an seinem Ort habe. Dabei stolpere ich dreimal über einen fiesen Absatz am Schlagzeugpodest. Aber auch dieses Hindernis bringt meinen Homerun nicht zu Fall. Der Mischer fragt ob ich noch etwas auf dem Monitor will bevor wir loslegen. Ich sage nein aber zur Toilette müsste ich bitte noch kurz.
Vielschichtig erleichtert komme ich um Punkt 21 Uhr auf die Bühne und ich bin wieder schwer davon überzeugt, dass alles gut wird. Hier wird es das auch: Obwohl die Hallauer ihre Zeit brauchen um in Stimmung zu kommen, ist am Ende vor der Bühne ein ziemlicher Tumult. Die wollen, dass ich Ihnen noch mehr Drumsticks als der, der das Konzert nicht an einem Stück überlebte zuwerfe. Wenn mich die Drumstickmarke dann sponsert, vielleicht. Yves kommt mit der Taktik, dem Publikum einfach immer wieder den gleichen Quark (sind ihr heiss???) zuzurufen, damit sie es mit viel Lärm, Applaus, Gekreische oder was auch immer quittiern, gut durch. Als wir von der Bühne kommen, ist das Publikum definitiv aufgeheizt für „My Name Is George“ und so schnell mein Equipment aufgebaut war, ist es auch wieder im Wagen versorgt.
Jetzt, nach dem mein Energietank so leer wie der Benzintank meines Wagens ist, muss getankt werden. Ich begebe mich zum Band Aufenthaltsraum wo es eine Küche hat, in der die Zutaten für Fachitas herumstehen, die anderen haben schon geschwärmt, wie lecker das Zeugs ist, also beginne ich mir doch gleich so ein Ding zusammenzubauen. Auf der Suche nach einem Getränk gelange ich in einen anderen Raum, in dem drei nette Damen sitzen und fragen, ob ich derjenige sei, der noch nichts gegessen hat. Als ich das bestätige, werde ich gebeten, mich sofort an den Tisch zu setzen und mich bedienen zu lassen. 1000 Mal dankend und das leckere Essen lobend verlasse den Raum eine halbe Stunde später mit sehr vollem Magen und geniesse mit 2 sehr gut gelaunten Musikern die zweite Hälfte des „My Name Is George“ Konzertes.
(Frage an den neuen Halter von Babsis Emailadresse: Mich würde interessieren, warum an diesem Open Air gut gelaunte Musiker sehr viel Energie auf der Bühne freisetzen und einem zahlreich erschienenen Publikum diesen Funken (oder doch eher diesen Feuerball) entgegenschmettern und warum seit Babsis Weggang in der Gewerbehale Luzern von dieser Energie keine Spur mehr existiert?)
Nach dem Konzert von My Name Is George machen wir einen Abgang. Ich fahre mit guten Gefühlen los und bin dankbar, dass diese zeitlich sehr heikle Mission geklappt hat. Ich fahre durch das sehr stille Dorf Hallau und lobe mein Auto, dass es mich einmal mehr sicher und ohne Panne begleitet und transportiert hat. Ich lehne mich zurück, beschliesse auf der Heimfahrt eine ruhige Kugel zu schieben, schön gemütlich und sicher, um jetzt bloss nicht noch diesen Trip den Sand zu setzen. Beim Ortsende schalte ich das Fernlicht ein und nach der ersten Kurve der Landstrasse sehe ich wenige Meter vor mir einen Dachs aus dem hohen Gras der Wiese springen. Keine Ausweichmöglichkeit, ich stehe voll auf die Bremse, doch wir haben keine Chance heil aus der Situation heraus zu kommen.
Posted on 05 Jun 2010 by chrz
03.04.2010 Cheekbones @ Piazza Bar Bern
Da ich Äckengstabi habe, schreibe ich nichts über die Plattentaufe von Cheekbones in Bern. Aber der wohl grösste Fan der Band hat einen Blog über den Gig in der Piazza Bar geschrieben. Wer sich diese unabhängige Meinung zu Gemüte führen will, bitte hierlang:


Blog



Danke Marcos!
Posted on 20 Apr 2010 by chrz
26.03.2010 Manao @ Honkytonk Festival, Schüür, Luzern
Luzern mag ich sehr. Die Konzertszene ist ziemlich bunt und im Gegensatz zur Hochburg der eingebildeten Zeitgenossen, Dsüri, scheint mir Luzern am Boden geblieben. Würde ich dort wohnen, hätte es mir dennoch etwas zu viele Japanische Fonduetester und Pilatusschnappschiesser und Bern ist für mich immer noch das beste Ort um Heim zu kommen (Zitat Kuno Lauener). Aber da es in Luzern noch Leute Gisi gibt, hat man als Musiker einen guten Grund sich für diesen Ort zu interessieren. Gisi ist der Programmverantwortliche der Schüür, ein nicht gerade kleines und ziemlich angesehenes Konzertlokal, in dem die Wall of Fame öfters wieder weiss gestrichen wird, um kurze Zeit später schon wieder einen Spiegel der aktuellen grossen und kleinen Fische in der Musikszene zu sein. Dieser Gisi, immer mit auffälliger Brille, bucht so fair, dass neben bekannten Namen unbekannte Newcomer Bands regelmässig in der Schüür ihr Talent zum Besten geben können und dabei genau gleich behandelt werden. So etwas ist heutzutage immer seltener und nicht nur deswegen lobenswert.
Leider scheint es nichts zu bringen, den ganzen elitären Programmgremien von mehr oder auch sehr viel weniger renommierten Clubs in Städten wie der, aus der ich komme und auch aus der, in die ich nie gehören möchte, zu sagen, dass sie faule, kapitalistische Penner sind. Aber ich will euch den Spass nicht nehmen, euch über die Hitzigkeit, die bei diesem Thema Besitz von mir nimmt, zu ergötzen.
Leider schaffe ich es heute nicht rechtzeitig zum Abendessen nach Luzern. Ich verpflege mich unterwegs und schlängle mich Staus umfahrend von Brügg bei Biel, wo ich den ganzen Nachmittag unterrichtet habe und es kaum erwarten konnte, endlich wieder Richtung Bühne zu düsen, durch den Kanton Aargau. Während dessen lässt sich der Rest der Band im Treibhaus Luzern ein köstliches Menu servieren. Die Jungs, die mich gegen acht in Luzern erwarten, sind alle mindestens 5 Jahre jünger als ich. Manu, Der Bandleader, ist ein junger Gitarrist und Sänger mit einem besonders geschickten Händchen, wenn es darum geht, Jimi Hendrix zu interpretieren. Das tat er lange in einer Hendrix Coverband, bis es ihn derart in den Fingern juckte, endlich seine eigene Musik zu machen, dass er mit seinen Demos bei Tobi Gmür im Studio aufgetaucht ist und dort die Möglichkeit bekam, sein Album aufzunehmen. Wie man letztens im Fernsehen und Radio erfahren konnte, hat der Jungspund seine Demos allerdings beim ersten Besuch bei Gmür zu Hause vergessen. Da er keine Band hatte, wurde ich, dank anderer Studiotaten bei Gmür mit Cheekbones und parties break hearts, empfohlen und habe die Scheibe reingeknüppelt. Jetzt, da das Debutalbum von Manao endlich da ist, gehen wir auch zusammen auf die Bretter.
Der Bassist spielt sonst bei einer Band namens Baby Genius aus Luzern, die ebenfalls bei Gmür aufnehmen. Er heisst Luki und kann alles Erdenkliche auf Kommando spielen, so wie er das in der Militärbigband gelernt hat. Des Weiteren hält ihn der Parkhauswächter bei meinem Übungsraum für meinen Zwillingsbruder, obwohl mir schleierhaft ist, worin die Ähnlichkeit liegt. Der Gitarrist, der auch mal eine Hose kauft, die voll mit Farbspritzern ist, wenn sie dafür nur 5 Franken kostet, hat Manao auch irgendwo in Luzern aufgetrieben. Auch er hat eine andere Band, deren Name Weekend Phantom ist und sehr vielversprechend klingt. Aber die 5 Franken Hose durfte er fürs Konzert nicht anziehen. Das hat ihm Manao ausdrücklich verboten. Mehr Glück hatte ich mit meiner der 20 Franken Ausverkauf Hose, die ich mir heute noch spontan leistete, da mich plötzlich das Gefühl überkam, dass das abgewrackte schwarze Beinkleid, dass bei Konzerten in irgendwelchen Löchern eigentlich immer gute Dienste leistete, heute irgendwie nicht angebracht ist. Nur so ein Bauchgefühl…
In Luzern angekommen bestelle ich Kusi zum Bühneneingang, damit er mir helfen Kann mein Schlagzeugzubehör in den Backstage zu tragen. Freundlicherweise, darf ich auf der Schiessbude der nachfolgenden Band trommeln, weshalb dieser Teil des Jobs heute sehr schnell erledigt ist. Nur mein Stuhl (ich will nie mehr so auf einem motorradsattelartigen Schlagzeughocker, auf die manche Drummer schwören sitzen!) Mein Becken- und Schlägelsortiment, Mein Paukenpedal, mein Hihatständer und meine Snare plus einen Beckenständer für alle Fälle. Manu und Luki organisieren derweil noch den Bassamp. Bei Manu passiert immer alles im letzten Moment aber er hat geschworen, die Showtime nie zu verpassen und 100% anwesend zu sein. Um neun, als die erste Band gerade mit ihrem Set beginnt und in der Schüür meines Wissens noch kaum Zuhörer sind (Honkytonk Festival bedeutet Konzerte in der ganzen Stadt, da kommen schon noch Leute, versichert uns Gisi), taucht Manu auf und wartet mit uns darauf, dass wir nervös werden. Spruch der Stunde: Wer kriegt eigentlich meine Gage, falls ich auf der Bühne sterbe…? Pünktlich, 15 Minuten bevor wir auf die Bühne müssen, werde ich während dem Warmspielen auch endlich nervös. Vorhin habe ich mal kurz durch die Tür zur Bühne genischt und sah, dass da schon ein paar Leute mehr vor der Bühne sind. Als ich dann beim Bandchangeover auf die Bühne gehe um das Schlagzeug startklar zu trimmen, wird mir erneut absolut klar, warum ich Luzern so sehr mag. Die Bude ist bumsvoll! Mein Bauchgefühl betreffend Beinkleid war also berechtigt. Freude und erhöhte Nervosität steigen zugleich in mir hoch, denn es ist das allererste Konzert von Manao. Normalerweise hat eine Band ihr erstes Konzert irgend in einem Keller vor 5 Leuten. Und wäre ich nicht selber in dieser Band, wäre ich wohl schon ziemlich neidisch auf Manao, gleich bei der ersten Show so ein Glück zu haben. Stopp. Cool bleiben!
Nach der obligaten Viertelstunde Kanälechecken merkt das Publikum, dass die Zeit reif ist, die Show zu starten und drängelt sich vor die Bühne. 1,2,3,4, die Rakete Manao verlässt die Erde. Bei uns läuft alles bestens, bis ich bemerke, dass offenbar die Technikerin auf der Bühne lieber in ihr Notebook glotzt, als die lausig befestigten Schlagzeugmikrofone im Auge zu behalten. So etwas sollte in der Schüür eigentlich nicht passieren. Das Mikrofon bei der Snare fällt zwei Mal herunter, veranstaltet hässliche Nebengeräusche und das Mikrofon beim Hihat verabschiedet sich mit jeder meiner Bewegungen ein Stück weiter Richtung Tür. Ich muss mich also neben dem zusammenhalten einer Band, die ihr erstes Konzert spielt auch noch darum kümmern, dass die Mikros richtig sitzen. Beim zweiten Song verpasse ich deswegen mal sauber den Einsatz nach einer sechstaktigen Pause. Zum herrichten der Mikros brauche ich nun mal 8 Takte. Ausser der Bassist merkt aber niemand etwas. Manu macht seinen Job als Bandleader auf der Bühne brillant. Das Publikum hat ihn mit seiner natürlichen Art vom ersten Moment an ins Herz geschlossen. Dies besiegelt er dann in der Hälfte des Konzerts mit einem Geburtstagsständchen für sein Plattenlabel zum einjährigen Bestehen. Er spielt die Einlage mit einer gelben Ukulele, von der nach dem Konzert die Leute an der Bar schwärmen. Während des Geburtstagsliedchens ziehen wir drei von der Band neben der Bühne Zwischenbilanz und nach diesem Ukulelenintermezzo, das erst heute Nachmittag erfunden wurde, kommen wir wieder auf die Bühne und Manu holt seine Schwester Lea rauf, was bei den männlichen Besuchern für grosse Augen sorgt und singt mit ihr ein Duett. Wirklich unbezahlbar, der Ausblick auf diese giggerigen Augenpaare. Nach dieser zärtlichen Episode spielen wir ein Song, in dem es um einen Kokainsüchtigen geht. Die Schlagzeugbegleitung erinnert an eine Horde Neandertaler aber das Publikum bleibt in Bewegung und tanzt genau so, wie bei den sogenannten Dance Rock Songs (Das ist die Stilbezeichnung für Manao im Programm). Wir schliessen das Konzert mit einem Song ab, der sehr an Jets „Are you gonna be my Girl“ anlehnt und vom Roadhouse, einem Club in Luzern, in dem man so einiges erlebt hat, erzählt. Klingt vielleicht langweilig, ist aber so. Und dass es alles andere als langweilig ist, beweisst die Tatsache, dass bis in die hintersten Reihen lauthals mitgesungen wird. Also diese Mitsingspielchen können ja richtig Spass machen, wenn sie angebracht sind, was hier (abgesehen von meinem letzten Geburtstag) das erste Mal der Fall ist, seit ich in die Felle zu hauen pflege.
Bei den Proben habe ich immer gesagt, wir sollten noch einen Song als Zugabe bereit halten. Nein, die wollen sicher nicht von der zweiten Band des Abends eine Zugabe hören, meinten darauf meine Bandkollegen. Beim Gang von der Bühne, begleitet von sehr lauten Zugaberufen, gebe ich meinen Mitmusikern zu verstehen, dass sie dem „alten“ Haudegen in Zukunft ruhig was glauben dürfen. Wir beraten, welchen Song wir jetzt halt wiederholen, doch die Bühnenchefin gibt uns zu verstehen, dass wir leider als zweite Band nicht Zugabeberechtigt sind. Und so etwas geschieht in einem demokratischen Land!
Manu, der denkt, er kann es gemütlich nehmen, denn Guido vom Label sitzt ja am Merchandise Stand und schaut, dass allfällige Plattenkäufer ihren Deal machen können. Als ich eine halbe Stunde später am Merchstand aufkreuze, finde ich einen völlig verstörten Manu vor, der es einfach nicht glauben kann, dass schon 20 seiner CDs verkauft wurden und von allen anderen Bands eigentlich keine und dass alle ein Autogram wollten und er nicht da war. Was man nicht alles lernen muss!
Auf der Suche nach meinem Gästelistenplatzanwärter, einem ehemaligen Schüler von mir, der nach Luzern gezogen ist, wird mehrfach mit dem Finger auf mich gezeigt und getuschelt. Um was es dabei geht, erfahre ich zum Glück nicht aber das Wort „Manao“ kommt immer vor. Vielleicht halten sie mich diesmal für seinen Zwillingsbruder? Mich zieht es eher nach Hause, weshalb ich dafür sorge, dass mir die Gage ausgehändigt wird. Ich bin ja schliesslich auf der Bühne nicht gestorben, weshalb klar ist, wer der Gagenempfänger meines Anteils ist. Der Tag war trotz dem Erfolg sehr anstrengend und wenn ich die tuschelnden Chicks so anschaue, wird mir klar, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Aber auch nicht der Älteste! Und wollte ich mal alt werden, so sollte jetzt heimgehen, mir vom Schlaf die Anstrengung aus den Knochen treiben lassen und morgen mit einer schönen Nackenstarre aufwachen, da ich wieder mal vergessen habe, meine Nackenmuskulatur auf das Konzert einzustimmen. Immer noch besser als der Kater, den die meisten hier plagen wird.
Posted on 20 Apr 2010 by chrz
09.02.2010 parties break hearts @ Bierhübeli Support Biffy Clyro (UK)
Am Dienstag, 02.Februar 2010 erreichte mich eine SMS von Mike, dem Bassisten und temporären Bookingrumoren von parties break hearts: „Yesss…Jungs, wir haben den Biffy Clyro Support!“ Irgendwann im Januar habe ich mir mal gedacht, dass das wohl nichts mehr würde und die Sache eigentlich schon zu den hundert Akten der nicht gekriegten Supportslots sortiert. Aber Mike hat den Booker vom Bierhübeli so lange genervt, bis er uns den Slot eine Woche vor dem Konzert zusprach. Schnurstracks hatten wir einen Rider in der Mailbox, dem man auf insgesamt 9 A4 Seiten entnehmen konnte, was und wie Biffy Clyro alles im Backstage vorzufinden erwarten. So weit sind wir halt noch nicht. Wir freuen uns noch über eine halbe Stunde heiteres Musizieren vor vollem Haus.
Wie im Rider geordert stehen wir pünktlich um 17.00 Uhr mit unseren Instrumenten im Bierhübeli und sehen zu, wie gerade die Techniker von Biffy Clyro den Soundcheck beenden (meinen wir jedenfalls). Bis 18.00 wäre dann die andere Vorband, die mit BC auf Tour ist dran und danach wäre dann noch eine halbe Stunde Zeit für unseren Soundcheck, plus eine Stunde Reserve bis Türöffnung. Doch nur wer einen Fahrplan schreibt, hält ihn nicht immer ein: Eine halbe Stunde passiert mal gar nichts, ausser dass ich mein Schlagzeug zwei Mal aus- und einlade, weil sich die Vorband und die Bühnenverantwortliche vom Bierhübeli nicht einig werden, wessen Schlagzeug ich benützen soll. Ich hätte zwar ja mein komplettes Set dabei, aber da man offensichtlich gegenüber dem Running Order langsam aber sicher in Verzug gerät, wird die Zeit nicht mehr reichen für einen Schlagzeugwechsel.
Jetzt lassen sich auf einmal drei verschlafene Typen auf der Bühne blicken, deren Visagen ich heute schon in der Zeitung abgebildet sah: Biffy Clyro. Sie müssen sich vergewissern, ob ihre Techniker auch wirklich schön brav alles wohlklingend eingestellt haben. Es wird noch mal jeder Kanal minutiös gecheckt, dann ein paar Nummern angespielt. Der Frontmann meckert in kaum verständlichem Schottisch über den Monitorsound, so etwas wie „can’t hear the drums“ und die Techniker versuchen mit allen Tricks, es dem Sänger gemütlicher zu machen, derweil er mit seinen Gitarreneffekten nervtötende Experimente macht. Wir schauen uns das aus sicherer Entfernung an und denken uns unsere Sache: Beim zwölften Tourdatum sollte man doch das langsam im Griff haben und abgesehen davon würde es uns grausam nerven, jeden Tag 4 Stunden Soundcheck zu machen. Mir persönlich als Schotte wäre es viel lieber, das verschneite Bern anzuschauen, mir von der lokalen Vorband einen Tipp geben zu lassen, wo man denn bei herrlicher Aussicht am gemütlichsten einen Cappuccino schlürfen kann oder ob es gar in der Stadt einen fetten Plattenladen gibt. Denn die Typen könnten sich das leisten, da sie erstens Techniker haben, die ihnen alles einrichten und zweitens Gage kassieren, mit der man sich blicken lassen kann. Ich erinnere mich an einen Tag auf Tour mit Cheekbones, als ich in Hamburg in einem Plattenladen stand und mir die Platte nicht gekauft habe, weil ich mir die Kohle fürs Essen aufheben musste….
Aber eben, lest mir bitte diese Gedanken vor, wenn ich auch mal so ein schwachköpfiges Verhalten an den Tag legen würde, falls mich tatsächlich das Schicksal jemals auserwählt, in einer Band unterwegs zu sein, die internationale Heavy Rotation auf Radiosendern geniesst und Bierhübelis in ganz Europa füllt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht begreifen, wie man um 70 Minuten Rockmusik mit ein paar vertrackten Taktwechseln, bei denen das Publikum aber nicht den Faden verliert (was etwa das einzige ist, worum ich diese Band bewundere) so ein Drama machen kann. Mittlerweile hat man dem werten Sänger, auch genannt Diva, einen separaten Monitor hingestellt, um ihm darüber nur Schlagzeug entgegendröhnen zu lassen. Wie wäre es mal mit einem gratis Hörtest oder einem Workshop „Bühnensound sinnvoll gestalten“. Derweil macht sich endlich die andere Vorband, die nicht gerade gesprächig ist, uns aber immerhin grüsst und das nötige mit uns bespricht bereit für den Soundcheck. Hinter der Bühne kriege ich mit, wie das Meitschi vom Bierhübeli, das hier für den Bühnenumbau verantwortlich ist grausam den Tourmanager von Biffy Clyro zur Schnecke macht und ihm einschärft, dass die Berner Geduld jetzt endgültig überstrapaziert ist und es jetzt gelte, den Finger raus zu nehmen. Da klatscht der Mann in die Hände, worauf seine Schützlinge die Bühne freigeben und in ihren privaten Backstage gehen, wo es reichlich Medizin hat, um sich tüchtig zu besaufen. Die vier Freaks von der Vorband machen den Soundcheck angeblich so quick wie möglich, während wir unten im Aufenthaltsraum schon mal des Dinner unserem Soundcheck vorziehen, denn nach unserem Soundcheck wird zum Essen keine Zeit mehr sein. Türöffnung ist um 19.30 Uhr vorgesehen aber unser Soundcheck findet um 19.37 statt und dauert 5 Minuten, dann werden die Türen geöffnet und der Raum tröpfelt sich mit Biffyhungrigen voll, die zu 99% gar keine Ahnung haben, was partes break hearts ist.
Parties break hearts ist die Band, die um 20.15 auf die Bühne steht, aus Bern ist und den Job hat, die Fans von Biffy Clyro auf Konzerttemperatur zu bringen. Die parties break hearts Fans drängeln sich zu dem Zeitpunkt aber noch in der Warteschlange im Schnee, da sie es sich schlicht nicht gewohnt sind, länger als es dauert, einen Zehner aus dem Portemonaie zu kratzen auf Einlass zu unseren Konzerten zu warten. Die meisten von ihnen kriegen nur die letzten 2 von 7 Songs mit, die wir hier rauspfeffern und von denen wir denken es seien zur Zeit unsere Vorführmodelle. Ich glaube, wir spielen das Zeug ziemlich gut, doch im Vergleich zu den anderen Bands, werden wir am schlechtesten klingen, da können wir noch so gut spielen. Die Techniker von berühmten Bands haben so ihre Tricks, wie sie ihren Auftraggebern garantieren können, dass nicht auf einmal eine unbekannte Vorband den Main Act an die Wand spielt. Das würden wir uns ja auch nie zutrauen. Biffy Clyro zählen zu den Vorbildern von parties break hearts, wenn auch nicht unbedingt zu meinen persönlichen. Aber sie sind uns musikalisch definitiv noch einige Schritte voraus. Doch, wie bei nicht wenigen dieser Bands, spürt man eine gewisse Angst, jemand könnte an ihrem Thron kratzen. Eine Angst, die mit steigendem Bekanntheitsgrad oft noch zunimmt.
Als wir von der Bühne gehen, werfe ich meine Drumsticks ins Publikum, eine Pose die ich erstens seit meinem letzten Auftritt mit den Grasbeamten (mindestens 10 Jahre her) nicht mehr praktiziert habe und zweitens, noch bevor der zweite Stick landet, schon wieder bereue und absolut peinlich finde. Immerhin muss ich nicht das scheppernde Geräusch eines auf Parkettboden fallenden Stocks ertragen, denn es scheint tatsächlich Leute zu geben, die sich die Dinger aus der Luft krallen. Dies bestätigt sich, als ich mir nach dem Verladen unseres Equipments einen Weg durchs Gedränge im Saal Richtung Merchandisestand bahne und einen meiner Sticks aus der Gessässtasche einer Jeans lugen sehe. Soll ich ihn zurückklauen? Hat mich schliesslich was gekostet… Dieser Gedanke wird vom ersten Ton der zweiten Vorband zerstört. Nach unserem Energiegeladenen Auftritt, bei dem wir dem Publikum unsere eingängigsten Melodien um die Ohren geschmettert haben, kommt jetzt ein Gewitter aus wirren vertrackten Riffs und Rhythmen, die selbst bei mir nur noch Fragezeichen hervorrufen. Dieser Sound ist höchst anspruchsvoll und die Leute brauchen mindestens drei Songs, um sich daran zu gewöhnen, was die Band, die sich Blackfish nennt da macht. An mir geht das relativ spurlos vorüber, da ich am Merchandisestand erst einmal paar CDs unterschreiben darf und dann meine enttäuschten Freunde trösten muss, die nur die Hälfte von unserem Set mitgekriegt haben. Dann ist das Set von Blackfish vorbei und das Publikum beginnt sich jetzt ernsthaft vor die Bühne zu stopfen. Ich treffe eine Freundin an, die meine Konzerte nicht nur in diesem Tagebuch verfolgt und erfahre von ihr, dass Biffi Clyros Musik ja schon gut sei, aber man sei eigentlich wegen dem gut aussehenden Sänger hier. Na wenn das so ist, zum Glück war ich letzte Woche beim Friseur.
Posted on 14 Feb 2010 by chrz
Jeder Ton zählt! Die etwas anderen Weihnachtskonzerte der KbF Busswil
Ich könnte hier vieles schreiben. Von Cheekbones, die in Bubendorf ein Publikum gerockt haben, das tatsächlich geglaubt hat, wir seien so richtig berühmt. Dementsprechend wir doppelt so lange wie normalerweise auf der Bühne standen und uns sogar Roxette Covers, die wir selber nicht konnten, abverlangt wurden und dennoch gefeiert wurde, als ob Noel Galhager den Handstand gemacht hätte. Dafür kam dann die Veranstalterstochter barfus daher und gab uns „fufzig Frangge, de kömeter wenigstens uuse…“HALLOOO??
Oder von parties break hearts, die im Z7 als Opener für 3 Metalcore/ Emo Bands auftraten. Die ersten 5 Reihen der versammelten Emos fanden es gut. Der Rest der Halle war leer. Und die anderen Bands sassen im Backstage und haben offenbar verlernt, wie man mit Menschen ohne Laptop kommuniziert. Jeder glotzte verkrampft in seine Kiste, nicht ansprechbar. Wiederlich.
Oder von kleiner HAi, die in der Piazzabar gezeigt haben, wie Since Fiction nicht nur im Buch umgesetzt werden kann. Die Blicke der Leute sind unbezahlbar, wenn sie nicht mehr verstehen, was gerade passiert. Ja das Ufo ist gelandet. Und? Interessiert euch wahrscheinlich eh nicht. Oder ich habe gerade keine Lust mich darüber auszulassen. Ich werde euch in Zukunft sicher noch genug Schmackerl zu diesen und anderen Themen servieren.
Aber es gibt einen neuen Aspekt meines Musikerdaseins, von dem ich euch erzählen möchte. Ist vielleicht nicht gerade die Anekdote eines Mick Jaggers, kurz vor seinem Durchbruch. Dafür die eines Musiklehrers, der die Aufgabe hat, im Musikunterricht der Klasse weniger die Tonleiter als etwas über das Leben, das sie erwartet, beizubringen.

Die KbF (Klasse für besondere Förderung) aus Busswil, die ich als Musiker in (natürlich) Musik unterrichte, hat sich auf die Fahne geschrieben, musikalisch unter dem Namen „The Green Wall“ in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten. Dass das nicht im üblichen Klassen- oder Schülerbandkonzertrahmen stattfinden wird, war den 10 Schülerinnen und Schülern der KbF ab der ersten Musiklektion klar. Geplant waren für die Weihnachtszeit zwei Events, bei denen die Klasse zum einen in einer Stadt ihr Repetoire als Strassenmusiktruppe zum Besten geben und zum anderen eine kleine Konzertour durch nahe gelegene kleine Alterswohnheime machen kann.
Die Vorbereitung war streng: Die Texte der vier Lieder mussten auswendig gelernt (drei der vier Lieder haben englische Texte, was für Schülerinnen und Schüler ohne Englischunterricht nicht zu unterschätzen ist), die Treffsicherheit der Töne geschärft und das Timing der Einsätze perfektioniert werden. Doch damit nicht genug: Die Gruppe musste sich auch optisch bzw. modisch auf die Auftritte einstellen und auch das Ansagen der Lieder bedurfte der Vorbereitung.
Am 17. Dezember 2009 war es dann endlich soweit und die Klasse traf sich zum ersten Ausflug nach Bern, um sich den Passanten im turbulenten, von Spendeaktionen und Weihnachtsgedränge geprägten Abendverkauf zu präsentieren. Erst war die Klasse dagegen, auf der Strasse zu singen. „Das tun doch nur Penner!“ und „wir wollen nicht, dass uns jemand den wir kennen dabei sieht!“ prägten ihre Haltung. Doch durch vermitteln der Realität und durch Diskussionen in der Klasse, änderte sich nach und nach das Bild, das die Klasse von Strassenmusikern hatte. Nach einer Zugfahrt, während der sie ihre Nervosität mehr oder weniger erfolgreich herunterspielten, stellten sich die Jugendlichen beim ersten Standort in der Marktgasse unter den Lauben auf. Jeder Ton zählt! Die Geräuschkulisse im verschneiten Bern, wo Passanten mit den Winterstiefeln palavernd an einem vorbei drängeln und die Trams bimmelnd durch die Gassen kriechen zu übertönen, brauchte mehr Kraft als erwartet. Doch alle Beteiligten sangen sich die Seele aus dem Leib und vergassen dabei schnell die eisige Kälte. Die ersten Münzen und Noten fielen noch vor Ende des ersten Liedes in den offenen Gitarrenkoffer, in dem ein rotes A4 Blatt darauf hinwies, dass die Klasse für die Spendeaktion „Jeder Rappen zählt“ sammelt. Die Jugendlichen hatten im Vorfeld die Wahl, ob sie das Geld für die Klassenkasse sammeln wollen oder gegen Malaria in Afrika. Die Jugendlichen haben sich klar für letzteres entschieden und der Stolz über das häufige klimpern der Münzen konnten die Zuschauer, die stehen geblieben sind und am Ende der Lieder in die Handschuhe klatschen den Schülerinnen und Schülern deutlich von den Gesichtern ablesen. Und schon ging es zum nächsten Standort, in der Nähe des Kornhausplatzes und danach an den Bärenplatz und dann in die Spitalgasse, wo sich plötzlich eine Fangemeinde fremder Jugendlicher vor den Sängerinnen und Sängern aufbaute und derartig krach machte, dass eine Rentnerin, die eigentlich die Lieder hören wollte, sofort bei den Störefrieden auf Ruhe pochte. Vergebens. Beim letzten Standort am Bundesplatz wurde dann klar, wie „klein“ die Gruppe eigentlich ist, als hunderte von Menschen zu dem Medienspektakel, das der Radiosender DRS 3 hier inszeniert hat strömten und die singende Klasse kaum beachteten. Doch auch hier erhöhte die Klasse den Saldo im Koffer. Der warme Tee, den die Klassenlehrerin mitgebracht hat erhielt nur kurz Aufmerksamkeit der Klasse. Auf der Suche nach Freiwilligen, die mitkommen würden, um das Geld abzugeben, kapitulierte der Musiklehrer ziemlich schnell, da alle mitgehen wollten. Wenig später waren die, in etwas mehr als einer Stunde gesammelten 150 Franken abgegeben und die Klasse auf dem Weg zurück zum Bahnhof. Das Wort „Penner“ war nicht mehr zu hören, viel mehr „Wann machen wir das wieder?“
Wenige Tage später präsentierte sich die Klasse am Montagmorgen im kleinen Alterswohnheim in Busswil. Nur etwa 7 betagte Zuschauer sassen im Publikum im geheizten Aufenthaltsraum der Familie Astik, die das Altersheim führt. Eine ganz andere Situation als in Bern, was der Realität eines Musikers auf Konzerttournee voll und ganz entspricht. Doch das kleine Publikum freute sich sehr über das Ständchen der Gruppe und lauschte gespannt was nach der Ansage, „Guten Tag, wir sind The Green Wall und wir singen für euch Black Or White von Michael Jackson“ und der Erklärung, wer dieser Michael Jackson eigentlich war kommt. Bravo! hiess es sofort nach dem ersten Lied, sowie nach der zweiten, dritten und vierten Nummer. Und schon war das Konzert wieder vorbei. Die Senioren hätten gerne noch mehr gehört, doch die Gruppe musste weiter zum nächsten Auftritt. Es gab noch Schoggistängeli und Mütschli als Dankeschön. Dann fuhr der Schulbus vor und The Green Wall wurde wie auf Tour nach Lyss ins Alters- und Pflegewohnheim Lyssbach kutschiert. Hier konnten sich die Jugendlichen in einem Nebenraum bereit machen, während alle Bewohner in den Aufenthaltsraum gebracht werden, wo die Gruppe schliesslich auftrat. Die Schülerinnen und Schüler legten mittlerweile einen fast professionellen Auftritt hin. Eine Zuhörerin, deren Mann noch die Zeitung las, während das Konzert schon in vollem Gange war, duldete dies nicht und ermunterte ihren Mann zum Zuhören. Niemand von den Singenden liess sich ablenken und alle gaben sich auch bei diesem letzten Auftritt vor unbekanntem Publikum grosse Mühe. So wurde The Green Wall auch hier mit einem warmen Applaus, einer zum weitermachen ermutigenden Ansprache des Heimleiters und einem Znüni verabschiedet. Draussen löste sich die Spannung dann mit fliegenden Schneebällen beim Warten auf den Tourbus, der die Klasse zurück in die Schulstube brachte.
Posted on 10 Jan 2010 by chrz
27.11.2009 Peter Piek @ Hog Bar, Rock Bar dlx, Golling AT
Es ist eine Schande. Wir erreichen Golling um 18.30 Uhr mit grosser Vorfreude und als erstes müssen wir unsere Unterschrift dafür geben, dass der Club eine Chance hat, überhaupt weiter zu existieren. Eine Nachbarin, Frau H, hat wohl in ihrer Jugend was versäumt und muss jetzt politisch gegen einen Club vorgehen, der weit und breit einer von den wenigen ist, die alles richtig machen. Ich spiele hier zum dritten Mal und weitere Gigs mit anderen von meinen Bands sind schon gebucht. Meinen Tagebucheinträgen ist zu entnehmen, dass die Hog Bar in Golling, so weit es auch von zu Hause weg ist, immer wieder Balsam für die Seele ist, gerade in harten Zeiten für unbekannte Bands. Der Deal ist hier voll in Ordnung. Die Bands kriegen den Eintritt, der Club die Bareinnahmen. Die Location befindet sich abseits vom Mainstreamtrubel in den Salzburger Voralpen aber man hat ein Publikum, das gerockt werden will. Die Getränkebons würden bei geschicktem Einsatz reichen, um sich die Lampe ordentlich zu füllen, da sie nur für alkoholische Getränke gelten, Softdrinks sind für uns unbeschränkt gratis, wir kriegen ein leckeres Nachtessen und ein Landgasthofzimmer zum Übernachten. Abgesehen davon zählen Andi und sein Bruder, die die Bar führen zu den sympathischsten Cluboberhäuptern, die ich je gesehen habe und haben einen guten Musikgeschmack dazu. In der Hog Bar besteht die Hälfte des Publikums auch aus Musikern der Gegend, was zur Förderung der Netzwerke unter Musikern über die Landesgrenzen heraus führt. Kulturförderung pur, ohne dem Staat einen Cent abzuzwacken. Aber nein, nach jahrelangem erfolgreichem Betrieb muss nun Frau H. aus G. dumm rüsseln und bei der Behörde gegen die Hog Bar weibeln. Der Landgasthofbetrieb war zwar eigentlich eher da als die Hütte von Frau H. aber reiten wir jetzt mal nicht auf Details herum. Offensichtlich liegt Andi und Co. der Peter Piek Gig stark am Herzen, denn Leute, die ans Konzert kommen, die mir übrigens am Parties Break Hearts Konzert diesen Frühling geflüstert haben, sie hätten leider letztes Jahr Peter Piek verpasst, sagen mir, das sei unter den aktuellen Umständen die Ausnahme schlechthin, dass das Konzert nicht abgeblasen wurde. Der ganze Trubel um die Nachbarschaftsklage wird allerdings von Andi nicht gross zum Drama heraufgespielt. Während des Soundchecks, bei dem wir die Supportband aus Linz kennen lernen, deren Torbus wir auf der Autobahn etliche Male überholt haben, wird überhaupt keine Panik wegen Lautstärkeproblemen gemacht. Man weiss schliesslich hier, dass Rockmusik bei unter 100 dB nicht funktioniert, was dem „Mischer“ von gestern im Carina beispielsweise nicht bekannt ist, Vollpfosten. Andi hat vorsorglich die Fenster in den 1 Meter dicken Mauern des Clubs zugemauert und macht schon mal ausserhalb des Clubs Lärmmessungen, während des Soundchecks, um sicher zu gehen, dass das Problem der Nachbarin H. sicher nicht bei der Lärmbelästigung liegt. 45 dB, als keine Band spielt, aber ein Auto anbraust. 43 dB, als wir volle Kanne kloppen und ein Wind weht, 44 dB das rauschen des Bachs. Selbe Situation der Lärmemission während des Konzertbetriebs. Ich könnte kotzen. Hoffentlich brennt das Haus von Frau H. bald ab, weil sie, vergessen das Hörgerät einzuschalten, den laufen gelassenen Gasherd nicht bemerkt hat. So, genug über stieres Pack gelästert. Zum Konzert gibt es nur folgendes zu sagen: Die Vorband war besser als jede Vorband hier zuvor, obwohl ich finde, der Leadsänger gehöre in die Mitte und nicht in den Schatten links aussen und der Schlagzeuger dürfte auch mal schlagen und nicht irgendwas rumjazzen, wenn er in einer Rockband sitzt. Die Band erntet Zugaberufe, nützt die Situation aber nicht aus und wir rocken dann voll vors Fressbrett. Aber wirklich voll. So voll wie glaub ich eigentlich noch nie vorher auf dieser Tour. Der gut besuchte Laden ist bestens in Stimmung und wir auch. Im zweiten Song verirren wir uns zwar ein wenig, weil die Nebelmaschine, die eigentlich für Open Airs konzipiert ist, einfach alles einlullt und wir nicht mal mehr unsere Instrumente sehen können. Unsere Performance sprudelt nur so vor Energie und wir werden am Schluss auch nicht mehr von der Bühne gelassen. Irgendwann ist unser Repertoire dann aber vollends ausgeschöpft und wir ergeben uns der Golling Party. Eine Viatnamesentussi (das soll jetzt nicht irgendwie rassendiskriminierend rüberkommen, aber sie ist wirklich eine Tussi, ich kenne kein anderes Wort dafür, sorry) führt mir ihre Digicam vor, mit der sie ihren „Freund“ während unserem Konzert Fotos von mir und ihr machen liess. Zu erst hat sie mir mit ihrer Ich-strecke-meinen-Po-dem-Schlagzeuger-entgegen-Pose die so HiHat weggedrückt, dass ich sie bei Peter Pieks 2nd Dream nicht mehr traf, dann sass sie mir zwischen zwei Songs plötzlich halb auf dem Schoss um sicher zu gehen, dass sie mit mir abgelichtet wird. Und ich dachte, während eines Konzerts Rosen vom Kavalier angedreht zu bekommen sei die Krönung der bizarren Situationen dieser Tour.
Nach unserem Abgang entert Andi stolz die Bühne und verkündet stolz den Gewinner des Dezibelwettbewerbs. Peter Piek siegt mit 106 dB, gemessen im Club, draussen war es permanent unter 45 dB still, ausser es bellte ein Hund. Da könnte ich auch nicht schlafen.
Viel später am Abend philosophiere ich noch mit Andi über die Moral von Rockclubs und lasse mich über Frau H. ohne Scham aus, während meine Bandmates mit irgendwelchen mehr oder weniger musikalischen Konzertbesucherinnen versuchen, den ohnehin schon gelungen Abend aufzuwerten. Es muss 4 Uhr werden, damit ich alle Getränkebons versoffen habe (halt nicht so effizient). Lucka und Peter scheinen das bis zum bitteren Ende durchziehen zu wollen und sind auf dem besten Weg, belastendes Material zu sammeln. Mir ist das zu blöde und ich lasse sie zurück und widme mich der Verfassung dieses Tortagebucheintrages im Hotelzimmer Nummer 23.

Posted on 28 Nov 2009 by chrz
26.11.2009 Peter Piek @ Cafe Carina, Wien AT
Lest noch mal Tagebucheintrag Peter Piek Cafe Carina 2008. Das Konzert verlief stimmungsmässig exakt identisch, obwohl wir unser Set der verkrampften Wienerheit angepasst haben und uns die Singer/Songwriterin, die uns in Amsterdam aufgesucht hat, supportet hat. Es war echt ein Messerstich ins Herz, mit anzuhören, wie schlecht der Mischer, der den einzigen Unterschied zum letzten Jahr darstellt, den Sound für diese Künstlerin eingestellt hat. Bei uns hat er dann genau so einen auf unhörbar versucht zu machen. Sorry, aber wir machen immer noch Rockmusik. Wenn ich da bei dem lautesten Song mit Gehörschutzstöpseln in den Ohren immer noch die Leute lauter quatschen höre als ich kloppe und der Mischer, der gleichzeitig auch noch auf Chef de Bar macht, mir Handzeichen gibt, ich solle leiser spielen, stimmt irgend etwas nicht mehr. Zudem hat man die Getränkebons innert einem Jahr von 6 auf 3 gekürzt und die gelten jetzt auch für unalkoholische Getränke. Ein Wunder, dass ich einen halben Liter Hahnenwasser umsonst erhalten habe. Schalomm. Und Peter bestellte sich einen Gin Tonic, um diesen quatsch herunter zu spülen, worauf die Barkeeperin ihm noch 50 Cent Aufpreis auf den Getränkebon heuschen wollte. Hallo? Peter lief natürlich kopfschüttelnd davon, den Gin Tonic in der Hand. Später hiess es dann, die 50 Cent gehen aufs Haus. Wow. Schönes Wien. Carina auf die schwarze Liste!
Posted on 28 Nov 2009 by chrz
19. bis 22.11.2009 Peter Piek The Italian Story and Driving Style
Ich sage es jetzt mal in Steads Worten in breitem Italoakzent: “Oh my god, they drive me crazy!“ Das erste von vier Konzerten in Italien, das in einem keine Ahnung wie coolen Club in Milano stattgefunden hätte, ist zwei Tage vorher grundlos abgesagt worden. Toll! Stead, unser Mann vor Ort, der uns schon letztes Jahr bei der Gipsy Attacke beigestanden hat, hat aber alle Hebel in Bewegung gesetzt und uns ultrakurzfristig einen Ersatzauftritt besorgt, der zwar niemals so lukrativ wie der Abgesagte sein wird aber lieber das als gar nichts. Egal was man von den Italienern hält, aber in der Musikszene herrschen hier noch Zustände, von denen wir nur träumen können. Wir können in einem Kaff vor Milano in einem Studentenclub namens Il Circolo spielen. Da spielen heute Abend zwei Bands und wir können uns noch davor pflanzen und eine halbe Stunde einheizen. Dafür erhalten wir einen Platz am nach italienischer Manier gedeckten Tisch. In Italien ist es üblich, dass vor dem Konzert alle Mitwirkenden an einer Tafel sitzen und zusammen essen bis genug. Es ist immer sehr familiär und niemand geht hier hungrig oder durstig auf die Bühne. Sonst „Mama mia!“ Um 21.45 beginnt unsere halbe Stunde. Wir sind von der langen Fahrt dermassen von der Rolle dass ich mir bis zum Moment, in dem ich die Bühne betrete eigentlich nur vorstellen kann, ins Bett zu gehen als ein Konzert zu klopfen. Doch vom ersten Schlag an bin ich hellwach und wir toben uns aus. Wir sind schliesslich Musiker und nicht internationale Taxifahrer. Das hier ist die einzige halbe Stunde an diesem Tag, in der wir Musik machen können, also geniessen wir es entsprechend. Die Leute, die hier den Abend verbringen, verteilen sich an die zahlreichen Tische in der etwas übermotiviert grossen Halle vor uns. Der Club war wohl früher mal eine Lagerhalle oder ein Supermarkt und jetzt hat man eine ziemlich fette Lautsprecheranlage reingestellt und es gibt regelmässig Konzerte umsonst. Klar ist, dass die Leute eigentlich hier sind, um zusammen abzuhängen und es spielt gar keine Rolle, ob eine Band spielt oder ob eine Platte läuft. Diesem Umstand zum Trotz kriegen wir allerdings ziemlich viel Aufmerksamkeit und die abgefahrene Jazz Rock Gruppe aus Luxemburg, die nach uns spielt, spielt zwar in einem Takt 100 mal mehr Töne und ein mehrfaches virtuoser als wir, scheint aber damit den Draht zum Publikum, den wir aufgebaut haben eher zu zerschneiden als weiterzuspinnen.
Stead, der die jetzt einen zivilisierten Haarschnitt, der besser zu seiner Freundin passt trägt und den ganzen Abend nur Sprüche gegen Schlagzeuger von sich gibt, lässt uns danach in seiner Wohnung in Milano pennen. Diesmal soll der Aufenthalt bei ihm nicht wieder zum gleichen Desaster führen wie letztes Jahr, weshalb wir unser gesamtes Equipment in die Wohnung hochtragen. Stead hat uns diesmal auch noch in einer weiteren Angelegenheit geholfen, nämlich bei der Abwicklung unseres Kurierdeals mit dem Coodenamen „Turtles“. Ja, wir hatten unter anderem äusserst spezielle Mitfahrgelegenheiten von Köln nach Milano: Drei kleine Schildkröten. Für die machte Stead telefonisch den Übergabetermin in Milano klar. Es ist unglaublich, wie lange ein italiener dafür an der Strippe hängen kann. Es ist schön, Stead und seinen Mitbewohner unter normalen Umständen wiederzusehen und wir lernen die beiden von ihrer entspanntesten Seite kennen.
Das nächste Konzert findet dann in Pavia statt. Ich glaube es ist Freitag. Ich habe mittlerweile die Übersicht über Wochentage verloren. Der Club heisst Spazio Musica und ist Tourtagebuchlesern ebenfalls vom letzten Jahr bekannt. Pavia, eine Stunde südwestlich von Milano hat einiges an Schönheit zu bieten, deswegen sehen wir auch zu, dass wir zeitig da sind. Pizza, Capuccino. Im Club tauchen wir pünktlich und ohne Hilfe des Navigationsgeräts auf. Zu pünktlich, denn hier kommt man grundsätzlich zu spät um pünktlich zu sein. Alles läuft dann wie gehabt, ausser dass der Pavia Effekt von letztem Jahr ausbleibt. Die Leute lassen sich nicht zum Tanzen bewegen, obwohl es eine Gruppe junger Männer vorne rechts erst wohlwollend versucht. Das Problem ist eindeutig, dass die Mischung des Publikums nicht stimmt. Es sind deutlich mehr Männer da und die anwesenden Frauen haben alle ihren Hengst dabei. Da gehen die Typen vorne rechts leider leer aus und ihre Tanzbeine waren sowieso ein bisschen verkrampft. Trotzdem ist die Stimmung freundlich und die Show geht gut über die Bühne. Nach dem Konzert verziehen wir uns in die Wohnung des Clubbesitzers um mal wieder richtig zu schlafen. Die letzten beiden Nächte waren einfach zu kurz und wir haben noch mehr als die Hälfte der Kilometer vor uns. Peter probiert sich aber erst noch durch die abgelaufenen Fressalien im Kühlschrank und stellt fest, dass es schon was wahres hat, wenn ein Italiener sagt, die Sachen im Kühlschrank seien nicht mehr essbar. Immerhin liegt das Verfalldatum des Mozzarellas einen Monat zurück.
Am nächsten Tag brechen wir Richtung Rom auf und kriegen es als erstes mit einer Schrecksekunde zu tun, als wir das Ziel, Alatri, im Navi eingeben: Ankunftszeit 23.45 Uhr! Nach nervösem herumdrücken finde ich dann raus, dass die Fahrt so lange dauerte, wenn man kostenpflichtige Autobahnen meiden würde. Wir haben aber vor die ungeheuren Kosten auf uns zu nehmen und nehmen den schnellsten Weg. Das nächste Problem mit dem Navi bahnt sich dann auf halber Strecke an: Irgendwie ist die Steckbuchse für die Stromversorgung kaputt gegangen. Rom ohne Navi? Niemals! Mit Gaffa Tape (Sehr starkes Faserklebeband, Ausrüstungsgegenstand Nr.1 eines Musikers auf Tour) lässt sich zum Glück alles reparieren. Erst finde ich aber mein Gaffa nicht, was meiner Stimmung gar nicht gut kommt, denn ohne diese Rolle kann ich nicht arbeiten, nein, nicht leben!! Doch peter hat auch Gaffa und dann führt uns das Navi 80 Kilometer westlich von Rom durch die Pampa, abseits der Autobahn über Pässe durch die rauchgetünchte einbrechende Nacht. Um 20 Uhr erreichen wir das Bergkaff Alatri und glauben uns schon fast nicht mehr auf dem Europäischen Kontinent. Wir steuern unseren Tourbus durch die engen Gässchen der alten Stadt und finden diesmal den Club trotz Navi nicht. Ratlos parken wir den Bulli (so nennt der Deutsche den Tourbus, für mich klingt das eher nach Erntefahrzeug, aber egal) auf einem Platz unterhalb der Stadtmauer und wollen den Club zu Fuss suchen gehen. Kaum sind wir aus dem Bus ausgestiegen, ruft jemand „Piiter“. Der Clubbesitzer Nilo, ein glatzköpfiger, strammer junger Mann steht oben an der Mauer und winkt uns zu sich. Wie lange der da wohl schon gewartet hat? Und woher wusste er, dass wir hier parken? Unwichtig. Er empfängt uns sehr herzlich, hat sich offenbar sehr gefreut, flankiert von zwei indiemässig gestylten Typen, die gerade Zigaretten rauchen. Ehm, halt mal, die sind doch allerhöchstens 12 Jahre alt! Nilos Dada Club, scheint so etwas wie ein Jugendtreff zu sein. Aber was ist mit dem immensen Alkoholsortiment hinter der Bar? Also entweder kennt die Jugendschutzbehörde Alatri nicht oder in Italien gibt es keinen Jugendschutz. Zwei höchstens 14 Jährige Girls bestellen sich einen reichhaltigen Cocktail und stürzen ihn schneller runter als ich mein Schlagzeug aufbauen kann und darin bin ich mittlerweile wirklich sehr schnell. Nach dem Soundcheck werden wir erneut wohl verpflegt und danach beginnt einmal mehr das lange Warten auf den Auftritt. Es ist Samstagabend und in der Stadt ist Brautschau. Die Teenies stolzieren ihre Runden durch das Städtchen und halten sich nie länger als 15 Minuten unter einem Dach auf. Es ist ein nervöses Geläufe und obwohl ausser unserem Konzert in der Stadt heute eigentlich nichts los ist, ist der Club fast leer, als wir um 23 Uhr spielen sollten. Wir zögern den Beginn des Konzerts raus und als wir dann endlich anfangen, hat es zwar etwas mehr Leute aber das Rein-Raus Spiel nimmt kein Ende. Es nervt ziemlich, wenn man das Gefühl hat, niemand hört einem zu und Peter beginnt wieder mit der Kölner Masche „ich behandle mein Publikum wie einen Misthaufen“. Da dieses Thema mit Peter immer noch nicht diskutiert wurde, bleibt mir nichts anderes übrig, als dem Bandleader meine Entrüstung mit aggressivem Spiel zu zeigen und versaue dadurch unabsichtlich einen wichtigen Akzent. Sehr unprofessionell von mir und sofort reisse ich mich zusammen. Die Message scheint aber angekommen zu sein und der Mann reisst sich ebenfalls zusammen, wir wenden das Blatt und das Ganze entwickelt sich doch noch zu einer langen und unterhaltsamen Show. Die Menschentraube (Durchschnittsalter 15 Jahre) vor der Bühne wächst mit der Zeit und am Ende, als wir die allerletzte Zugabe spielen wollen, kommt Nilo zur Bühne und bittet uns „In Your Eyes“ zu spielen. Natürlich erfüllen wir ihm diesen Wunsch worauf er wie ein kleines Kind strahlt und den Song mit seiner Freundin in den Armen liebkosend geniesst. Danach bedankt er sich in italienischer Manier bei uns. Kiss Kiss.
Nach dem Konzert setzen wir uns an einen Tisch abseits der Leute und Peter muss eine Moralpredigt zum Thema „Wie behandelt man ein schwieriges Publikum“ von mir und Lucka über sich ergehen lassen. Irgendwann werden wir uns einig und gesellen uns wieder zu Nilo, der den Laden dicht machen will und irgendetwas von Cappuccino stammelt. Wir packen unseren Kram in den Bus und folgen Nilos Wagen durch die Gegen. Erst muss er seine Freundin nach Hause bringen, dann sucht er die ganze Umgebung von Alatri nach einer, jetzt (Sonntagmorgen 03.30 Uhr) noch offenen Cappuccino Bar ab. Eigentlich wollen wir nur noch pennen, aber wir wollen der Gastfreundschaft nicht Knebel zwischen die Beine werfen und trinken in Frosinone Cappuccino mit Nilo und seinem Kumpel, der ziemlich angetan ist von Peters Malerei. Die Beiden scheinen total Fan von Peter zu sein und sind total happy, dass sie mit uns abhängen können. Scheint hier auch üblich zu sein, mitten in der Nacht noch Kaffee trinken zu gehen. Nilo bringt uns dann zu sich nach Hause zum Übernachten. Der Hahn kräht schon, als wir auf der Olivenfarm, wo er bei seinen Eltern wohnt, ankommen. Als wir uns ausgeschlafen haben (Milch im Kaffee macht es möglich) und uns gegen 14 Uhr verabschieden wollen, bittet uns Nilo erneut zu Tisch und Mama fährt einen ordentlichen Italienischen Dreigänger auf. Unglaublich lecker! Gegen 16 Uhr bedanken und verabschieden wir uns dann doch, obwohl wir uns gut vorstellen könnten, hier noch eine Woche zu bleiben. Bevor wir nach Rom fahren, sehen wir uns noch ein wenig Alatri an, dass auf jeden Fall auch sonst eine Reise wert wäre.
Die Fahrt nach Rom würde etwa eine Stunde dauern, dauert aber länger, wenn man die Staubewältigungstechnik der Italiener noch nicht drauf hat. Erneut profitiere ich von einer Lektion in authentischem italienischen Fahrstil. Wir schaffen es knapp rechtzeitig beim Lian Clup aufzutauchen, wo man uns schon erwartet. Der Club ist ziemlich cool und hier spielen gewöhnlich schon eher bekanntere Bands. Da wir heute keinen lokalen Support haben und dazu Sonntag ist, dürfen wir wohl nicht mit dem grössten Publikumsaufmarsch aller Zeiten rechnen. Aber es ist trotzdem toll, hier spielen zu können. Der Club, der ein gemütliches Jazzclubambiente hat, ist gut ausgerüstet, der Mischer ist sehr professionell und er mischt alles andre als jazzig. Er sagt zum Beispiel nicht, Peter soll seinen Gitarrenamp runter drehen. Nein, er stellt noch ein Mikrofon ran, um ihn gegebenenfalls verstärken zu können. Wir müssen uns beim Soundcheck sehr beeilen, denn jemand hat den Club für ein Geburtstagsfest vor unserem Konzert reserviert und darum muss der Lärm um 20 Uhr vorüber sein. Die Dame, die Geburtstag hat, trudelt dann auch pünktlich ein und macht sich mit ihren sehr gut aussehenden Freundinnen vor der Bühne über einen lecker bestückten Snacktisch her, von dem die Bedienung eben Lucka verscheuchen musste. Wir werden derweil an einem anderen Tisch genau so lecker verpflegt. Die darauf folgende Wartezeit vertreiben wir uns damit, am Navi und an der Setliste herumzuschrauben. Die Operation am Navi gelingt, die an der Setliste nicht. Mit bangenden Gesichtern schielen wir immer wieder zum Eingang, vergebens, denn da kommt einfach lange überhaupt niemand. Jedes Mal, wenn jemand von der Geburtstagsparty den Mantel holt, um draussen rauchen zu gehen, denken wir schon, das wars, wir können zusammenpacken. Aber zum Glück kommen die immer wieder rein und je später der Abend tauchen doch noch vereinzelt Leute auf, so auch Awa, die Frau, die uns das Ganze hier arrangiert hat. Während wir uns mit Awa und ihrem Freund, der uns heute auch seine Wohnung zum Übernachten zur Verfügung stellt unterhalten, schreibe ich schnell eine absolut neue Setliste. Wir können hier nicht unser übliches Programm durchziehen. Wir müssen das Ganze auf eine nicht zu lange Greatest Hits Kollektion zusammenstauchen, die aber trotzdem noch ihre Höhen und Tiefen hat. Schwierig, schwierig. Ich protestiere vor dem Konzert auch noch lauthals gegen die verpennte Stimmung, die unter uns gerade herrscht. Mit den schlimmsten Befürchtungen im Hinterkopf (Ich kenne ja diese Römerinnen nicht, aber Frauen, die da wo ich her komme so rumlaufen wie diese Cicas hier, suchen in der Regel das Weite, sobald sie eine elektrische Gitarre hören) gehe ich auf die Bühne und hoffe wie immer das Beste, was dann zur Rettung des Abends auch Eintrifft. Peter legt von A bis Z eine perfekte Show hin. All das, was wir ihm gestern angeprangert haben, setzt er um, als hätte er ein Jahr dafür geübt. Ok, wenn man das bestaussehendste Publkum vor der Bühne hat, ist das schon mal eine saubere Vorlage. Er bringt es aber fertig, dass das kleine Publikum nicht noch kleiner wird. Die Damen können kaum mehr still sitzen und sind entzückt von der überraschenden Darbietung, fotografieren, klatschen, tänzeln, lachen, wollen Zugabe. Heilfroh, dass wir die Party verlängert und nicht beendet haben, kommen wir von der Bühne und Peter baut, nachdem er natürlich seine Fanartikel an die Frau gebracht und Mailadressen gesammelt hat, sofort seine Equipment ab. Was ist denn jetzt los? Lucka und ich blicken uns fragend an. Hat jemand über Nacht Peter ausgewechselt? Normalerweise ist sein Kram der letzte, der nach dem Konzert die Bühne verlässt. Egal, rasch räumen wir den Bus voll, denn wir müssen schlafen gehen. Morgen fahren wir nach Bern, was ja nicht gerade um die Ecke ist und wir müssen noch einen Parkhauswächter bestechen, damit unser Van voll mit wertvollem Equipment bis morgen früh sicher ist.
Montag früh machen wir auf dem Weg nach Bern ein Italy In 8 Hours Sightseeing. Kolosseum Rom, Petersdom, Espresso in Florenz, Pizza in Parma und schon haben wir den Schweizer Nebel erreicht und lassen Pizza und Margherita hinter uns. Italien hat die volle Punktzahl erreicht und ich weiss jetzt, wie man mit dem Auto schneller von A nach B kommt.
Posted on 27 Nov 2009 by chrz
18.11.2009 Peter Piek @ Blue Shell, Köln D
Der bis auf den letzten Platz ausgebuchte Tourbus rollt Richtung Köln, nachdem wir in Amsterdam nach einem gemütlichen Frühstück noch durch die Fussgängerzone in der Innenstadt geschlurft sind. Stau- und Gefahrenmeldungen unterbrechen immer häufiger das schlechte Radioprogramm. Von der Blechplatte über den Zementsack bis zum Dixieklo liegt heute alles auf der Autobahn herum und mit entsprechender Verspätung aber immer noch rechtzeitig tauchen wir in Kölns blauer Muschel (Blue Shell) auf. Ebbel, der uns schon letztes Jahr im MTC mit seiner Band unterstützt hat, ist schon in den Startlöchern und Soundcheckbereit, es fehlt nur noch mein Schlagzeug, das ich seinem Schlagzeuger Marius noch so gerne zur Verfügung stelle. Ich habe mich sehr auf diesen Abend gefreut, obwohl Köln ein hartes Pflaster für Bands ist. Überall sind die Deals so schlecht, dass man letztendlich meist drauflegt. Das steht in einem ziemlich direkten Zusammenhang, dass hier sehr viele gute Musiker rumlaufen und das Angebot an guten Bands eigentlich übersättigt ist. Ebbel ist genau so ein Typ, der sehr gut ist (und dazu so was von auf dem Boden geblieben) und die Performance seines Schlagzeugers Marius hat mich letztes Jahr so beeindruckt dass sie mir seither nicht mehr aus dem Hinterkopf gewichen ist. Wenn man so wie ich unterwegs ist, laufen einem immer wieder Vorbilder über den Weg und wenn man sie nach einer gewissen Zeit wieder im gleichen Zusammenhang trifft, ist es spannend herauszufinden, was man aus der Begegnung gelernt hat. Marius spielt sehr groovig und songdienlich mit einer perfekt bemessenen Prise Verspieltheit. Dazu setzt er sich optisch gut in Szene ohne sich in den Vordergrund zu drängen und wertet damit die Bandperformance zusätzlich auf. Der Marius Style, von dem ich mir gerne eine Tranche abschneiden würde. Und abgesehen davon mag ich ihn auch als Person obwohl wir bis heute eigentlich nur wenig mit einander gesprochen haben.
Ebbel macht als einzige Band Soundcheck, als alles auf die Bühne gestellt ist und dann gehen wir zum gleichen preiswerten aber guten Inder essen wie vor einem Jahr, da man hier im Club auch nicht verpflegt wird. Köln halt. Ich spiele jetzt zum zweiten Mal in Köln, doch kommt es mir vor, als hätte ich schon hundert Mal hier gespielt und es läuft immer genau gleich.
Zurück beim Club sind schon paar Leute da allerdings nicht genug, damit wir heute etwas verdienen würden. Mich stresst das nicht. In unserem Tourbudget steht hinter Köln eine Null und ich freue mich trotz den Umständen darüber, heute in einem Club zu spielen, vor dem ich schon Mal vor verschlossenem Tor stand und dachte, hier möchte ich auch irgendwann mal spielen, weil mir der Club einfach gefällt. Da habe ich also schon Schlimmeres über mich ergehen lassen müssen, keine Frage. Ebbel beginnt um 20.15 Uhr sein Set, dass er zugunsten der nach ihm spielenden Bands kurz hält, obwohl die Leute eigentlich mehr von ihm hören möchten. Danach sind wir dran. Ebbel und Co. stellen sich vor der Bühne auf und sind gespannt was da kommt und ich gehe mit einem guten Gefühl auf die Bühne. Was aber in den nächsten 45 Minuten geschieht, ist die gnadenlose Hinrichtung dieses guten Moods. Wir beginnen das Set mit einer kleinen Setlisteumstellung, die schon Mal überhaupt nicht funktioniert. Gut spielen wir aber trotzdem (ich glaube, ich kann langsam aufhören das zu erwähnen, es sei denn es ändert sich). Das Publikum ist ein bewegungstechnischer Betonklumpen und Peter passt das gar nicht. Er versucht dem Publikum was einzureden von wegen nach vorne kommen, worauf es allerdings überhaupt nicht anspricht. Das fuchst ihn ziemlich und sein zunehmend unfreundliches Verhalten unterschreitet dann denn unteren Grenzwert meiner Toleranz. Ich halte einmal aktiv dagegen, in der Hoffnung, die Handbremse an Peters Pöbelmodus zu finden und jemand ruft darauf hin „aber wenigstens ist ein netter Schweizer in der Band“. Da haben wir das Geschenk. Lucka bleibt während der ganzen Show ganz still und er fragt sich wohl das Selbe wie ich während des ganzen Konzerts. Wir gehen ohne Zugabe von der Bühne wobei ich ganz genau weiss, dass eine Zugabe drin gelegen hätte, wäre das Publikum mit mehr Respekt behandelt worden. Ich bin ja auch nicht der Typ, der als Bandleader jedes Idiotenpublikum mit Samthandschuhen behandelt, aber was Peter hier von sich gegeben hat, also nein, dahinter kann ich nicht stehen. Peter kommt nach dem Gig zu mir und erzählt was wie die sind aber scheisse drauf gewesen worauf ich ihm die Worte „du warst so ein Arschloch“ ins Ohr lege. Das ist dann eigentlich auch das einzige, was ich ihm an diesem Tag noch zu sagen habe. Den Rest des Abends rede ich kein Wort mehr mit ihm. Ich gehe frische Luft schnappen und höre wie enttäuschte Konzertbesucherinnen über Peter diskutieren. Ich wage mich wieder rein und werde von der Sängerin von Marius anderer Band in Beschlag genommen und in ein Gespräch verwickelt. Ich bin heilfroh darüber, daran gehindert zu werden, mich in meine Unzufriedenheit hineinzusteigen. Auch Marius, der das ganze Konzert über vor der Bühne stand, wechselt noch ein paar Worte mit mir und meint ich hätte in meinem Spiel gegenüber dem letzten gemeinsamen Konzert einen Zacken zugelegt. Das ehrt mich und ich verschweige ihm nicht, dass er daran nicht unschuldig sei. In diesem Moment ist für mich Köln gelaufen. Gut gelaufen! Ich fasse neuen Mut und bin wieder in der Lage Peter normal zu begegnen, doch die Stimmung ist immer noch angespannt, als wir uns wenig später in einer Kneipe um die Ecke treffen, um gemeinsam zum Pennplatz zu fahren. Das heute Geschehene jetzt noch auszudiskutieren lassen wir sein. Wir sind auf den Felgen und es bleiben uns nur 4 Stunden Schlaf bis wir morgen nach Milano aufbrechen müssen. Wir werden den Bus voll Mitfahrer haben und wann die nächste Gelegenheit, reinen Tisch zu machen ist, steht in den Sternen.
Posted on 27 Nov 2009 by chrz
17.11.2009 Peter Piek @ Jet Lounge, Amsterdam NL
Nach dem ich mir am freien Tag einen heftigen Muskelkater bei Luckas Konsolenspielboxen geholt habe, steuern wir Amsterdam entgegen. Um unsere Spritkasse aufzubessern, nehmen wir auf langen Fahrten Mitfahrgelegenheiten mit, die so zu einem verhältnismässig günstigen Preis eine lange Strecke fahren können. Heute ist es ein Filmmensch aus Zypern, der von Filmfestival zu Filmfestival reist. Wir planen unsere Ankunft auf 17 Uhr, obwohl wir eigentlich am liebsten viel früher in Amsterdam sein würden, um uns die Stadt noch anschauen zu können, aber wer Amsterdams Parkgebühren kennt, weiss, dass wir uns das niemals leisten können. In der Jet Lounge ist natürlich auch noch niemand da, als wir ankommen, dann fahren wir eben zum anderen Club, in dem heute auch noch Peters Konzert stattfindet. Ja, Peter, darf hier heute gleich zwei Mal spielen. Er hat vor zwei Wochen irgendwo in Potsdam an einer Fahrplantafel per Zufall John Watts, den Sänger der Britischen 80er Band Fisher Z, den er auch persönlich kennt getroffen, mit ihm etwas blabla gemacht und somit einen spontanen Supportauftritt an Watts Konzert, im nur gerade mal feinsten Laden Amsterdams, nämlich im Paradiso gemischelt. Beim Paradiso ist die Parksituation nicht besser und im Künstlerparkbereich ist schon alles mit anderen Tourbussen zugeparkt, also müssen wir leider doch 4 Euro für eine Stunde Auto alleine lassen hinblättern.
Wir dürfen mit Peter zum Soundcheck rein. Peter spielt hier alleine mit der Gitarre und der Laden übertrifft wieder mal alles was ich bislang gesehen habe. Aber Lucka und ich haben eigentlich überhaupt nichts mit der Sache zu tun und das einzige, was wir davontragen, ist ein Backstagepassarmbändchen vom Paradiso, das wir den Rest der Tour tragen werden, ohne je da gespielt zu haben.
Während Peter vor vollem Haus drei seiner Songs zum Besten geben darf und dabei herausfindet, dass die 80er Fans mittlerweile auch schon ziemlich in die Jahre gekommen sind, fahren Lucka und ich zur Jet Lounge und krüppeln das ganze Equipment eine schmale Treppe hoch, während der Amerikanische, seines Zeichens sehr erfahrene Exberufsbassist für 20 Jahre seines Lebens, langsam Angst um seinen Laden kriegt, als er die ganzen Dezibelwaffen sieht, die wir aus unseren Taschen auspacken. Mangels Platz kann ich nur die Hälfte der Schlagzeugteile, die ich auf dieser Tour benütze aufstellen und die Drumstickabnützung wird heute gleich null sein, denn der Expunkrocker, dem der Laden gehört, versucht mich schon wieder zum Besenspiel zu überreden, was ich ihm aber entschieden ausrede. Lucka ist mittlerweile sehr still geworden, was bedeutet, dass der Magen einen absoluten Tiefststand erreicht hat. Mir geht es mindestens genau so und wir gesellen uns in die Pizzeria nebenan und nutzen die Wartezeit bis Peter im Paradiso abgesahnt hat, um uns zu sättigen.
Peter taucht nach 9 Uhr auf, ebenfalls hungrig und tut mit seiner Freundin erst mal das Selbe wie wir vorher, während der Amerikaner uns Plastikdollars für unsere Konsumation aushändigt. An der Bar sitzt auch eine Wiener Singer/Songwriterin, die momentan in Amsterdam Konzerte spielt und uns anscheinend von einem Konzert letztes Jahr in Wien kennt und der Holländer, der uns hier als Supportact und Publikumsmagnet (für 5 Personen, wohl bemerkt) unterstützt, greift bald in die Tasten und spielt seine zwei kurzen, freakigen und ziemlich witzigen Sets an einem Stück. Später wären dann wir dran und der Ami fragt mit seiner heruntergekommenen Stimme „Where the fuck is your fucking singer??“ Woher sollen wir das wissen? Und wir erzählen ihm die Geschichte aus Leipzig, Moritzbastei, Herbst 2008. Ami gröhlt. Irgendwann ist Peter dann doch am Start, hat sich eben nur schnell zwei „Vorgerollte“ besorgt und jetzt drehen wir die Verstärker noch leiser als jemals zuvor. Wir beginnen zu spielen und die erste Hälfte des Konzerts begleitet uns ein kaum erträgliches Fiepen und Brummen der Lautsprecheranlage, die total ungünstig für Konzerte eingebaut ist und zudem wohl falsch bedient wird. Irgendwann findet dann der Amerikanische Punkrockveteran heraus wo es koppelt, behebt das Problem, kippt stolz einen Whiskey runter und erklärt dem halben Publikum seine Heldentat. Obwohl wir unglaublich leise spielen, haben wir unglaublichen Spass und das Publikum applaudiert unglaublich laut für seine Grösse. In einem Song, den ich zum grössten Teil einarmig spielen kann, proste ich dem Ami mit der anderen Bierglas haltenden Hand zu, da er eben so nett war und uns ein zusätzliches Freigetränk in den Bühnenbereich gebracht hat. Meine Geste bringt ihn schier aus dem Häuschen, was mich motiviert, des Öfteren mal ein Bisschen die Stöckchen in die Luft zu werfen, wenn ich sie nicht gerade zum Spielen brauche.
Am Ende des Konzerts fragt dann die Wienerin, ob sie auch noch ein paar Songs spielen darf, was wir ihr natürlich erlauben und ganz am Ende begleiten wir sie auf ihren Wunsch noch spontan bei einer Instrumentalnummer. Sie spielt Klavier und wir unsere Instrumente. Da der Sound im Bühnenbereich aber so schlecht ist, dass man das Klavier kaum hört, müssen wir ihr die ganze Zeit auf die Finger schauen, um zu wissen was sie spielt. So neigt sich der Abend dem Ende zu und wir haben die Wahl zwischen Jugendherberge (mit Kosten verbunden) und Schlafen im Club (eingesperrt sein bis 10 Uhr). Da der Club sehr gepflegt ist, nicht stinkt und einigermassen bequeme Sofas hat, entscheiden wir uns ausnahmsweise und gegen meine Prinzipien dafür, hier das Nachtlager aufzuschlagen. Punkt 10 Uhr morgens kommt der Ami dann zurück um uns raus zu lassen und giesst sich als erstes Mal einen Burbon ein.
Posted on 20 Nov 2009 by chrz
15.11.2009 Peter Piek @ Cafe Milargo, Münster D
Es regnet zwar zeitweise und wir hatten genug Dreisterneschlaf, eine gepflegte Dusche und ein ordentliches Frühstück, aber ich komme bis 16 Uhr nicht ohne Sonnenbrille aus und hänge wie eine abgestürzte Fledermaus im Tourbus. Holländisches Bier ist eine Substanz, die schon in minimalen Dosen tödlich ist. Nur habe ich das von meinem letzten Hollandbesuch nicht mehr so in Erinnerung. War ich damals so viel jünger? Egal, da man ja im Alkohol-Promillewert meines Blutes von gestern keine Spuren findet, kann ich ohne schlechtes Gewissen trotzdem irgendwann auch mal den Tourbus steuern und wir erreichen Münster im Regen gegen 17 Uhr. Bis die Leute vom Cafe Milargo, das eigentlich eine Unimensa ist, da sind, machen wir noch einen kleinen Stadtrundgang mit Sandwicheriahalt, wo ich an meinem Tourtagebuch weiterschreibe, während Peter versucht, die Bedienung zu einem Konzertbesuch zu überreden.
Zurück beim heutigen Veranstaltungsort, bauen wir routiniert unser Equipment auf und passen unsere Instrumente den heutigen, eher anspruchsvollen Bedingungen an. Der Raum erweist sich durch Luckas Schnalztest akustisch nicht gerade als trocken und auch Lautstärketechnisch müssen wir heute so fest drosseln wie es geht. Das Schlagzeug wird hier nicht verstärkt und ich stimme die Bassdrum so, dass das Podest auf dem wir spielen zum natürlichen Verstärker wird, in dem ich die Frequenz suche, bei der das Ding bei jedem Paukenschlag synchron mitschwingt. Gesucht, gefunden. Am Gitarrenverstärker wird auch an den Frequenzen manipuliert, bis das ungeschützte Ohr im leeren Saal keine Schmerzen mehr kriegt und durch abkippen des Verstärkers Richtung Peters Kopf wird sichergestellt, dass er, der sowieso nie genug davon hat, auch die volle Ladung von dem, was da jetzt noch rauskommt abkriegt. Wir kriegen einen sehr warmen, druckvollen aber nicht zu lauten und gut verständlichen Sound hin und sind ein bisschen stolz auf diese Meisterleistung. Es ist immerhin Sonntag und die Nachbarn seien schon etwas gereizt. Ein weiterer Grund, warum wir uns so anpassen müssen ist, dass wir heute Abend einen Pooetryslam musikalisch untermalen. Da sitzt das Publikum in grosser Zahl im ganzen Raum verteilt an Bistrotischen und möchte nach unserer dreiviertelstündigen Einleitung natürlich noch etwas von den Stimmen der Poeten hören und nicht gleich taub sein. Auch diese Veranstaltung ist eigentlich ein Experiment mit uns und wir sind alle guter Dinge, dass es funktionieren wird.
Pünktlich um 20 Uhr füllt sich der Laden relativ schnell. Der Poetryslam ist hier immer gut besucht und davon können wir jetzt, im Gegensatz zu gestern Abend, voll profitieren und zu einer sehr frühen Zeit vor einem vollen Laden performen. Das tun wir dann auch, nach dem wir abnormal nervös in einer Ecke gesessen haben und darauf gewartet haben uns den Poetryhungrigen, die zum Teil schon wieder gehen wollten, als sie die ganzen Instrumente auf der Bühne sahen und sich im Tag geirrt zu haben glaubten. Während des ersten dreiviertelstündigen Sets wird schnell klar, dass sie für uns mehr als erwartet übrig haben und sie mutieren zu unserem Zielpublikum, das wir dann auch gezielt abschiessen. Es dauert zwar etwas lange, bis wir das Eis definitiv brechen. Erst als wir ein paar musikalische Schnitzer bieten und uns dann gekonnt und grinsend aus der Affäre ziehen und Lucka Peter bei seinen Ansagen reinquatscht springt der Funke endgültig und wir gehen bei einem sehr warmherzigen Applaus von der Bühne. Jetzt slammen sich die Peotryakrobaten. Zwei von ihnen sind überaus gut und hauen mich, obwohl ich weder viel davon verstehe, noch grosses Interesse als Konsument dieser Kunst habe schlicht aus den Socken. Auch die anderen drei sind eigentlich besser als solche, die ich schon im Fernsehen gesehen habe, wenn vielleicht noch nicht so packend und routiniert, aber das wird schon noch. Nach einer halben Stunde ist der Slam dann auch schon vorbei und wir dürfen das Publikum wieder unterhalten, während der Veranstalter die Publikumsstimmen für die Schreiber/Leser auszählt. Erst heisst es aber, wir sollen mit Besen und leise spielen, da die Nachbarn nicht so zufrieden sind wie das Publikum. Das wäre aber nicht das was das Publikum und wir wollen und wir einigen uns auf 20 Minuten volle Kanne mit anschliessender Nachtruhe für die armen Nachbarn. Das erweist sich dann auch als einzig richtige Entscheidung, denn die Mädels in der vordersten Reihe können sich kaum noch auf den Stühlen halten. Die Stimmung ist perfekt und ich glaube wenn wir Sie nur einmal aufgefordert hätten, aufzustehen hätten sie das gemacht und das ganze wäre zu einer üblen Tanzparty verkommen. Dazu kommt es dann aber nicht, da die 20 Minuten verdammt schnell vorüber sind. Doch so einfach lassen sie sich nicht abspecken. Schon lange nicht mehr kamen die Zugaberufe so schlagartig und der Wunsch ist uns Befehl. Das Nicken des Veranstalters ist unser grünes Licht und wir bedanken uns passend mit „what about the ladies“.
Die Gage die, hier zwar ein zehntel der Gage von gestern ist, wird dann wohlwollend verdoppelt und beim Vergleich mit dem Konzert gestern vor leerer Hütte, bei dem aber sonst alles aus dem Traumbuch eines Musikers auf Tour abgeschrieben wurde, stellt sich heraus, dass ein gutes Publikum eben doch immer noch am wichtigsten ist. Geld macht bekanntlich nicht glücklich. Aber von was lebst du?

Posted on 17 Nov 2009 by chrz
14.11.2009 Peter Piek @ De Nieuwe Nor, Heerlen NL
Ich fühle mich, als ob man mein Gehirn getoastet hätte, als ich in Heerlen ankomme. Auf dem Weg hier her mit dem Tourbus haben mich auch schon mal zwei Mitfahrgelegenheiten verarscht. Sie sind einfach nicht aufgetaucht sind. Eine weitere hat dafür die mittlere Stunde der Strecke etwas aufgelockert, ansonsten hätte ich wohl jetzt ein totales Blackout von den 136547 Spurstreifen, an denen ich vorbeigesaust bin. Und die Strecke von Dortmund bis Heerlen durfte ich zum Glück als Beifahrer absitzen, da Lucka da zugestiegen ist und das Steuer in die Hand genommen hat. Zudem habe ich letzte Nacht schlecht geschlafen und bin hungrig. Wer mich kennt, weiss, dass das nicht unbedingt optimal ist.
De Nieuwe Nor ist ein absolut cooler Laden. Total modern und bestens organisiert. Die Mannen sind schon an der Arbeit und Peter ist auch schon da, nervös und froh uns zu sehen. Er hat eben gerade eine 3 mal 4 Meter grosse Leinwand auf den Boden geklebt, auf die er heute, während des Konzerts, ein Bild malen wird. Derweil rollen wir unser Equipment rein. Ja, die Zeiten sind vorbei, in denen wir unsere Rücken unnötig malträtieren. Lucka und ich haben sämtliche Sackkarren, die wir besitzen in den Tourbus gepackt, denn wir haben ja Platz ohne Ende, was unserer Tour in eine völlig neue Dimension hebt. Peter sagt es auch immer wieder: „Wow, Tourbus, eine Tour mit Tourbus, unglaublich!“ Das ist nicht das einzige, was den heutigen Abend von Gewohntem aus der Vergangenheit unterscheidet. Die Gage ist heute massiv hoch. Wir dürfen in einem Hotel schlafen, das 3 Sterne über dem Namen trägt (es ist ziemlich gepflegt, bis auf die Teppichböden, die aussehen, als ob sie gerade rausgerissen werden, was auch so ist, denn das Hotel befindet sich im Umbau) und das Nachtessen wird uns in einem todschicken Tapasrestaurant im obersten Stock eines topmodernen Glashauses serviert, Blick über die ganze Stadt. Als wir da beim Abendessen sitzen, bin ich irgendwie voll überfordert. Wir sollten bestellen und die Karte ist ausschliesslich in Holländisch verfasst und anscheinend schon der Holländischen Stagecrew, die mit uns hier isst, zu kompliziert.
Als dann die Miniportionen doch über verschiedene Kommunikationsarten bestellt sind serviert werden hört Peter nicht mehr auf, mich auszulachen. Ob das am bizarren Anblick eines sehr hungrigen Schweizers vor einer Portion Tapas oder an dem Angebot gewisser, in Holland gut erhältlichen Substanzen, die er wohl in den letzten Tagen reingezogen hat liegt, sei dahingestellt.
Um halb neun, werden wir dann schon wieder zurück in den Club verfrachtet, wo wir umgehend auf die Bühne zitiert werden. Niemand da. Ich habe auch nichts anderes erwartet, denn um diese Zeit kommt nie und nirgendwo jemand zu einem Konzert einer unbekannten Band, auch nicht, wenn da live ein Bild gemalt wird, auch nicht wenn es gratis ist, auch nicht, wenn sich der Bassist auf der Bühne ausziehen würde. Höchstens, wenn man Flyer verteilt an gelangweilte Touristinnen, die dann neben den Angestellten das einzige Publikum darstellen. Wir spielen eine schöne Kollektion der greatest Peter Piek Hits und bei jedem Song, der einen Part hat, bei dem Peter nicht mitspielen muss, springt er von der Bühne, mischt Farben an und pinselt wild auf seine Leinwand ein. Bei jedem Song eine andere Farbe, dann kommt er wieder auf die Bühne und spielt weiter. Die Malsequenzen gehen jeweils bis zu fünf Minuten und ich darf unter Beweis stellen, dass ich so lange den gleichen Rhythmus durchziehen kann ohne Variation, so wie Peter es mir vor der Show eingeschärft hat. Beim Underwater Death Song spielt Lucka mit und da es der letzte Song ist, ist mir Peters Befehl schnurz und ich improvisiere ein bisschen und versuche Peters Pinselstriche zu betonen, was dann dazu führt, dass Lucka mir hinterher erzählt, ich habe ihn da fast aus der Bahn geworfen, weil ich die 1 ganz schön versteckt habe. Was ich jetzt sage, wollte ich eigentlich zugunsten Luckas gutem Ruf nicht erwähnen, doch wer die ganze Zeit frech zu mir ist, hat nichts anderes verdient: Die 1 wird in dem Teil des Songs gar nie gespielt. Da kannst du lange suchen. Ha. Jetzt hab ich dich aber schön blossgestellt, he? Stephan?
Die fünf offiziellen Zuschauerinnen verstehen offenbar nicht viel von dieser Malerei- und Musikperformance, schauen aber trotzdem gespannt zu, denn so etwas haben sie in ihrem zarten Alter bestimmt noch nicht gesehen und werden auch nicht so schnell wieder die Gelegenheit dazu haben. Die Leute vom Club sind begeistert und meinen nach dem Konzert, dass man das, was heute anscheinend nur ein Experiment war, unbedingt wiederholen muss und zwar an einem Freitag, da hier Konzerte immer Freitags und nie Samstags stattfinden. Ein weiterer Grund für die leere vor unserer Bühne also. Aber es lässt mich im Augenblick völlig kalt, dass da niemand war. Die Gage haben wir auf sicher und auch sonst war alles perfekt, so auch unsere Performance. Für einen Monat nicht zusammen gespielt (Ausser „while the sun“ im Admiralspalast) und ohne zu proben auf die Bühne, haben wir nämlich astrein gespielt. Und jetzt müssen wir innert 15 Minuten die Bühne räumen. Die Dubstep DJs, die heute Abend noch auflegen sind schon ganz nervös und meinen, in einer Viertelstunde fange ihre Party an und da seien noch keine Plattenteller auf der Bühne. Ich frage nur: „Welche Party? Sind ja keine Leute da.“ Aber alsjeblieft, der Kram ist natürlich pünktlich geräumt und die party kann serviert werden. Danach haben wir auch noch Teil an der Party, bei der wir das Durchschnittsalter massiv hochziehen. Hochgezogen haben wir vorher auch nochschnell das Bild, das Peter gemalt hat, bevor die Teenies gegen Abgabe von 5 Euro reintrampeln durften. Es hängt jetzt über den Köpfen der Party und trocknet da, während die Köpfe es bestimmt für eine psychodelische Deko halten. Wir kucken uns die Sache noch ein Weilchen an, ohne der Aufforderung der immer noch begeisterten Clubmitarbeiter, uns so richtig vollaufen zu lassen zu folgen. Wir trinken 3 Bierdje, was ja eigentlich nur ein Bier ist, wenn man sich mit Holländischen Massen etwas auskennt und haben davon am nächsten Tag einen Kopf als wären es 3 Mass gewesen.
Posted on 16 Nov 2009 by chrz
31.10.2009 Peter Piek Admiralspalast Berlin 7. Fritz Nacht der Talente
Kennst du Wetten dass? Da spielen immer irgendwelche Bands einen Song und kommen dafür aus den USA oder sonst einem entlegenen Ort angebraust. So was Ähnliches mache ich heute auch. Ich fliege nach Berlin um mit Peter Piek den Song „While the sun is burning away“ an der Fritz Nacht der Talente, im ausverkauften, 1700 Nasen fassenden Admiralspalst zu spielen. Obwohl das eigentlich ökologischer Stumpfsinn ist, habe ich nicht gezögert das durchzuziehen. Wenn mich Ken Jebsen und sein Team schon ausdrücklich darum bitten, dann bitte.
Um 9 Uhr kriege ich Berliner Boden unter die Füsse. 2 Grad, Sonne, Wind, 3 Wetter Taft. Ich spaziere mit meinem Köfferchen, in dem ich Kleidung und Drumsticks für 1 Tag und 1 Nacht habe der Spree entlang und schaue mir erst mal den Admiralspalast von aussen an. Die ziemlich heruntergekommene Fassade mit der Aufschrift Admiralspalast haut mich nicht wirklich aus den Socken. Dann merke ich erst, dass der Palast erst im Hinterhof dieses Gebäudes steht. Das ist dann schon prunkvoller und jemand rollt gerade einen roten Teppich im Hof aus. Bis zum Soundcheck schlage ich mir die Stunden in einer warmen Kneipe um die Ohren, einen ausführlichen Illustriertenartikel über den Mauerfall lesend.
12 Uhr, Peter und Lucka tauchen auf und wir gehen rein. Das hier ist eine andere Liga: Wir werden von einer Assistentin begrüsst, die uns gleich jedem einzeln und nacheinander alles zeigt: Bühne und wer macht was (hier ist jeder, der irgendetwas macht ein absoluter Profi), Cateringbereich, wo einer nur dazu da ist, Suppe zu Kochen und nach Bedarf den ganzen Tag Brötchen zu schmieren und den Backstagebereich, in dem jeder Künstler seine eigene Garderobe mit eigener Dusche, Klo und Bett hat. Selbstverständlich ist die Garderobe angeschrieben mit dem Künstlernamen, so dass sich auch ja niemand verirrt (trotzdem sitzt die Sängerin einer Band nach fünf Minuten auf dem Schoss des Sängers der Special Guest Band aus Südafrika). Alles ist ausgeschildert, trotzdem fragt mich Stephan, wo schon wieder das Catering sei. Man kann noch so viele Schilder an die Wand hängen, wer sich noch nicht daran gewöhnt hat, dass alles angeschrieben ist, liest keine Schilder.
Der Soundcheck verläuft nicht störungsfrei. Es gibt irgendwelche Probleme mit dem Mischpult und der Verbindung zum Übertragungswagen (Heute wird alles live am Radio zu hören sein) und niemand wird nervös. Alle bleiben so was von locker. An allen Konzerten, die ich bisher mitgemacht habe, hätte in dieser Situation der Techniker irgendetwas zwischen Schweiss auf der Stirn und einem Wutausbruch gekriegt. Hier nicht. Keine Anzeichen. Bei uns läuft auch nicht alles rund: Die Bühne ist mindestens 25m breit und mindestens 15m tief. Peters Gitarrenkabel ist nur 5m lang. Bis jetzt war das immer ausreichend. Hier hat er damit aber keine Chance, den Bühnenrand auch nur Ansatzweise zu erreichen. Es bindet ihn, wie einen Hund an einen Pfosten, an den in der hinteren Ecke stehenden Gitarrenverstärker. Irgendwie basteln wir dann zwei Kabel zusammen und dann hat auch Peter genügend Auslauf. Der Sound ist natürlich perfekt aber sogar hier schafft es Peter den Gitarrenverstärker zu laut einzustellen. Gelächter bei Lucka und mir. Endlich können wir den Soundcheck machen und der geht verständlicherweise fünf Mal so lange, wie der eigentliche Auftritt am Abend. Danach werden wir entlassen bis 18 Uhr. Während weitere Künstler ihre Technik einrichten, vertreten wir uns die Beine in der Stadt. Es werden heute Abend 7 Bands und 6 Komödianten auftreten. Alles sind auserlesene Künstler der KenFm Sendung auf Radio Berlin Brandenburg und die werden hier dem Publikum vorgeführt. Bei jeder Darbietung erscheint nach exakt 2 ½ Minuten ein Fragezeichen auf der Leinwand und das Publikum kann entweder klatschen und aufmunternd toben, was bedeutet „darf bleiben“ oder buhen, was bedeutet „mach die Bühne frei für den nächsten, du Penner“. Ken schärft uns vor der Show aber ein, dass die Reaktion der Leute nichts über die grundsätzliche Qualität der Kunst, die man darbietet sagt. Reine Tagesform sei das. Entweder sie mögen dich oder sie mögen dich nicht. Er sagt das sehr überzeugend (und schnell, denn der Typ kann so schnell sprechen, dass man seine Lippen gar nicht mehr sieht, unglaublich), doch dass das nicht stimmt beweist Peter Piek. Dazu später.
Die Show beginnt und Clowns suchen mit der mobilen Kamera das Talent im Cateringbereich. Peter findet es nicht im Suppentopf und ich nicht in Luckas Hosenbein. Dann kommt der Typ der zuständig ist für die Radiomoderation und sendet unser nervöses (gestelltes) stöhnen über den Äther. Der Zeitplan hängt überall an den wänden und Zutritt zum Bühnenbereich hat man erst 15 Minuten vor seiner Auftrittszeit. Das sind dann auch die 15 Minuten, in denen ich so richtig nervös werde. Endlich sind wir als letzte Band dran und werden professionell auf die Bühne geschickt. Dass in diesem mächtigen Theatersaal 1700 Menschen unter dem prunkvollen Kronleuchter sitzen und ihre Aufmerksamkeit auf uns gerichtet haben, merke ich nicht im Geringsten. Ich nehme gerade die ersten drei Reihen wahr, der Rest verschwimmt im Gegenlicht. Bei einem Auftritt von drei Minuten ist es schwierig, so viele Eindrücke zu kassieren, schliesslich ist man ja auch noch mit der Performance beschäftigt. Ich spiele das Lied also voller Energie eines zweistündigen Konzerts und sehe kaum mit wem. Peter ist so weit weg von mir, dass er aussieht wie ein Zwerg und Lucka braucht eine stattliche Anzahl Schritte, um zwischen uns hin und her zu pendeln. Die 2 ½ Minutenmarke ist erreicht, das Fragezeichen erscheint. Die Leute jubeln uns zu. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Siegessicher bringen wir den Song zu Ende und auf meinen letzten Schlag nutze ich die unglaubliche Höhe des Saals aus und lasse einen Stock bis fast an die Decke steigen. Der Clown, der die Künstler jeweils von der Bühne begleitet, erwischt ihn, packt mich am Kragen und sticht mich mit meinem eigenen Drumstick nieder. Ich spiele den Sketch natürlich mit und merke erst, als ich hinter den Verstärkern am Boden liege, dass die Leute jetzt plötzlich buhen. Entweder, sie mögen dich oder sie mögen dich nicht. Was ist wenn beides der Fall ist? Nicht mal Ken und sein Team verstehen diese Reaktion. Das hat wohl noch keiner hingekriegt. Fakt ist, wir bleiben im Gespräch. Das wird mir aber erst hinterher klar. Bis zum Ende der Show und noch etwas darüber hinaus, stehen Peter und ich da wie geschlagene Hunde mit hängenden Ohren herum. Später, als Ken sich und uns fragt „was war los?“, mutmassen wir, dass das Publikum unzufrieden war, weil unser Song gleich nach dem Fragezeichen, als die Leute eigentlich wollten, dass wir weiterspielen, zu Ende war. Das kam denen dann vor, als würden wir sie verarschen. Oder vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass Peter als erstes frech zum Publikum war, kaum haben wir die Bühne betreten. Er sagte: „Hallo Berlin! Ihr seht gut aus….verhältnismässig“.
Die Aftershowparty von der alle schon den ganzen Abend schwärmten, erweisst sich nicht gerade als Knüller. Das würde ich übrigens auch sagen, wenn wir den absoluten Hit gelandet hätten. Denn auf der Party befinden sich nur noch ein paar, immer voller werdende Künstler mit ihren Anhängen. Ken und sein Team haben sich ziemlich schnell vom Acker gemacht. Und ich bin am Ende mit meinen Kräften. Schliesslich bin ich seit vier Uhr morgens auf den Beinen. Ich sitze irgendwo am Rand und warte darauf, dass wir endlich schlafen gehen können. Dann erst stellt sich heraus, dass das mit dem ursprünglich geplanten Pennplatz nicht mehr klappt und wir nächtigen in unserer Garderobe. Die anderen Künstler, die eine Stunde später ihren Kram aus ihren Garderoben holen, wecken uns ein erstes Mal, der Sicherheitstyp weckt uns mit seiner Zimmerkontrolle ein zweites Mal und eine weitere Stunde später ist es mein Wecker, der mich freundlich darauf hinweist, dass es 5 Uhr ist und ich zum Flughafen muss. Schlafen kann ich im Flugzeug wieder erwache erst als der Vogel etwas unsanft bei dichtem Nebel in Zürich aufsetzt. In diesem Moment bin ich mir sicher, dass wir abstürzen und das wars dann.
Posted on 11 Nov 2009 by chrz
29.10.2009 kleinerHAi Mahoganyhall Bern Plattentaufe
Manchmal ist es nicht einfach, etwas über ein Konzert zu schreiben. Nicht deswegen, weil viele Konzerte ähnlich ablaufen, denn es ist trotzdem spannend zu sehen, wie in jeder Band eigene Müsterchen und Gewohnheiten entstehen. Nein. Manchmal hat man auch schlicht keinen Bock, Passiertes zu reflektieren, weil das niedergeschlagene Gefühl, mit dem man nach Hause fährt nur noch den einen Wunsch hoch beschwört: Schlafen und Vergessen. Das klingt jetzt vielleicht sehr negativ. Und kleinerHAi hat das nicht verdient! Nicht bei dem ganzen Herzblut, das in diese Band fliesst und den ganzen Aufwand und die Leidenschaft, die wir und allen voran der Sänger, Gitarrist und Keyboarder, L.E.M. da reinstecken. Wir haben Jahre gebraucht um bis hier hin zu kommen, wo wir jetzt stehen. Der Zug rollt und der Plan ist klar. Doch wie dicht der Dschungel ist, weiss man vorher nie, wen man, bzw. wer einen darin findet erst recht nicht und wie tief und ätzend die Sümpfe hinter dem Dschungel sind oder ob einen da ein Palmenstrand mit Sonnenaufgang erwartet, darüber macht man sich besser erst Gedanken, wenn es so weit ist. Jedenfalls wird kleinerHAi wegen ein paar Pfützen, in die er vielleicht ein bisschen übermotiviert reingetrampelt ist und jetzt deswegen nasse Schuhe gekriegt hat, sicher nicht vom Kurs abkommen.
Warum dann also diese Niedergeschlagenheit, jetzt wo ich heimfahre? Nur weil wir gelernt haben, dass die Mahoganyhall nichts für uns (und alle anderen Bands der heutigen Zeit) ist? Na ja. Die haben ja ihr wasserdichtes Business gemacht mit uns. Und ich hätte ja wissen müssen, dass einer, der nicht weiss, wie man die Tür vom Club, in dem er arbeitet, arretiert, auch keine Ahnung davon hat, dass bei einem Rockkonzert der Saal nicht bis an den Bühnenrand bestuhlt wird. Dieses Beispiel ist stellvertretend für alles, was im Bezug auf den Club sonst noch so lief, vor, während und nach dem Konzert. Das hat aber alles wenig mit dem Konzert und der Taufe der Platte an sich zu tun. Daran, dass nur wenig Publikum da war, hat weder der Club noch die Band Schuld. 100 Plakate in der Stadt, Pressemitteilungen und Promoversand, wie es in der Geschichte von kleinerHAi noch nie vorkam können nicht zu wenig sein. Die Leute wollten einfach nicht kommen. Aus welchem Grund auch immer. Ich habe mir schon überlegt, alle Begründungen für Absagen hier aufzulisten und diese Liste wäre dann alles gewesen, was ich zum Konzert geschrieben hätte. Aber so bin ich nicht. Mich hat es auch schon spontan angeschissen, an ein Konzert zu gehen, auch wenn ich es meinem Kumpel, der da spielt, versprochen habe und es war mir dann hinterher nicht recht. Es würde mich auch überhaupt nicht beschäftigen, wenn die Leute einfach entweder kommen oder nicht, ohne sich an oder abzumelden. Aber Höflichkeit zu verübeln, ist auch fehl am Platz. Und sowieso; wenn wir es einen Schritt weiter schaffen wollen, geht es so oder so darum, dass Leute kommen, die wir nicht kennen, wofür wir auch unser möglichstes getan haben. Aber wer kann das schon ganz alleine? Diesmal hat die Presse nicht so gut mitgespielt wie auch schon aber auch wenn das anders gewesen wäre, hätten vielleicht nicht mehr Leute den Weg in die Mahoganyhall unter die Füsse genommen. Wir spielen hier ein Spiel, bei dem man verlieren können muss und dann hat man gewonnen. Wir haben heute gewonnen. Denn das Publikum das da war, war wohlwollend gelaunt, hat Champagner getrunken und hat CDs, Poster und Postkarten gekauft wie wild. An der Stimmung konnte man definitiv nichts aussetzen. Danke an alle Anwesenden! Leider konnte ich das während dem Auftritt nicht aufnehmen und widerspiegeln oder gar gestikulierend die Stimmung anheizen, was ich noch nie konnte, wenn die ganze Verantwortung für den Abend auf meinen Schultern lastete. Wahrscheinlich ist das auch die Lektion, die dieser Abend für mich vorbereitet hatte.
kleinerHAi schwimmt weiter! Nächster offizieller Termin: 19.12.2009 in der Piazza Bar Bern und ich weiss jetzt schon, dass ich da sehr gut drauf sein werde….
Posted on 09 Nov 2009 by chrz
Peter Piek Deutschland Tour Oktober 2009 Teil 3: hamburg HAMBURG
09.10.2009 Ponybar Hamburg

Der Tag beginnt mit Sonnenschein und Spaziergang. Wir haben einen Gutschein für 3 Frühstücke in einem schicken Lokal neben einem Park in der Hand und der Magen knurrt. Heute erwartet uns Hamburg, da kommt uns diese exzellente Stärkung gerade gelegen. Es dauert zwar ein wenig lange, bis die Tafel aufgetischt ist, allerdings hätte ich wohl auch so lange gebraucht um so viele leckere Sachen so schmuck herzurichten und sie zu servieren. Geschlagene 2 Stunden verbringen wir mit dem Frühstück. Das bricht meinen persönlichen Tourfrühstückrekord auf Anhieb.
Nach einem spontanen Selbstauslöserfotoshooting (Foto findet man auf Peter Pieks Homepage, 3 Idioten gehen lachend auf einem Bürgersteig, irgendwo an der Dunckerstrasse in Berlin) brettern unsere Autos mit Equipment und Mitfahrgelegenheiten voll beladen nach Hamburg. Erneut legen wir eine unglaubliche Pünktlichkeit an den Tag, wer hätte uns das je zugetraut! Die Schelte aus dem Ken.Fm Studio trägt wohl Früchte.
Wir betreten, schon wieder hungrig, die Ponybar in Hamburg Rotherbaum. Der einzige Ort, an dem die armen Studenten in diesem schicken Viertel hin gehen können, um sich zu unterhalten und ohne Eintritt zu bezahlen Konzerte hören können (Information aus ortsansässiger Quelle). Die Ponybar hat zwei Räume: Vorne und hinten. Vorne wird gelabert, hinten gelabert und/oder aufgetreten. Heute beides. Vor uns wird nämlich ein Stand Up Comedy Wettbewerb vor dem Konzert stattfinden. Wer das zusammengebucht hat, sollte zwangsausgewiesen werden. Der Soundcheck zieht sich in die Länge, da der Mischer, der seine temporäre Inkompetenz mit „ich bin neu in dem Laden“ begründet, das Kabel überall einsteckt, bis der Monitor endlich läuft. Währenddessen penne ich auf einem der Polstersessel, die heute Abend vor der Bühne stehen sollen. Peter erzählt dem Mischer die meisterzählte Gitarristenlüge „ich habe den Verstärker schon leiser gedreht“ uns spult sein Tape ab, er habe an seinem Gitarrenverstärker gar keinen Masterregler und so. Am Ende wird der Verstärker einfach umgedreht und zündet jetzt Richtung Wand. So kann man das auch lösen. Ich zweifle zwar an der Wirkung aber es symbolisiert guten Willen des Klampfenschrammlers.
Dann taucht auch schon die Comedy Frau auf und labert sich ein. Wir essen Brötchen und mir wird klar, dass ich es hier, im direkten Sprachstrahl dieser Komödiantin niemals aushalten kann. Ich brauche frische Luft und vertrete mir eine halbe Stunde die Beine. Während des Spaziergangs geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass solche Konzerte eigentlich nur auf zwei Arten laufen können: Entweder total schlecht oder unerwartet super. Als ich zurück komme hat es auf jedem der 10 Polsterplätze einen Zuhörer von denen keiner lacht. Ist das nicht Comedy? OK, Ich gehe mich aufwärmen. Da besucht mich einer vom Team des Tontechnikers (das mittlerweile schon grösser ist als die Band) in die Halle hinter dem Club, in der ich meine Ruhe finde um mich auf den Auftritt einzustellen (muss den „Positiv Tank“ anzapfen, unbedingt!). „Sehr vorbildlich“ meint er zu mir, nach dem er mit seinem Kumpel, der erzählt, wenn man mal mit Profimusikern gearbeitet hat, wolle man sich nicht mehr mit Amateuren abgeben, Schaum geschlagen hat. Ich lasse das einfach mal so im Raum stehen und darf dann endlich öffentlich Musik machen. Wieder sind alle zehn Sessel besetzt. Das ist aber auch alles. Hier spielt also eine Band gratis für all die armen Studenten in diesem ach so teuren Hamburg und was tun die Studenten? Im vorderen Raum im Gedränge labern. Ja, stimmt, es könnte ja sein, dass die Band schlecht spielt oder schlecht aussieht oder schlecht riecht. Aber wir haben heute Morgen sogar geduscht. Darüber, ob wir schlecht spielen sage ich nichts, da sprechen die Erfahrungen für sich und wie wir aussehen weiss niemand, denn die Leute geben uns nicht mal die Chance, sich wenigstens darüber zu vergewissern, was da hinten abgeht. Zum ersten Mal auf dieser Tour bin ich froh, dass wir ein Set haben, bei dem wir einige Abkürzungen nehmen können.
Zugabe wollen dann zwei Zuhörerinnen doch noch. Nach dem Konzert werden diese zwei dann herausfinden, dass wir auch nur stinknormale Menschen sind, auch wenn wir auf der Bühne stehen und versuchen die Leute mit guter Musik, die von Herzen kommt zu unterhalten. Zu schade, dass wir nicht ihre Fantasiewesen aus dem Land von Schön und Reich sind. Nein wir wagen es halt, auf eine dumme Fangfrage einer besoffenen „Lady“ eine ehrliche Antwort zu geben. Meine Laune hat nach der unnötigen Plauderstunde, aus der ich mich zwar in den Match entscheidenden Konversationssegmenten rausgehalten habe, einen absoluten Tourtiefstpegel erreicht. Wir fahren mitten ins Schanzenviertel, wo wir den Schlüssel für unsere Unterkunft abholen können. Es gibt da Menschen. Massenhaft. Alles Partygänger von jung bis alt und jede und jeder von ihnen kann mir im Moment so was von gestohlen bleiben. Ich will einfach nur noch schlafen.

10.10.09 Freundlich und Kompetent Hamburg

Wir stehen erst gegen Mittag auf. Wir hatten wirklich ordentlichen Schlaf nötig und mir sitzt die Begegnung von letzter Nacht noch in den Knochen. Wir können hier in einer Wohnung hausen, die von drei oder vier Clubs gemeinsam als Musikerunterkunft gemietet wird. Es hat zwei Zimmer mit Kajütenbetten, frisch bezogen und auf jedem Bett liegt ein frisches Frottiertuch. Es gibt ein Bad mit Dusche am Fenster ohne Milchglas oder ähnlichem Sichtschutz. Gibt es da einen Zusammenhang mit der Herbertstrasse? Eine Küche gibt es auch. Letzte Nacht, als ich schon geschlafen habe, trat plötzlich einer an mein Bett, das auf Kopfhöhe für einen aufrecht stehenden, ausgewachsenen Mann liegt. Es war dunkel und der Raum war nur von einem Feuerzeug erhellt, das der Eindringling vor seinem Kopf hielt. Irgendwie sah er aus wie Stephan. Er drehte sich um, als er mich sah, ging zurück und verlies den Raum. Der Raum war immer noch erhellt, diesmal aber von der Strassenlaterne. Mein Kopf drehte sich zu Stephans und Peters Kajüte. Beide schlafen…
Es ist noch eine Andere Band da, die sich im anderen Zimmer verschanzt hat und letzte Nacht nach uns eingetroffen ist. Sie verhalten sich ruhig, wir auch. Zettel, die in der ganzen Bude aufgehängt sind, verraten da anderes. Scheinbar wird die Wohnung bald gekündigt, wenn sich weiterhin derartiger Lärm nachts durch die Decken in die anderen Appartements drängt.
Draussen regnet es und die Temperaturen liegen, gegenüber den letzten Tagen, in denen wir mildestes Herbstwetter geniessen durften, absolut im Keller. Stephan und mir fällt hier im Haus die Decke auf den Kopf. Schirmlos stolpern wir ins Schanzenviertel hinüber und machen das, was mir einen Grund gibt in Hamburg zu sein (Das „Konzert“ von gestern kann es ja nicht sein): Essen in Omas Apotheke. Dann trinken wir wenige Adressen weiter vorne Kaffee und warten auf bessere Zeiten. Die kommen erst mal nicht. Doch ein Anruf von Peter, der sich irgendwie in der Wohnung eingeschlossen hat, bricht die Szene, an die ich mich gerade eben gewöhnen konnte. Als wir dann nicht all zu schnell reagieren, kommt ein zweiter Anruf. So, nun ist Peter also so drauf, wie ich gestern nach dem Konzert. Wir gehen durch den Regen zurück und befreien den armen Kerl. Wenig später kommt er zurück und meint, er hätte eben zwei Euro erhalten, damit er in der Pizzeria eine Pizza kriegt. Hamburg, verkehrte Welt.
Mit grossen Hoffnungen, die wir auf den letzten Auftritt dieser Tour und auf die Hamburger Konzertkultur setzten, brechen wir Richtung Hamburg Winterhude auf. Das ist ein Viertel, das einen eher gehobenen Eindruck macht. Da gibt es an einer Strassenecke die kleine Bar „Freundlich und Kompetent“. Dieser Name sagt eigentlich schon alles. Und es ist genau, das was wir brauchen. Die Bar ist gerade voll Fussballzuschauer vom Spiel Deutschland/Russland. Anscheinend hat der Schweizer Schiedsrichter irgendetwas falsch gepfiffen und da muss ich mir natürlich wieder einiges anhören. Nach dem Schlusspfiff teste ich beim Aufbauen wie jedes Mal den Mischer mit meiner Frage, ob es Ok sei, wenn wir mein eigenes Paukenmikrofon verwenden. Der Typ hier macht mir den sympathischen Eindruck und auch Peter einigt sich hier schneller auf eine angemessene Verstärkerlautstärke. Es kommt noch eine andere Band, deren schon jetzt betrunkener Kumpel herausgefunden hat, dass ich Schweizer bin, weil ich mich nach dem Soundcheck via Mikrofon bei den anwesenden Barbesuchern für den Applaus bedanke, der bereits den gesamten Applaus des gestrigen Abends in den Schatten gestellt hat. Hier gibt es nur eine Möglichkeit, wie das Konzert laufen kann, mutmasse ich. Gestern nach dem Konzert kreuzte da auch noch so ein schwarzgebrillter Typ, der sich selbst sehr gerne reden hört auf und proletete, wir sollen heute unbedingt ins Freundlich und Kompetent gehen, da dort eine super Band spiele und man das nicht verpassen dürfe. Als wir dann sagten, dass wir heute ja ohnehin da spielen, verstand er die Welt nicht mehr und glaubte, wir wollen ihn auf den Arm nehmen. Irgendwann war der Zufall aber geklärt und nun macht die Band, die der kluge Mann in den höchsten Tönen lobte („eine unglaublich gute Rock Funk Band, schon sehr lange am Start und jetzt, als sie endlich mal eine Platte aufnehmen oder wollten ziehen sie auseinander“) Soundcheck und erfüllt meine Erwartungen voll und ganz. Ich finde die Band ganz OK. Sie können alle gut ihre Instrumente spielen und es gibt ein paar Songs, aus denen man durchaus etwas machen könnte. Es ist alles einigermassen tight, doch die Jungs stehen alle mit einer Sonnenbrille auf der Bühne und ihre Haltung lässt vermuten, dass das doch eher ein Spassprojekt ist oder war, bei dem der Wegzug zweier Bandmitglieder das bittere Ende bedeutet.
Der Typ hat gestern auch noch gesagt, es werde brechend voll sein hier, womit er definitiv recht hatte. Ich brauche ewig lange, um von zu hinterst im Club bis zur Bühne zu kommen. Der Gig verläuft dann auch sehr zu unseren Gunsten. Die Leute tanzen, lassen sich gehen, machen Fotos kaufen T-Shirts und Peters handgemachte Singles. Ich versuche mit Peters Kamera ein Bild von der Aussicht zu machen, scheitere aber mehrmals kläglich, bis sich Stephan vors Publikum stellt und posiert wie Siegfried oder Roy. Click. Erwischt. Da es der letzte Gig ist, nehmen wir es auch sehr locker, vielleicht etwas zu locker. Einmal fällt mir mitten im Song sogar ein Stock aus der Hand. Wäre das mir in der Moritzbastei passiert, hätte ich mich wohl mit 1000 Mal „du sollst die Stöcke festhalten“ an die Wandtafel schreiben bestraft. Hier verzeihe ich mir diesen einen Schnitzer, denn wer den Stock wieder hochhebt und gleichzeitig weiterspielt, dem erlaube ich das ausnahmsweise.
Am Ende packen wir unser Equipment zusammen, tragen es über unseren Köpfen durch das Gedränge, kassieren die um 25% erhöhte Gage und fahren zur Wohnung zurück. Hier übernachtet nur Stephan, der morgen von hier nach Hause fährt. Peter und ich brechen kurz entschlossen noch um Mitternacht auf. Er hat morgen Mittag in Zwickau ein Konzert und da er keine Mitfahrgelegenheit auftreiben konnte, ist mein Umweg über Leipzig die einzige Möglichkeit, dass er die Show noch kriegt. Als ich dann am Sonntagabend nach über 1000 Kilometern Autobahn, welche mit fortschreitender Zeit gegen Süden immer verstopfter ist, ankomme, habe ich das Autofahren erst mal satt.
Posted on 24 Oct 2009 by chrz
Peter Piek Deutschland Tour Oktober 2009 Teil 2: Berlin Berlin
07.10.09 Schokoladen Berlin

Ich freue mich immer, wenn ich nach Berlin komme, aus welchem Grund auch immer. Heute spielen wir im Schokoladen, von dem ich von allen Seiten nur das Beste hörte: In-Laden, immer voll, schönes Interieur, was will man mehr? Wir sind heute die dritte Band von drei Programmpunkten. Das ist eigentlich gut, hat hier aber den Nachteil, dass um Mitternacht das Konzert beendet sein muss und wenn die die erste Band den ersten Ton herauszögert, wird unsere Show um das kürzer. Das stört allerdings nicht mehr so fest wie damals, als wir noch in der Schülerband waren und um jeden Preis immer das ganze Pulver verschiessen wollten. Unser Set ist jetzt nach zwei Tagen proben so sattelfest, dass es in voller Länge funktioniert. Sollten wir die Zeit oder das Publikum für ein volles Rohr nicht zur Verfügung haben, wissen wir genau, welche Songs wir streichen können und sollte sich das Blatt im Verlauf des Konzertes aus irgendwelchen Gründen wieder wenden, haben wir uns eine Reserveschublade gezimmert. Nach dem Soundcheck verziehe ich mich mit Stephan zu Kaffee und Hot Spot in ein ruhiges Lokal um einige Botschaften im Internet abzusetzen, Beispielsweise meinen letzten Tagebucheintrag und vor dem Konzert etwas Ruhe zu tanken. Der einzige Komfortnachteil am kleinen. liebevoll und gemütlich eingerichteten Schokoladen ist, dass man uns keinen Backstageraum gibt. Warum wir nicht das Zimmer nutzen dürfen, in dem wir nach dem Konzert schlafen werden, frage ich mich jetzt noch nicht, da ich von diesem Zimmer erst nach dem Konzert Wind kriegen werde…Tourmanager…wann haben wir endlich einen Tourmanager???
Pünktlich zu Konzertbeginn der ersten Band sind wir wieder zurück im Schokoladen, der im Erdgeschoss einer ehemals Besetzten Hütte ist. Das Haus steht in einem ganz netten Viertel, in dem alle Frauen mit Kinderwagen herumstolzieren, in Berlin Mitte und hätte auf den ersten Blick als einziges der Reihe mal einen Anstrich nötig. Aber bitte lasst das lieber, liebe Berliner! Denn würdet ihr das Haus anstreichen, würde das heissen, dass es verkauft und geräumt worden ist. Dann wäre meine und die Welt sehr vieler anderer um einen Ort der Kultur ärmer. Wie ich dem Zeitungsartikel im Schaufenster entnehme, droht leider genau dieses Schicksal. Ich sehe, wie schnell sich der Laden mit 7 Euro Zahlern füllt und das lässt dann doch ein Licht am Horizont aufflackern, dass ich da in Zukunft noch einmal hingehen könnte, was immer mich wieder hier her führen wird.
Stephan und ich machen es uns auf Kinosesseln im hinteren Teil der Bude gemütlich und sind ziemlich bald in ein Gespräch verwickelt, dass erst endet, als wir auf die Bühne können. Ich denke, dass würde nicht so laufen, wenn hier irgendwie Unbehagen im Spiel wäre. Ganz wahrnehmungslos bin ich diese 2 Stunden aber nicht. Es gibt hier Leute die ich nicht kenne und noch nie gesehen habe, die auch die Ganze Zeit da hinten bei den Kinosesseln sitzen und sich dann, als die Bühne endlich uns gehört in den Zuschauerraum drängeln. Ja ich habe drängeln geschrieben, weil man anders im Moment die Bühne nicht sehen kann. Das Konzert rockt dann etwa so, wie es rollt, wenn man hinten im Rolls Royce sitzend durch eine Metropole kutschiert wird, kein Verkehr existiert und alle Ampeln auf grün sind. Tanzende Leute, strahlende Gesichter, entzückte Musikerpolizei und, mit reinem Gewissen gesagt; eine saustarke Band auf der Bühne. Wir machen aus der halben Stunde, die uns bleibt, die schönste halbe Stunde unsers Tages und offensichtlich auch den Höhepunkt des Tages des Publikums. Schön wenn sich die Lebensgeschichten von ca. 50 Menschen in einem derartigen Moment auf diese Weise überschneiden. Zugabe können wir allerdings keine geben, weil die Zeit um ist und man hier wahrscheinlich wegen der angespannten Situation in der Nachbarschaft grossen Wert auf die Einhaltung der Nachtruhe legt. Jemand kommt nach dem Konzert und fragt, ob er die Setliste haben darf. Er liest sie, und zeigt auf den Song, der ihm am Besten gefallen hat. Seine Aussage deckt sich zum Glück mit unseren Hitprognosen. Andere Leute waren da, weil sie uns am Sonntag am Radio gehört haben. So ist es also, wenn Bäume Früchte tragen.
Eine Viertelstunde nach dem letzten Ton ist mein Drumset wieder in Sack und Pack und ich hänge tatenlos im Raum herum und weiss kaum wohin mit mir. Noch mal vor die Tür, um nach dem Wagen zu sehen, der ein paar Blocks weiter vorne steht und wieder herumstehen. Es gäbe ja schon Möglichkeiten, sich zu unterhalten aber ich bin nicht der Typ, der nach einem Konzert gerne mit dem Publikum labert, es sei denn, da sind Freunde von mir, die nicht irgend etwas in mir sehen, das ich nicht bin. Endlich zeigt uns jemand das Zimmer mit den Betten. Wir räumen die Instrumente an einen sicheren Ort und legen uns aufs Ohr. Ausser Stephan. Er hat eben Freunde hier und kommt deswegen erst zur Ruhe, als die Sonne aufgeht.

08.10.2009 Duncker Berlin

Da Peter sich mit bekannten Verabredet hat und Stephan einiges an Schlaf aufzuholen hat, knöpfe ich mir die Stadt im Alleingang vor. Leider ist das Wetter so schlecht, dass ich erst mal zwei Stunden lesend in einem Bistro sitze. Dann gestalte ich mir mein individuelles Sightseeingprogramm mit Ausflug an die Schönholzerstrasse und Mittagessen in Kreuzberg. Den Rückweg finde ich etwa gleich gut wie den Heimweg in Bern und um 17 Uhr brechen wir auf, um im Duncker an der Dunckerstrasse aufzutauchen, wo wir heute an unseren gestrigen Erfolg anknüpfen möchten. Natürlich ist der ganze Rauch von Gestern verflogen und wir stehen wie jeden Tag vor einer neuen Baustelle. Irgendwie sind wir in Berlin immer zu früh beim Club, was überhaupt nicht der Regel entspricht. Als die Chefin auftaucht und uns und dem Getränkelieferanten die Tür öffnet, bin ich zum zweiten Mal in Folge positiv überrascht von meinem temporären Arbeitsplatz. Der Club ist in einem freistehenden Haus, in Berlin Prenzlauer Berg, das ursprünglich ein Pferdestall war und jetzt der Berliner Subkultur seit 20 Jahren erfolgreich als Konzert und Tanzlokal dient. Es sind noch Spuren vom gestrigen Konzert zu sehen. Die Band, die gespielt hat, hat alles mit Stickern und Tourplakaten tapeziert. Leichte paranoide Anfälle beschleichen mich, es ist ein negatives aber zum Glück unbedeutendes Element aus meiner Vergangenheit, Zürcher um genau zu sein und die Erinnerungen daran sind nicht das worauf ich scharf bin. Aber da steht man drüber, erst recht, wenn man so gut behandelt wird wie hier. Der Club ist etwas grösser als gestern Schokoladen, sieht schon fast ein bisschen aus wie eine Halle. Man hat an alles gedacht: Künstlergarderobe mit integrierter Schlafhöhle, Improvisierte Dusche, leckerstes Nachtessen, Catering ohne Ende und das Frühstück wird in einem sehr schicken Kaffee ein paar Strassen weiter vorne auch umsonst sein. Der Mischer macht einen guten Job beim Soundcheck und die Stunden vor dem Konzert vertreiben Peter und ich draussen. Wir entdecken eine Bar, in der ein Jazz DJ, gedämpftes Licht und Polstersessel unsere Lust auf ein Hitradler (siehe Tagebucheintrag über die Peter Piek Studiosession vom Juni 2009). Später zurück beim Club ist noch nicht viel los. Nur Stephan hängt an der Bar und ist immer noch nicht wirklich wach. Das hat er jetzt von seiner Zecherei. Ich verziehe mich in die Garderobe und trommle mich warm. Eine Stunde vergeht und ab und zu hört man die Clubpforte, wenn neue Besucher auftauchen. Ich versuche das weitgehend auszublenden, konzentriere mich auf das was kommt. Irgendwann kommt Peter zu mir, während Stephan wohl eingeschlafen ist? Viertel nach elf holt uns eine Barkeeperin und schickt uns auf die Bühne. Um die Bühne haben sie hier ein Gefängnisgitter gebaut, das nach vorne offen ist. Seitlich können die Leute von der Bar aus auf die Bühne schauen. Doch an diesen Plätzen hört man nichts von Gesang und Keyboard, da die Lautsprecher auf den Platz vor der Bühne gerichtet sind. Eine Frau, die da drüben an der Bar sitzt, gestikuliert nach einigen Songs wild, das Schlagzeug sei zu laut, der Gesang zu leise. Mich nerven solche Leute immer sehr und ich muss aufpassen, dass ich mir davon nicht die Stimmung versauen lasse, obwohl ich genau weiss, dass der Tontechniker den Sound voll im Griff hat, ich ganz gelassen normale Lautstärke trommeln darf und jemand, der auf diese Weise aktiv wird hat meist so oder so null Ahnung. Es halt ist ein geben und nehmen von Stimmungen, denn man ist in solchen Clubs sehr nahe am Publikum und man kriegt das alles mit, das die Stimmung beeinflusst: Es gibt Leute, die uns hier zum zweiten Mal anhören. In einer Ecke wird getanzt in der anderen Ecke, in der es eine tribünenartige Treppe hat, wird schlaff rumgesessen. Neben der Bühne gibt es die Musikerpolizei die uns entzückt auf die Finger schaut und vor der Bühne sieht man ein zwei Meter leeren Boden. Da wo es aber Leute hat, stehen sie sich gegenseitig auf die Füsse. Wohlwollender Applaus nach jedem Song aber die Stimmung schwappt irgendwie einfach nicht so richtig aufs Publikum über. Kann gut sein, dass wir heute etwas schlaftablettenmässig wirken. Jedenfalls Stephan. Aber auch die positiven Überraschungen bleiben nicht aus: Während des Konzerts lässt sich eine hübsche junge Dame vor der Bühne blicken, ruft meinen Namen auf Schweizerdeutsch und winkt mir zu. Schon ist Stephan auf einen Wimpernaufschlag wieder hell wach und fragt: „Christian, Wer ist diese Frau?!“. Er freut sich schon über belastendes Material gegen mich, das er dann meiner Freundin aushändigen kann. Da hat er sich aber den falschen Finger verbunden. Es ist die Freundin von einem Kollegen meiner Freundin, die in Berlin irgendetwas praktiziert und im Auftrag meiner Freundin hier ist. Ich freue mich, dass ich heute mal wieder mit jemandem Schweizerdeutsch sprechen kann, ohne gleich ausgelacht zu werden. Und apropos belastendem Material. Bei all den „Cousinen“ die Stephan da zu den Berliner Konzerten aufbietet, muss er ja gar nichts sagen. Der neue Plattenboss von Peter ist auch da und sagt Peter, dass die Gitarre zu leise war. Peters Gitarrenpersönlichkeit versinkt in Grund und Boden, während wir triumphartige Gefühle verspüren.
Trotz dem Besuch aus der Heimat dauert es nicht all zu lange, bis ich mich in die Schlafhöhle verziehe, die nur durch eine Holzwand getrennt, gleich neben der Partyhalle liegt. Schlafen kann ich trotzdem irgendwie. Jedenfalls bis Stephan mich mit sinnlosem Schlüsselgeklimper weckt, als er entsprechend seinem neuen Tagesrhythmus schlafen geht. Von da an wälze ich mich Stunden lang (so kommt es mir jedenfalls vor) im Schlafsack und versuche nicht daran zu denken, was diese Matratzen hier schon alles aushalten mussten.
Posted on 24 Oct 2009 by chrz
Peter Piek Deutschland Tour Oktober 2009 Teil 1: "Stolpern ins Radio"
Na toll! Seit drei Stunden im Auto und immer noch in der Schweiz. Irgend so ein Jahrhundertstau hat wieder mal ausgerechnet mich für seine Spässe ausgesucht. Doch um 18 Uhr schaffe ich es doch noch, die Mitfahrgelegenheit, die seit 16 Uhr in Basel auf mich wartet, aufzugabeln. Der Deutsche Nationalfeiertag sei schuld an dem Schlamassel, meint sie. Mir egal, wer schuld ist, Hauptsache ich komme in Leipzig an, was 2 Uhr nachts endlich der Fall ist. Dort spüle ich erst mal den langen Weg herunter. Morgen spielen wir das erste Konzert und wir haben kaum Zeit zu proben, also geselle ich mich mal zum Kopfkissen.

03.10.2009 Moritzbastei Leipzig

Meine erste offizielle Amtshandlung auf dieser Tour ist es, mein Schlagzeug in Peters Wohnung hoch zu tragen und ich kann es kaum erwarten, endlich zu spielen. So wie ich in letzter Zeit drauf bin, trage ich meine 200 Kg Schlagzeug gerne zwei mal mehr herum, wenn ich dafür auch ein paar Stündchen mehr drauf klopfen kann, sei es auch um nur zu üben. Mir ist langweilig geworden mit dem was ich kann, ich muss besser werden. Peter scheint da ähnlich spitz zu sein, was uns nicht auf den Bassisten warten lässt. Es handelt sich um niemanden geringeren als Stephan Lucka aus Dortmund (früher Münster aber das mit der Freundin ist jetzt ernst), wie auf der letzten Tour. Losbrettern! Gegen 3 Uhr taucht der Tieftonheini dann doch endlich auf und wir können zu dritt lärmen. Allerdings nicht bevor wir die üblichen Schmeicheleien bzw. Frechheiten ausgetauscht haben.
Gegen 5 Uhr nehmen wir den ganzen Krempel erneut zweimal in die Hand und checken den Sound in der Moritzbastei. Die Mischerin versucht Peters eisernen Willen bezüglich Verstärkervolumen zu brechen, schafft es aber erst, als wir ihr verbal argumentierend zu Hilfe schreiten. Dann tauchen da zwei Damen mit Violine und Cello auf, stellen ihren Notenständer auf die Bühne und testen die Sicht, während die Mischerin das Gegenteil von vorhin tut, nämlich leise Instrumente laut machen.
Halb neun und es sind grob geschätzt erst vier Leute im Publikum anwesend. Sieht nicht rosig aus. Die Vorband startet wenig später und füllt den gähnenden Raum mit ihrer Musik. Sie tun mir ziemlich leid, die beiden und ich würde eigentlich gerne nach vorne gehen, um mehr Publikum zu mimen. Ich verzichte aber auf diesen symbolischen Akt des Zusammenhalts unter Musikern, da mir mittlerweile meine Performance wichtiger ist als das Wohlbefinden der anderen Band (welche durch meine Anwesenheit im Zuschauerraum auch nicht unbedingt den krassen Höhenflug des Abends kriegen würde). Ich habe auch damit aufgehört mich irgendwie für einen Zuschauermangel verantwortlich zu fühlen, geschweige denn, die Endtäuschung darüber meinen Gemütszustand übernehmen zu lassen. Es ist weder meine Schuld, noch kann ich irgendetwas daran ändern. Entweder man hat Glück oder Erfolg oder beides. Bleiben beide dieser Perlen zu Hause oder anderswo, bleibt die Band und ich mit einer Hand voll Zuschauern, deren Namen auf der Gästeliste stehen oder deren Geld in der Eintrittskasse liegt übrig und das ist dann unsere Konzertsituation, in der es genau so wie bei einer vollen, kochenden Halle darum geht, die Bestmögliche Performance abzuliefern. Eigentlich möchte ich nicht mal wissen, wie es da vorne zu und her geht, bis der Moment kommt, an dem ich die Bühne betrete. Es spielt nämlich keine Rolle, da das, was da vorne abgeht stark von dem abhängt, was wir auf der Bühne präsentieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bleibe Backstage, wärme mich auf, schreibe die Setliste ab, trinke viel Wasser und wenig Bier und versuche mich zu konzentrieren, was nicht ganz einfach ist bei dem ganzen Gequatsche in diesem kleinen Raum (unter anderem die Türkisch/Deutsch Lektion, die die Geigerin gerade mit ihrem Mitbewohner macht).
Als wir dann die Bühne betreten, sieht es dann schon aus, als hätten sich doch immerhin die meisten der 30 Personen auf der Gästeliste zum Trotz des Tages der Deutschen Einheit zu uns verirrt. Also lassen wir es krachen. Anfangs läuft es ganz gut. Die Stimmung unter den Leuten ist erfreulich gut, sie applaudieren nicht zurückhaltend und die Zuhörerzahl scheint laufend zu steigen. Doch das gelingt nur ganz am Rande bis zu meiner Wahrnehmung. Etwa ab dem dritten Song fühlt sich die Show an, als hätte man uns einen Stock zwischen die Beine geworfen. Es passieren Fehler und unsere spärliche Spielsicherheit, die wir uns in der kurzen Probe aufgebaut haben, verliert sich im Nichts. Peters Effektgeräte schmeissen zudem Steine auf uns, in dem sie mit Wackelkontakten für zwischenzeitliche Ruhe in den unpassendsten Momenten sorgen. Auch die Mischerin macht uns das Leben schwer: Bei einem Song, der gleich mit Gesang beginnt, vergisst sie das Mikro einzuschalten. Peter bricht ab, der Song kriegt eine zweite Chance. All die Dinge, die da geschehen, dürfen nicht sein! Nicht in dieser Band, die eigentlich die absolute Arschtrittshow abliefern kann, nicht in Leipzig, wo Peters Ruf am meisten unter solchen Pannen leiden könnte und schon gar nicht beim Tourauftakt. Klar kann man das alles irgendwie rechtfertigen und entschuldigen, doch nach all den Konzerten, die ich bis heute gespielt habe, all den Kilometern, die ich dafür gefahren bin, all den Stunden, die ich dafür geübt habe und all den Bands die ich kennengelernt habe, denen so etwas total schnurz ist und die es nie zu etwas bringen werden und früher sterben, weil sie zu viel Freibier gesoffen haben, habe ich einen Anspruch entwickelt, dessen Toleranzgrenze für Patzer weit höher liegt als das, was hier gerade vor sich geht.
In der Mitte des Sets spielt Peter zwei Songs mit den Streicherinnen, bei denen Stephan und ich nicht mitspielen. Ich ziehe mir das aus den Reihen des Publikums an und habe das Gefühl, dass diese sieben Minuten den Abend retten. Am Ende des Sets spielen wir unseren Zugabenprovozierer „Underwater Death Song“. Für diesen Song haben wir auch zwei Gastmusiker: Einen Pianisten und einen Saxer, die den Übungsraum über Peters Wohnung haben. Beides begnadete Jazzer. Als ihr Einsatz gegen Ende des Songs näher rückt, stehen sie wie angewurzelt beim Bühneneingang. Ich gestikuliere wild, bei dem Affentempo, das ich in dem Song 7 Minuten spielen muss, sie sollen endlich reinkommen und was machen. Endlich stürmen sie rein, das Publikum schreit und der Jazzpianist, der eine ulkige Sonnenbrille trägt, geht tierisch ab. Ich höre davon leider nichts, da man offensichtlich das Piano auf meinem Monitor für überflüssig befunden hat, doch Lucka meint hinterher, das sei „von einem anderen Stern“ gewesen. Jazz eben. Der Saxer duelliert sich zum Glück nicht zeitgleich mit diesem intergalaktischen Ereignis mit Peters Gitarren Solo und am Schluss, als wir das Schiff endlich in den Hafen zurück gebracht haben und die Stille von tosendem Applaus gebrochen werden sollte, macht die Cellistin, die den ganzen Song über mehr oder weniger tatenlos einen halben Meter vor meinem Schlagzeug, das Crashbecken direkt hinter ihrem Kopf (dieses arme, gut ausgebildete, ungeschützte Musikgehör! Ich traue mich kaum zu tun, was ich tun muss…), Geräusche, die ich bisher nur aus dem Fernsehen von irgendwelchen Wahlfischdokus gehört habe.
Endlich ist es vorbei und das Publikum, immer noch herzlich drauf und gut gelaunt, bittet uns um Zugabe. Wir sind so nett.
Danach essen wir Foyer der Moritzbastei unter Emos und anderem Gesindel, das nicht unser Konzert besucht, sondern eine doofe Electrorockblablaparty. Ich bin am Ende. So was von! Doch Stunden später trage ich das Schlagzeug erneut in Peters Wohnung und stelle es wieder auf. Morgen wird geprobt! Das ist uns allen klar, denn morgen werden uns mehr Leute hören und zwar glasklar. Deswegen lassen wir die Gläser stehen und gehen schlafen, ich auf dem Bett neben meinem Schlagzeug im Übungszimmer.

04.10.2009 KEN.FM Potsdam Radio Live Show

KEN.FM ist nicht irgend ein Format, das ungehört irgendwo in der Provinz zu einer Unzeit aus knapp 200 Radios tropft. Nein, es ist eine Sendung auf Radio Berlin Brandenburg am Sonntagnachmittag. Wer da auftreten kann, ist schon eine Runde weiter. Wer da noch mal auftreten kann, ist noch mal eine Runde weiter. Und da hören nicht nur um die 10000 potenziellen Konzertbesucher und Albumkäufer zu, sondern auch Leute, die die Türklinken von Türen, durch die jeder Musiker zu gehen träumt in der Hand. Wenn aber die Effektgeräte Wackelkontakte haben, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Peter von Runde zwei in Runde drei fortschreiten wird erheblich. Deswegen ist die erste Amtshandlung, die der Musiker Schönholzer an diesem Tag vornimmt: Elektrikerwerkzeug aus seinem Auto holen und die Kabel auf Vordermann bringen. Dann polieren wir die Songs, die heute um 17.20 über den Äther gejagt werden auf Hochglanz. Anschliessend eine weitere Kisten-Taschen-Trommeln-Tragen-Trainingseinheit. Fahrt nach Potsdam, im Radio läuft die Sendung, in der wir gleich spielen und mir wird spätestens jetzt klar, das ist nicht eine Gossenangelegenheit, nein, das ist ein der Ticketschalter von der First Class Abteilung. Es spielt gerade Bernd Begemann. Das ist nicht irgend ein dahergelaufener Taugenichts. Den kennen die Leute hier, wie bei uns Bühne Huber. Der hat es geschafft und zwar auf Dauer. Wir schaffen eine Punktlandung um 4 Uhr, schreiten durch zwei Türen, was ein Umweg ist, wie uns der Pförtner belehrt und finden uns in einer Art Foyer wieder in der man die Radiosendung schon hören kann. Es sitzen Leute auf Hockern rum und lauschen gebannt der Moderation von Ken Jepsen zu. Sofort werden wir vom Techniker eingewiesen und stellen fest, dass wir schon mitten in der Sendung stehen. Ken stolziert da mit einem Headsetmikro, Kopfhörer und einem Regieblock herum und spricht in einem Tempo und einer Deutlichkeit, die ich mit meinem Berndeutsch nie im Leben zu Stande kriegen würde zum Radiopublikum. Zwischendurch zischt er einen Befehl Richtung Praktikantin „Kaffe mit Milch!“ und sofort verschwindet sie und kehrt mit einer Tasse zurück. Sonst läuft alles mit Handzeichen. Jeder, der hier irgendetwas mit der Sache zu tun hat, ist ein absoluter Profi. Wir bauen unsere Instrumente auf, während Ken einen Buchautoren interviewt und als ein Einspieler läuft, dürfen wir Lärm machen (Soundcheck). Wir kriegen alle Kopfhörer, der Sound ist wie im Studio, was äussersten Spielkomfort bedeutet. Doch im Studio hat man in der Regel mehr als eine Chance, den ultimativen Take hinzukriegen. Hier ist die Auflage First Take! Da draussen hören womöglich mehr Leute zu, als wir auf der gesamten Tour vor den Bühnen haben werden und wenn wir Ken und seiner Crew ordentlich einen vors Fressbrett rocken, kann uns das einiges ermöglichen. Es geht also um etwas nicht all zu kleines. Und dieses Gefühl finde ich bärenstark. Dürfte mir öfters passieren, so etwas. Und Peter habe ich noch nie so nervös gesehen. Vor unserem Auftritt gibt es einen Dialog über Zeichensprache (Thema der heutigen Sendung: Kommunikation ohne Strom), bei der es viel zu lachen gibt. Peter verzieht aber während dessen mehr oder weniger keine Mine. Plötzlich sind dann wir an die Reihe. Es gibt zuerst ein billardähnliches Spiel, bei dem sich Peter dann geschickt eine Dose Böhnchen ergaunern kann. Alles live! Dann kommt der Moment, vor dem wir den ganzen Tag gezittert haben. Ich zähle ein und wir spielen unsere Songs ins ungewisse. Es fühlt sich eigentlich ganz gut an. Und wir spielen gut, nein besser, überhaupt nicht zu vergleichen mit gestern.
Nach dem zweiten Song schaltet sich Ken wieder ein. Es gibt einen Einspieler, mit dem Peter vorgestellt wird, dann nimmt sich Ken kurz mal jeden von der Band einzeln vor. Er fragt natürlich genau das, mit dem ich nicht gerechnet hätte und ich versuche irgendwas zu antworten, mit dem der grosse Medienmann auch nicht gerechnet hätte, ob es nun stimmt oder nicht. Wer mitgehört hat: Ich stehe gar nicht auf „fette Ärsche“. Ich will ich mich nur nicht mit meiner Snare bluffen, als mich Ken nach meiner Lieblingstrommel fragt. die Leute sollen selber hören, wie nett meine Snare klingt und es so nie mehr vergessen. Und was die Sau im Studio angeht: Ist mir spontan nichts ulkigeres eingefallen, sorry. Stephan meistert sein Interview etwa auf die gleiche Weise, in dem er öffentlich frech zu Peter ist. So soll es sein. Antworten wie „alles ist schön und toll“ und „ja“ und „Amen“ interessieren doch keinen.
Dann dürfen wir wieder unseren Job machen. Und den tun wir weiterhin kompromisslos gut. Als wir den letzten Song anziehen wollen, würgt uns Ken ab, denn Zeit ist um! Während er der Welt irgendwas, das völlig an mir vorbeigeht erzählt, fällt die Spannung in mir ab und ich wiege mich schon in Sicherheit, als sich der Typ plötzlich wieder neben mir aufbaut und über frühzeitliche Tommelkommunikation referiert. Was ich jetzt tun muss konnte ich nicht üben und ich weiss genau, dass jetzt auskommt, ob ich auch Interaktionsimprovisation in Musikkomik beherrsche. Ich muss Botschaften auf dem Schlagzeug übersetzen wie „Essen ist fertig“, „Achtung, die Steuerbehörde ist im Anmarsch“, „Anmache“, „Der Sex war gut“, „Ich erfinde Ken.Fm“. An Kens Reaktionen und an der Tatsache, dass er dafür mit der Sendung überzogen hat und daran, dass er mir hinterher die Hand schüttelt und mich als Mörderdrummer betitelt, wage ich zu erkennen, dass Ken nicht mehr im Glauben lebt, Peter Piek könne mit Band unmöglich besser sein als Peter Piek Solo. Er verabschiedet sich mit „wir sehen uns hier wieder“ und braust davon. Immer noch leicht benommen stellen wir fest, dass wir eigentlich die einzigen sind, die noch hier beim Studio herumstehen. Der Laden ist längst aufgeräumt und dicht. Alle Mitarbeiter sind verschwunden und der Sender sendet längst aus einer anderen Zentrale. Und wir haben doch heute Abend eigentlich noch ein Konzert in Wittenberg. Also nichts wie los. Es sind 70 Kilometer Landstrasse, die wir zu bewältigen haben. Plötzlich meldet sich die Müdigkeit und uns wird klar, dass wir vorhin wirklich alles gegeben haben. Da läuft plötzlich ein Song, den wir eben gespielt haben am Radio und der Sprecher weist auf unsere zwei kommenden Konzerte in angesagten Berliner Clubs hin. Handschlag! Jubel!

04.10.2009 Crush Club Wittenberg

In Wittenberg erwartet uns dann das pure Gegenteil. Dieses Konzert hat nicht nur der Radiosprecher nicht erwähnt, es wurde überhaupt ganz und gar nicht promotet. Die Vorband hat ihre Instrumente schon aufgebaut und abgesehen von ihnen, dem Clubbesitzer, der Bardame und einem Typen, der nichts sagt, ist niemand da. Also wir natürlich noch. Die Vorband spielt dann tatsächlich ihr Konzert und da ich vermute, dass wir wohl unter diesen Umständen das Konzert eher nicht spielen, höre ich mir jeden einzelnen Song dieser Band an. Einfach nur, damit überhaupt jemand zuhört. Und überhaupt, wo soll ich denn sonst hin? Backstage gibt’s hier nicht wirklich.
Nachdem Peter, Stephan und ich die Vorband zu einer Zugabe herausgefordert haben, diskutieren wir mit dem Clubbesitzer und sagen das Konzert zum Wohl aller Beteiligten ab. Wir fahren zurück nach Leipzig während sich meine Meinung, dass Sender wie der, auf dem KEN.FM läuft, viel zu dünn gesät sind.
Nun trage ich zum dritten Mal in Folge das Schlagzeug nachts in Peters Wohnung, da die nächsten zwei Tage keine Konzerte anstehen und wir Zeit zum Proben haben. Es kann ja nicht schaden, wenn ich mein Schlagzeug mal einen Tag lang einfach nicht auf- oder abbauen und rumschleppen muss, sondern einfach nur darauf spielen kann.
Posted on 07 Oct 2009 by chrz
15.08.2009 Luca Little @ Churer Fest, Stadtgarten
Eigentlich hat Luca Little, der little Bruder von Cheekbones Sänger Yves, eine komplette Band, mit festem Drummer. Da dieser Drummer aber ausgerechnet an meinem Geburtstag nicht spielen kann, fragte mich Luca, ob ich da nicht aushelfen könnte. Ich fand, ich wollte schon immer mal an meinem Geburtstag ein Konzert spielen und abgesehen davon bin ich sowieso nicht so der Geburtstagsfestli-ich-muss-den-ganzen-Tag-im-Mittelpunkt-stehen-und-alles-ganz-besonders-genisessen-Zelebrierer.
Wir haben einmal geprobt vor dem Gig und alles lief ziemlich nach Plan. So fahre ich sehr entspannt bei sonnigen 32 Grad Celsius nach mit dem Schlagzeugschlitten nach Chur. Ich bin etwas hin und her gerissen zwischen Vorfreude auf die Show (wir haben den fetten 22Uhr Slot abgekriegt) und Reue, weil es einer der seltenen Tage seit 28 Jahren ist, an dem ich Geburtstag habe, das Wetter perfekt ist und das Ganze auf ein Wochenende trifft. Aber ich habe es so gewollt, es wird nicht gejammert!
Ich treffe in Chur ein, mache eine ich-suche-den-Stadtgarten- Rundfahrt und stelle fest, dass das Churer Fest die Bezeichnung Fest auch wirklich verdient hat. Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Und dann finde ich endlich das Hintertürchen der Bühne und werde mit Geburtstagsglückwünschen begrüsst. Da merke ich dass ich beim Anblick dieser Riesen Fete schon fast vergessen habe, dass ich Geburtstag habe. Luca hat mir noch ein Geschenkli vorbereitet: Eine kleine Verarschung. War ja klar, ist ja nicht umsonst Yves Bruder.
Mein Schlagzeug wird schon mal in die Warteschlange hinter der Bühne verfrachtet. Zur Zeit spielt gerade eine Hip Hop Gruppe. Danach tobt eine Band im Deathmetal Stil, dann wir. Was für eine bunte Mischung! Wenn ich nicht wüsste, dass Metalheads das friedlichste Volk überhaupt sind, käme mich jetzt vielleicht ein mulmiges Gefühl in der Magengegend besuchen. Lieber gehen wir entspannt zum Esszelt wo uns Tamilisches Essen serviert wird. Lecker! Ich bestelle ein Bier, sofort kommt die Frage vom Gitarristen, ob ich heute mit Metronom spiele? Ich: „ja“, er: „Ok, dann darfst du“. Danke, Johnny! Dann taucht der Bassist auf und der Kuchen ist komplett. Tschuldigung, dass ich den Keyboarder nicht erwähnt habe. Er heisst Thöme und spielt normalerweise bei Anastasias Benissimo Auftritten Keyboard (also ja, er tut so als ob), doch da das nicht all zu oft vorkommt, spielt er noch bei Luca. Da hört man ihn auch. Auf jeden Fall ist einer, der sich mit kreischenden Teenies auskennt.
Wir sind nun gleich dran. Ich stelle hinter der Bühne mein Schlagzeug auf, während auf der Bühne der Deathmetal Drummer perfekte Spieltechnik demonstriert und vor der Bühne lockige Mähnen geschwungen werden. Und danach kommen wir mit Akustikgitarre und Besen in den softesten Liedern an die Reihe. Wie gesagt, kein Grund zur Sorge. Als wir dann unser Equipment auf die Bühne stellen, können es die Metalkids kaum erwarten, dass wir endlich Lärm machen und fordern lautstark: „Gäbet Gaaaaas!“, „Schlagzügsoloooo!“ Und als Luca die Akustische Gitarre checkt: „Schwuuuul!“, „Gib GAAAAAAS!“. Nach wie vor alles in Ordnung. Egal wie die Geschichte in dieser Ecke ausgeht, der Park ist einfach rammelvoll mit Publikum. Was für eine Party. Wir gehen noch mal von der Bühne um noch eine Minute Ruhe vor dem Sturm zu spielen, während man uns ansagt. Jetzt Hopp de Bäse. Da sind nun aus all den Rücken, die uns beim Soundcheck noch zugekehrt waren, Gesichter geworden. Die Gesichter hören uns zu und in den vordersten Reihen klettern sie auf die Abschrankung um Fotos zu machen, Kreischen bei jeder Zeile von Luca (ich glaube allerdings dass der Alkoholpegel dort draussen linear zum Zeitverlauf steigt), und sitzen einander auf den Schultern. Alles Fans? Also soweit ich weiss kennt uns hier keine Sau. Aber egal, mal Backstreetboys-Aussichten zu haben ist auch kein Scheiss. Weiter hinten sieht man verträumte Gesichter, die sich von der Stimmung der Musik mitreissen lassen. Und sogar die Metalkids vorne rechts machen sich einen Spass daraus, zur Musik zu „tanzen“. Alles in allem eine ziemliche Sause. Wir spielen ziemlich entspannt und als ich beim Tom Petty Cover „In To The Great Wide Open“ die zweite Strophe schon in der Hälfte in den Refrain tragen will, wird mir das erst recht bewusst. Etwas mehr bei der Sache sein, Alter! Aber halt! Was ist das eigentlich für ein Songwriter, der die zweite Strophe gleich lang macht wie die erste? Tom Petty hat doch einfach keine Ahnung, haha. Der hat den Fehler beim Schreiben gemacht, nicht ich. In einer etwas längeren Stimmpause weiss dann Johnny nichts besseres, als von meinem Geburtstag Kund zu tun, natürlich direkt bei seinem Mikrofon. Danke Johnny, nett gemeint, aber dass Thöme immer gleich alles Musikalisch untermalen muss, wenn ihm ein paar Tasten den Weg versperren, ist doch etwas zu viel für meinen Geschmack. Zum Glück hat Luca seine Klampfe endlich gestimmt und haut wieder in die Saiten, dann vergessen die Groopies vorne meinen Geburtstag schnellstens wieder. Die Show neigt sich schon dem Ende, doch vorher fordert das Publikum noch eine Zugabe und wir beweisen, dass wir auch das schnelle Zeug draufhaben. Kreischalarm.
Dann wieder alles von der Bühne holen, kennen wir ja langsam. Noch einwenig entspannen im Backstage, Tamilische Riesenchips essen, während draussen der Alkoholpegel weiter steigt. Als ich mein Auto hole, muss ich mich regelrecht durch torkelnde Besöfferiche und streitende Päärchen kämpfen. Und beim Hintereingang der Bühne stehen die Girls Schlange und fragen, ob man sie mit rein nimmt, weil vorne, wegen voll, immer noch alles zu ist. Nein, ich fahre jetzt nach Bern. War schön hier, Danke Luca und Little!
Posted on 01 Sep 2009 by chrz
07.08. Bis 08.08.2009. Pierrocks Truckweekend von Waldkirch und Raron

Ein übelst effizientes Weekend nennen wir das: Zwei Gigs auf einen Streich. Allerdings hat der Streich einen Haufen Kilometer zu bewältigen. Der Erste Gig ist in Waldkirch SG und der zweite in Raron VS. Da aber alle Bandmitglieder verstreut auf genau dieser Achse leben, ist es wenigstens für alle gleich weit zu fahren. Aber irgendwo scheint anfangs der Wurm drin zu sein. Pierrot, der Bandleader aus dem Wallis, pickt mich nach einem halsbrecherischen Rückwärtsmanöver mit Anhänger in Bern auf. Wir kommen genau bis nach Olten, wo es heisst: „Mist die Bullen!“ Kontrolle durch die Staatsgewalt. Man merkt deutlich, dass die Aargauer Kantonspolizei auf Provisionsbasis arbeitet. Sie suchen solange, bis sie etwas zum meckern finden, auch wenn es gar nichts ist. Denn wir haben für alles eine Erklärung. Mit der Äusserung des Polizisten, die Walliser solle man verkaufen, kommen wir davon. Frechheit. Nach dem Bareggtunnel ist die Zylinderkopfdichtung am Arsch. Abschleppen, mit Zürchern verhandeln, 3 Stunden verlieren. Endlich kommen wir 20 Minuten vor Soundcheckende am Konzertort (Grümpelturnierfestzelt in Waldkirch) an und schaffen es knapp die Backline aufzustellen und zu checken. Überziehen dürfen wir nichts, da vor dem Festzelt die Neuzuzügerbegrüssung mit jodlerchörli beginnt. Holduderadio. Dafür kassieren wir je ca. 25 Mückenstiche. Wir handeln ein Nachtessen im Restaurant aus und als wir da aufs Essen warten, gibt Pierrot ein kleines Resumee zum bisherigen Tagesverlauf zum Besten: „Der Soundcheck isch güet xi, iz isch die Pächstränu ändli verbi!“ Da kommt die Servierdüse und leert ihm den gesamten Inhalt seines Eistees über die Hose. Das ist kein Pech. Wir haben vier Essen ausgehandelt, sind aber zu fünft. Somit wäre das fünfte auch gratis.
Das Konzert verläuft dann ziemlich gut. Obwohl kaum Leute das Fest besuchen. Wir haben auf der Bühne unseren Spass und schaffen es doch einigen Festzeltinsassen einen Applaus abzuläschelen. Trotzdem resigniere ich während dem Gig langsam ein wenig und richte meinen Blick nicht mehr all zu oft über den Bühnenrand hinaus. Nach so einem Tag erträgt man eine solch gähnende Leere dann doch nicht mehr so gut. Doch als ich es doch wieder mal wage, erschrecke ich fast. Da hat sich ein Grüppchen vor der Bühne gebildet und es tanzt! Jetzt gibt es wieder Hoffnung im Leben und es fällt mir wieder leicht volle Kraft voraus zu rocken. So schaukeln wir das Schiff mit Songs von Pierrock und AC/DC durch den Gig bis zum letzten Song auf der Liste. Obwohl, ein paar wenige Songs haben wir auf der Strecke gelassen. Allerdings mehr aus Angst sie zu versiechen.
Am Schluss packe ich mein Schlagzeug in den Anhänger von Pierrot, der mangels Pierrots Pickup von Silvios Auto ins Wallis gezerrt werden muss. Was Bassisten nicht alles können! So, meine Trommeln sind jetzt in der Obhut eines frisch frisierten Lehrers und ich kann mich gelassen nach Hause kutschieren lassen.
Am nächsten Tag treffen wir uns schon nachmittags in Raron, um den Konzert Truck vor den Gartensitzplatz eines Hotels zu stellen. Der Plan ist, dass wir Pierrots Lastwagen als Bühne benützen. Doch es Regnet und da wo unsere fahrende Bühne hin sollte, stehen die Mietwagen Japanischer Touristen, die sich zur Zeit irgendwo in Zermatt am Anblick des Matterhorns ergötzen. Da es Hotelgäste sind, können wir ihre Karossen nicht einfach Plattwalzen, wozu wir eigentlich in der Lage wären. Wir müssen den Laster sonst irgendwie platzieren. Pierrots ausgesprochene Rückwärtsmanöverkünste kommen erneut zum Einsatz und schon steht der Laster, zwar total krumm aber immerhin in sicht- und hörweite im Bitz. So kann endlich der Aufbau beginnen und das kostet uns satte drei Stunden Muskelarbeit. So ein Vehikel in ein Rockkonzert umzubauen ist eben nicht mit einem Fingerschnippen gemacht und dass wir ein paar Schlücke zu wenig Schlaf hatten, merken wir nun auch langsam. Doch pünktlich zur Showtime sind wir fertig, genau so pünktlich wurden die Regenwolken gegen einen Walliser Sonnenuntergang ausgewechselt und ich lasse ein letztes Mal die Regenpfützen von unserem sehr improvisierten Vordach ab. Der Chef de Bar kassiert beinahe eine Dusche unter aufgehendem Sternenhimmel.
Es sind ausser ein paar Bekannten kaum Leute da, was niemanden zu stören scheint. Wir lassen den Walliser Powerrock aus dem Lastwagen und plötzlich kommen die Leute aus allen Richtungen und hören uns zu. Von wegen, die Walliser sollte man verkaufen. Würde man dass hier im Aargau machen, käme entweder die Polizei oder sonst ein Nachtruheverein und würde uns diese öffentliche Darbietung zur Aufheiterung der Rock n’ Roll Seele verbieten. Sogar die Japaner, die jetzt im Speisesaal ein merkwürdiges Fest feiern (wie wir beim Nachtessen zwischen zwei Sets bemerken werden) ergattern sich einen Blick auf unseren Rock n’ Roll Truck auf dem die Band inzwischen ziemlich in Fahrt ist. Nach dem ersten Set kapituliert der Mischer aus mir unbekannten Gründen, worauf sich meine Freundin hinter die Regler setzt. Da muss ich mir keine Sorgen mehr um meine Hörbarkeit machen, sie ist Schlagzeugerin. Aber wenn sie etwas hasst, ist das die Cowbell. Die benutze ich im Pierrock Set genau einmal für ca. eine Minute. Und die Cowbell hört man auch ohne Mikrofon und Lautsprecher. Tschuldigung! Trotzdem macht sie nachher mein Schlagzeugsolo schön laut. Jaaaa!
Nach dem dritten Set, haben wir noch ein viertes bereit. Brav halten wir uns an die Anweisungen des Chefs, vier Sets zu spielen und dazwischen Pausen zu machen. Doch nach dem dritten Set, machen sich die meisten Leute, die sich von der Musik haben anlocken lassen aus dem Staub. Schade, jetzt verpassen sie unsere AC/DC Coverparty. Nächstes Mal hören wir auf den Bauch, egal was der Beizer meint. Doch die eingefleischten Fans, die uns noch geblieben sind, freuen sich, dass wir für sie noch einmal den Truck zittern lassen. Um 1 Uhr ist dann Feierabend für die Lautsprecher. Für uns nicht, wir müssen das alles noch abbauen, was zum Glück deutlich schneller geht als das Aufbauen. Gegen halb vier finde ich mich auf dem Grimselpass wieder und mit dem Sonnenaufgang im Rücken nimmt für mich der Tag ein Ende. Mit dem, was meine Knochen alles zu Bett tragen, werde ich vom anbrechenden Tag wohl nicht all zu viel mitbekommen.
Posted on 01 Sep 2009 by chrz
10. – 14. 06. 2009 Studiosession mit Peter Piek in Leipzig
Bewaffnet mit einer Hand voll Sticks, einem Satz Becken und dem allernötigsten Reisegepäck mache ich mich am Mittwoch, mit dem ersten Zug überhaupt, aus dem Staub Richtung Flughafen. Wenige Stunden später landet mein Vogel in Berlin. Von da ist es noch wie Bern – Zürich mit dem Zug. Es müssen allerdings einige Nerven meinerseits in das Verhalten der Deutschen im öffentlichen Verkehr investiert werden. Gegen die sind die Zürcher vollkommen anständig, zuvorkommend, selbstlos und ruhig. Auf dem Fussboden vor dem Klo verbringe ich dann die restlichen Kilometer durch den Osten nach Leipzsch. Nach dem ich Leipzig vor 2 Stunden schon mal von oben gesehen habe, treffe ich ein und werde am Bahnhof von einer Fahrradeskorte abgeholt. Doch mein Gepäck macht diesem feinen Plan einen 22kg Strich durch die Rechnung. Schliesslich muss man nicht erwarten, dass eine Beckentasche auf den Gepäckträger passt, wenn sie im Flieger als Sperrgut behandelt wird. Doch die Strassenbahn bringt einem auch wohin man will. Peter und ich krallen uns dann in Peters Bude noch ein paar Ausrüstungsgegenstände plus je eine Schnitte. Darauf entern wir das Studio, etwa eine halbe Stunde wo anders in der Stadt.
Das Studio ist in einem alten Gewerbehaus, das vollgestopft ist mit Übungsräumen und einer Klavierfabrik, deren Boss in dem Haus das Sagen hat und vorschreibt, dass in den Räumlichkeiten, in denen wir uns die Tage in die Arbeit stürzen werden, nur gelärmt werden darf, wenn unten der Laden dicht ist. Eigentlich ganz einfach festzustellen: Man muss warten, bis die einzige schicke Karosse weit und breit vom Acker ist, dann kann man einzählen.
Bärtel, der Tonmeister dieser Aufnahmesession, ist ein netter Typ. Da wir den grössten Raum des Studios für die Schlagzeugaufnahmen nutzen wollen (wir wollen schliesslich eine fette Sache machen hier), baut er kurzerhand den Aufenthaltsraum zum Aufnahmeraum um, in dem er auch gleich die Regie unterbringt. So werden wir alle im gleichen Boot sitzen. Jeder verwöhnte Studioheini würde jetzt sofort durchdrehen und meinen, dass das nicht gehe, keine akustische Trennung der Abhöranlage und so weiter und so fort. Doch Bärtel kann das. Und schliesslich will der Trommler auch hören, was er getan hat und das kann er nun mal erst hinterher. Dazu kommt, dass es sowieso am bequemsten ist, wenn man seinen Allerwertesten nie vom Hocker heben muss.
Als dann alle Kabel, Ständer, Mikrofone und sonstiger Krimskrams gefunden, verbaut und eingestellt sind, kann es endlich losgehen. Peter und ich haben zwar die Songs vorgängig via Internet hin und her geschickt, bearbeitet und besprochen. Doch für Peter ist es nie zu spät alles noch mal über den Haufen zu werfen, gerade heraus zu sagen, das klinge total Scheisse oder gar mit einem völlig unbekannten Song reinzuplatzen wie die alte Fasnacht, natürlich nicht, ohne den jetzt gleich aufnehmen zu wollen. Man darf sich also unter keinen Umständen zu früh mit einem Arrangement eines Songs anfreunden, erst recht nicht, wenn es auf einer eigenen Idee gründet, die einem im stillen Kämmerchen in Bern, nach stundenlangem Tüfteln gekommen ist. Jeder Song wird hier noch mal geboren und das ganz sicher nicht per Kaiserschnitt. Hinzu kommt, dass Bärtel ein unglaubliches Musikgehör hat, jeden Patzer sofort bemerkt und auch ein sehr feines Gefühl für musikalische Ästhetik hat. Er ergänzt unser Gespann vorzüglich und bringt einen bereichernden Input am andern, was die positive Entwicklung der Songs massiv fördert. Nach jedem Abschluss eines Songs müssen wir alle sagen: Toll geworden! Und vor allem: Mit diesem Ergebnis hätten wir nie gerechnet.
Natürlich soll die Platte auch vollgestopft mit Hits sein. Auch ohne Bohlen-ho(h)len. Um das zu erreichen reduzieren wir die entsprechenden Songkandidaten nicht nur aufs Maximum. Peter hat da noch eine ganz besondere Taktik: Hit- Radler. Jeder Hit, ein Radler, jedes Radler ein Hit. Dieses erfrischende Getränkt (für die die sich nicht so auskennen ein Panache) wird bei uns als Deadlinegeber eingesetzt. Irgendwann hat man nämlich genug geschnippelt. Je leerer das Hitradler, desto weniger Takes stehen noch zur Verfügung. Wir haben schliesslich nicht ewig Zeit (geiziges Label im Nacken (sprecht uns bloss nicht auf dieses Thema an, das würde sonst etwas ungemütlich), Frau und Katze die zu Hause warten, etc.) und wir wollen auch nichts anbrennen lassen.
Nachts, wenn wir uns endlich ein paar Züge Schlaf zugestehen, müssen wir immer erst noch eine halbe Stunde mit dem Fahrrad durch die Stadt kurven, ob wir wollen oder nicht. Am Ende des ersten Tages bin ich so was von geschlaucht, womit ich nicht gerechnet habe. Da könnte ich mir erholsameres vorstellen. Aber immerhin lerne ich so Leipzig ein wenig besser kennen. Und wer sich Tag für Tag spontan Songabläufe immer wieder neu merken muss, kann sich auch irgendwann diesen Weg, auf dem man vom gottverlassenen Quartier bis zum wunderschönen Park alles zu sehen kriegt, merken.
Doch genau so, wie ich mich dann da trotzdem mal verfahre und den Heimweg nur aus purem Zufall wieder finde, geht auch beim Aufnehmen nicht immer alles rund. Am Abend des dritten Tages, der sowieso schon sehr harzig läuft, gibt Bärtels heissgeliebtes Bändchenmikrofon, das hauptsächlich zur Abnahme meines Snareteppichs dient (wer das Wort Snareteppeich nicht kennt, soll sich auf Wikipedia schlau machen). Das ist ein trauriger Verlust im Klangbild! Peter will damit nicht leben und holt am nächsten Morgen ein neues Mikrofon im 250 Kilometer entfernten Musikhausriesen Thomann. Derweil hüte ich Peters aufdringlich rollige Katze, schlafe aus, fahre Rad und beginne mit Bärtel am Mittag des eben angebrochenen Tages an weiteren Songs zu tüfteln.
Während den ganzen 5 Tagen wird die bis unters Dach mit Konzentration gefüllte Stimmung öfter mal aufgelockert, z.B. durch eine Neandertalereinlage von Bärtel und Peter, wenn sie mir Ideen für alternative Spielweisen für einen Song geben wollen oder wenn im Raum nebenan mal wieder ein sehr übermotivierter Schläger sein Zeug bearbeitet (Da muss ich meinen Schlagzeuglehrerinstinkt aber ganz schön im Zaum halten!).
Irgendwann sind dann gegen die 20 Songs im Kasten. Also natürlich nur die Schlagzeugparts. Den Rest wird dann Peter mit Bärtel alleine auskäsen. Am Schluss geht alles total schnell. Kaum ist der Gartenzaun abgebaut (Psst… neee neee, ihr habt das jetzt nicht gelesen, dass ich die Platte mit einem Gartenzaun eingetrommelt habe), stehen schon kleine Gläser mit einer durchsichtigen Flüssigkeit auf der Bar und wir tauschen Räubergeschichten aus. Doch das Ganze nimmt ein jähes Ende, denn wir sind heute mit der Strassenbahn unterwegs, da ja meine Ausrüstung nicht fahrradtauglich ist. Bett. Kaffee. Sprutz Wasser ins Gesicht, stinkend im Zug (diesmal reservierter Fensterplatz ist zwar bequem, rückwärts fahren macht es aber nicht besser), Bus zum Flughafen (nerv). Ich finde mich im Flugzeug wieder und flehe nach ungezuckertem Schwarztee. Hab gestern wohl etwas viel von Bärtels „Woddi“ abgekriegt und heute Nachmittag warten schon wieder Schüler auf mich. Doch das ist alles halb so schlimm. Ich freue mich schon jetzt darauf, die fertige Platte zu hören, während ich auf die Landschaft unter mir schaue. Als ich hier vor ein paar Tagen durchgeflogen bin, war die Welt noch um ein paar Tonspuren ärmer. Und es bleibt uns nur zu hoffen, dass, wenn ich hier irgendwann wieder vorbei düse, da unten überall die Leute diese Platte hören.
Posted on 17 Aug 2009 by chrz
30.05.2009 parties break hearts @ Rock im Wald Open Air Jona
Wer fleissig die Daten meines Konzertkalenders und meines Tourtagebuchs vergleichen hat, hat bestimmt bemerkt, dass ich in den letzten Wochen nicht mehr über jeden Gig etwas geschrieben habe. Das hat zum einen den Grund, dass ich mich langsam selber darüber langweilte, immer wieder von Soundcheck, Konzert und Clownaktionen zu schreiben und andererseits fehlt mir manchmal schlicht die Zeit dazu, denn so ein Tagebucheintrag lässt sich mit meinem Habichttastatursystem (mit dem ich zwar mittlerweile einen ungeübten Gelegenheits-Zehnfingerler noch locker abhänge) und mit meinen Aufsatzskills eben nicht schnell in fünf Minuten schreiben, dafür kann ich dann, wenn ich mir doch mal Zeit nehme, ganz wenig besser dahinter stehen, als ein 20Minuten Journalist hinter seinem CD Review (Schund aus der Gosse).
So zurück zum Thema:
Es ist ein sonniger Bilderbuchpfingstsamstag. Als ich noch in der Pfadi war, machten wir da auch immer einen Ausflug in den Wald, doch da hat es ausnahmslos immer geregnet, wenn wir das Zelt aufschlugen oder Schnitzeljagden tätigten. Nicht so heute und wir erfreuen uns an der Aussicht entlang des Zürichsees bis hin zu den Alpen.
Wir kommen an und stellen das Auto beim markierten Staffparkplatz am Waldrand ab. Bis zur Bühne geht es waldeinwärts 200 Meter. Da steht eine feine kleine Bühne, eine wohlbemessene Bar und ein Grillstand. Was will man mehr? Aber wie kommen unsere Instrumente da hin, wo jetzt gerade Modern Day Heroes Sondcheck machen und damit die enorm schöne Akustik dieses Platzes demonstrieren? Wir haben heute schliesslich nicht den Offroader dabei. Ah, ein Traktor mit Anhänger wird den Equipmenttransfer vom Parkplatz zum Backstage übernehmen, die haben hier aber auch wirklich an A-L-L-E-S gedacht!
Die andere Band, die auch schon anwesend ist, heisst „the Monofones“ und das sind ebenso Bekannte von uns. Wird ja ein richtiges Bernerderby hier in Rappi.
Wir einigen uns mit der Technikercrew aus Winti auf Linecheck direkt vor dem Auftritt, da wir ja alle schon wissen wies geht und wir nicht unnötig stress mit Soundcheck machen wollen. Wäre ja auch schade, an so einem schönen Abend.
Die Sonne neigt sich langsam aber sicher dem Horizont und die ersten Fans trudeln ein. Sie sind zum Teil recht weit hergereist und sehen alle aus, als kämen sie nicht einfach nur so, sondern um genau solche Bands, wie die, die hier heute spielen werden zu hören, vielleicht einige sogar genau wegen diesen ausgewählten Bands. Modern Day Heroes kündigten zwei Tage vorher sogar noch ihren heutigen Auftritt in einem Interview im Radio Zürisee an. Also sind sie sicher der Bitte des Veranstalters, noch etwas Werbung zu machen, gerecht geworden. Wir haben es alle recht lustig und es gibt eine auserlesene Getränkeauswahl an der Bar, als ob wir selber bestimmt hätten, mit was die Kühlschränke aufgefüllt werden sollen. Da kommt doch richtige Freude auf, nicht wahr? Also wir haben uns schon die ganze Woche auf den Gig hier gefreut und was wir jetzt hier vorgefunden haben, verstärkt diese Vorfreude, als ob du am Grand Prix von Bern nach der letzten Kurve und 16 Kilometern in den Beinen das Zielband erblickst. Jetzt ist es gleich neun Uhr und die erste Band sollte doch schon seit halb neun spielen! Was ist denn bloss los hier? Ah, es gibt ein kleines Detail, dass ich noch vergessen habe zu erwähnen: Genau als wir hier angekommen sind, sind auch zwei weiss-orange Autos mit der Aufschrift Polizei angekommen. Und da kein Act des Lineups Polizei heisst, lässt das darauf schliessen, dass das die Bullen höchstpersönlich mal vier waren. Grund der Anwesenheit war, dass die Veranstaltung nicht Amtlich bewilligt ist.
Ende, aus, das Konzert findet nicht statt, heimgehen.
Posted on 16 Jun 2009 by chrz
parties break hearts UK Ostertour
England, die Wiege aller Europäischen Musikerträume liegt vor uns. Der Ärmelkanal trennt uns nur noch davon. Aber wer zu dumm ist, um die Zahl 128 als solche zu lesen und in der LANE 28 für die Fähre einspurt, wird nie drüben ankommen. Schliesslich schaffen wir es doch irgendwie, zwei Fähren später, auf den Stahlkoloss aufzuhüpfen und rüber zu dampfen. Drüben angekommen, fahren wir schön brav links mit unserem Wohnmobil (all in one, fahrend: Stinkkabine, Schlafplatz, Backstage und Tourbus). Bald finden wir eine Raststätte, auf der wir nächtigen können und kaum sind die Augen wieder offen, begrüsst uns Britisches Wetter und english breakfast. Full.

11.04.2009 Swansea, QUEENS HOTEL Geburtstagsparty und Alkohol

Weiter fahren wir Richtung Weymouth, eine kleine Hafenstadt an der Südküste, vier Stunden vor uns. Als wir da ankommen, können wir uns kaum satt sehen an Landschaft und Meer. Wir finden den Club, dank Mikes neuem Nokia Handy mit Navi intus, auf Anhieb. Den Bus vor den Club zu stellen sei ganz einfach, meint die uns begrüssende Bardame, die hier heute Geburtstag feiert. Führerschein hat sie aber wahrscheinlich noch keinen, da der von ihr beschriebene Weg verkehrt durch Einbahnstrassen und durch eine, für unser Vehikel viel zu schmale Gasse führt. Na, wir haben es auf die Fähre geschafft, also ist das hier ein Klacks für uns.
Dann ein gemütlicher Soundcheck. Wir Schweizer, eingeschüchtert von der Dezibelpolizei im Heimatland, werden hier aufgefordert, unsere Verstärker lauter aufzudrehen. Anschliessend machen wir uns bewaffnet mit Flyern auf den Weg zur Strandpromenade. Was sich auf den ersten Blick als hübsches Fischereinheim ausgibt, entpuppt sich nun als furzgewöhnliches Touristenkaff. Könnte überall sein. Egal, für mich haben sie hier an jeder Ecke ein Guinness parat und wir spielen zum ersten Mal im Leben auf britischem Territorium. Zurück im Club zahlen wir als Band für Bier und kriegen Pizza, NICE. Die Vorband, Engländer mit totalem Südslang, verstehen wir weder wörtlich noch musikalisch. Wir sind uns auch nicht ganz sicher, ob sie uns die Bude leer rocken oder ob hier die Leute grundsätzlich nichts von einem Konzert an einer Geburtstagsparty halten. A propos Leute, die sind hier schon seit 18 Uhr besoffen. Wir spielen dann noch vor einer Hand voll Publikum, das dafür unser energisches Tun sehr schätzt. Ich verpasse sogar der Bühne eine Dusche mit einem Schluck-Wasser-Puster, irgendwo im Intro, ich glaube bim Song „Point of view“. Leandro schimpft dann allerdings nach dem Konzert, ich hätte damit beinahe seinen Verstärker nass gemacht. Sorry, ich bin halt Anfänger, was das angeht aber in UK darf man doch wohl mal was wagen.
Nach beendeter Show packen wir unser Zeug ins Wohnmobil, sacken die bescheidene Gage ein, verschwinden Richtung Landesinnere und legen uns auf einer Truckerraststätte schlafen.

12.04.2009 Liverpool, CAVERN CLUB (Beatles), Alkohol und Burgerkoller

Am nächsten Morgen, Frühstücksbeschrieb überflüssig, machen wir unserem Mobil Beine und landen pünktlich um 14 Uhr in Liverpool. Erste tat: Wir kreuzen beim Cavern Club auf, in dem die Beatles 292 Mal spielten und wir das erste Mal. Doch bislang scheinen nur wir zu wissen, dass wir heute da spielen. Der Schlufi von Promoter kreuze erst at 6 pm auf und dann komme auch der Engeneer. Also gehen wir in die Stadt um die Werbetrommel für unseren legendären Gig at the Cavern zu klopfen, immer noch in Ungewissheit, ob der überhaupt stattfindet. Die Organisation dieses Gigs verlief sehr chaotisch. Der Gig war zwar von Anfang an bestätigt aber alles andere war bis zur letzten Sekunde schleierhaft wie die Nebel in Irland. Wir haben uns aber davon nicht beirren lassen, denn wir haben die Chance und WOLLEN im Cavern spielen! Und im Verlauf des Nachmittags schaffen wir es tatsächlich, diesen Ben (so heisst der Promoter) an die Strippe zu kriegen. Da bestätigt er uns endlich definitiv, dass sich unsere Hartnäckigkeit in Form eines Auftritts auf den sagenhaften Brettern des Cavern ausbezahlt. Freudig legen wir uns ins Zeug beim Flyern und stellen fest, dass die Engländer am Ostersonntagnachmittag schon um 4pm besoffen unter der Sonne festen. Am Hafen trinken wir, dem Klima entsprechend auch ein Guinness, jedoch im Schatten und dann ist es auch schon Zeit zum Club zu gehen um sich mit Ben zu treffen. Da warten wir also als so ein Schlufityp mit styligen Schuhen auf mich zu kommt und mich in tiefstem Liverpoolakzent fragt: „are you the band parties break hearts?“ Ich denke, ah, das ist wahrscheinlich ist so einer, dem ich heute einen Flyer in die Finger gedrückt habe und nun wissen will, wann wir genau spielen. Nein, es ist Ben. Da wird mir einiges klar…Egal, jetzt steht fest, die Party steigt endgültig (Freude und Erleichterung! Hätte mich nicht gefreut, wenn wir umsonst von der Südküste nach Liverpool gefahren wären) und alles ist easy. Den Engeneer, der vertrauenswürdiger aussieht, ebenfalls mitgebracht. Er geht mit uns runter ins Backsteingewölbe und macht mit uns die Bühne klar, nachdem unser Mobil hinter dem Club in der Gasse in Ausladestellung gebracht ist. Ich kann es kaum erwarten, meine Küche in diese Kulisse zu stellen. Es ist ein cooler Club, dieser Cavern aber dank seiner Beatles-Vergangenheit ist er auch mehr eine Touristenattraktion als ein Konzertlokal. Vorne spielen irgendwelche Alleinunterhalter Beatleslieder, ob sie es können oder nicht, die Touris grölen übermotiviert mit und es gibt tonnenweise Souvenirs zu kaufen. Der vordere Teil der Location ist so nachgebaut, wie der Club ursprünglich zwei Eingänge weiter vorne ausgesehen hat. Heute ist am ursprünglichen Standort ein Lüftungsschacht der U-Bahn. Im hinteren Teil haben sie einen grösseren Raum mit einer sehr gut ausgestatteten Bühne, die über eine Leuchtrückwand mit CAVERN-Aufschrift verfügt, reingeklotzt. Und genau da stelle ich mein Schlagzeug jetzt hin. Als ich dann Soundcheck mache, freue ich mich schon mal gewaltig über die Akustik. Es klingt FETT! Schon nur für den Soundcheck hat sich die Mühe gelohnt. Dann werden wir noch mal zum Flyer verteilen auf die Gassen geschickt. Vorband gäbe es leider keine, der Eintritt sei gratis und wir sollen so viele Kids wie möglich an Land ziehen, meinte Ben vorhin. Ihn werden wir an diesem Abend nicht mehr sehen. Wir verteilen also Flyer, allerdings nur auf dem Weg zu einem italienischen Restaurant. Ich habe nämlich einen tierischen Hunger beisammen und die Schnauze gestrichen voll von Burger King und Co. Salat und Spaghetti oder ich klappe zusammen! Wohlgenährt kehren wir zurück von den Strassen, auf denen an diesem lauen Ostersonntagabend mittlerweile die Hölle los ist. Im Club steht wie as dem Nichts plötzlich eine Band auf der Bühne und macht sich bereit zum spielen. Wurde uns jetzt etwa der Gig geklaut??? Nein Ben scheint im letzten Moment noch eine Vorband aufgetrieben zu haben. Vier junge Schotten, denen ein Konzert abgesagt wurde und die verdammt gut spielen. Mir bleibt kurz die Spucke weg. Die praktizieren zwar nicht den gleichen Stil wie wir, trotzdem müssen wir uns warm anziehen. Das ist jetzt endlich die vielgerühmte Britische Qualität, die uns am dritten Tag unserer Reise endlich über den Weg läuft. Nach einer halben Stunde guter Musik sind schliesslich wir Schweizer an der Reihe, diesen Touristen hier den Rock zu erklären. Wir knallen wie noch selten. In der Schweiz wären wir schon lange von der Dezibelpolizei verhaftet worden, denn wir fahren das Brett der Bretter auf, ungehindert. Auf der Bühne verläuft das Konzert wie am Schnürchen. Doch die Touristen bemerken bald, dass auch wir nicht die Beatles sind. Sie kommen rein, hören sich ein knappes Lied an und hauen wieder ab zu den Beatlesproleten. Uns bleiben etwa zwanzig Interessierte, inkl. Vorband, die sich über Martins Ansage zu „Save yourself” amüsieren: This next song is called save yourself and these peopole are saving themselfes from good music.
Nach unserem Konzert, bei dem wir das Publikum erstmals den Zugabesong wünschen lassen, verziehen wir uns verschwitzt in die Garderobe. Schon kreuzen die Schotten da auf, rühmen uns in den höchsten, sehr schottischen Tönen und kratzen ihr letztes Kleingeld zusammen, um uns CDs abzukaufen. Zur Feier des Tages hole ich mir ein Guinness an der Bar und versuche noch ein paar CDs unter die Leute zu bringen. Der Tontechniker, dem wir offensichtlich gefallen haben, gesellt sich vor dem Aufräumen noch auf einen interessanten Schwatz über die Britische Musikszene zu uns in den Backstage. Später, beim Beladen des Wohnmobils, inspiziert der Sicherheitsmann des Clubs neidisch unser Vehikel, welches wir dann genau zum Zeitpunkt einer Prügelei zwei besoffener Engländer von der Gasse schaukeln. So verlassen wir Liverpool und suchen länger als erwartet ein Parkplatz für die Nacht.

14.04.2009 Swansea, BAR CO, Wales is not England!

Der Ostermontag ist unser Freitag und wir nutzen ihn, um der Küste Wales entlang zu fahren und uns von dieser wunderschönen Gegend entzücken zu lassen. Da an diesem Tag aber auch wirklich alles zu hat, ist es gar nicht so einfac,h ein Pub, das auch Dinner serviert zu finden. Nach Befragung mehrerer Einheimischen finden wir in einem menschenleeren Gasthof an der Landstrasse einen Tisch. Nach einem leckeren Pubdinner fragen wir den Besitzer, ob wir hinter seiner Hütte unser Wohnmobil die Nacht über parkieren dürfen, um drin zu pennen. No Problem meint John. Er und seine Frau lästern noch eine Weile mit uns über Deutsche und laden uns am nächsten Morgen grosszügig zum Frühstück ein. Dankbar nehmen wir das Angebot an.
In Swansea, eine Küstenstadt, die auch noch in Wales liegt, haben wir am Dienstag unser nächstes Konzert. Ich würde mir ja gerne ein paar flotte Schuhe kaufen in England, Tschuldigung, GROSSBRITANIEN (We are in Wales!) aber Swansea hat nur Tussiklamotten und Treckingware zu bieten. Dafür haben wir mehr Zeit um Flyer zu verteilen und das örtliche Pubangebot zu inspizieren. Bis der Club öffnet, haben wir eh noch eine ganze Weile zu warten. Langsam gewöhnen wir uns an die Britische Gelassenheit. Als es dann mal soweit ist, stellen wir in Windeseile die Backline auf. Der Techniker wundert sich über meine „kleine“ Pauke mit dem grossem Bumm Bumm. Ja, auch Schweizer können Trommeln stimmen. Die anderen zwei Bands sind auch schon da. Die eher bekanntere, Cherrywood, wird nach uns spielen, die andere vor uns, es ist ihr erstes Konzert überhaupt. Ihr Schlagzeuger kommt zu mir und fragt, er sei Linkshänder, ob das ein Problem sei mit meinem Schlagzeug. Ich sage nur „well, this is not my problem“ und erlaube ihm, alles wie er will umzubauen. Im Bar Co Pub taucht nicht so viel Publikum auf, wie wir erwarten, wenn zwei lokale Bands spielen. Dementsprechend kurz halten wir unser Set. Trotz wenig Publikum wird es nichts desto trotz eine sehr spassige Show, spätestens als Martin in einer Ansage etwas raus lässt wie, es sei sehr schön hier in England. Die Waliser reagieren etwa so, als ob man einem Berner sagt er sei Zürcher. Doch mit genau solchen Hooks kann man als Bandleader den Kontakt zum Publikum nachhaltig herstellen, vorausgesetzt man weiss hinterher was mit der Situation anzufangen, was Martin prima meistert. Cherrywood überzeugt uns dann musikalisch leider nicht erwartungsgemäss und nach dem Konzert verklickert mir der Mischer des Hauses, wir seien die beste Band, die hier je gespielt hat. Hmmm, wir sind Schweizer, spielen im für seine hochstehende Rockkultur bekannte Grossbritanien und sind also das Beste, das die hier je gesehen haben? Wird wohl nicht die ultimative Konzertadresse sein hier. Aber danke trotzdem für den Gig!
Die Nacht wird dann auch nicht sehr erholsam. Wieder haben wir Schwierigkeiten, einen nicht kostenpflichtigen, legalen Parkplatz zum Schlafen zu finden. Schlussendlich landen wir auf einem Autostrassenrastplatz. Das ist so ziemlich genau das Selbe, wie wenn man bei uns auf der Autobahn auf dem Pannenstreifen parkt.

Der nächste Tag ist auch schon der Abschluss dieser UK Tour, leider nicht gerade der krönende. Wir verfahren uns 300 Kilometer nach Peterborough, weil die Nokiabatterie von Mikes Navihandy schon bessere Zeiten gesehen hat. Als wir da um 17.30 endlich den Club mit Hilfe eines altmodischen Papierstadtplans finden und in die Innenstadt gehen, um Schuhe zu kaufen und Werbung fürs Konzert zu machen, bemerken wir, dass die gerade überall schliessen. Wir sind offensichtlich in der Provinz gelandet! Kaum Leute auf der Strasse, wenn doch, dann eher vertrauensunwürdige Gestalten. Drei Stunden warten wir vor dem Club, doch es kreuzt keiner auf. Um 19.30 Uhr erreicht uns die Botschaft, dass das Konzert abgesagt wurde. Dankeschön! Das einzige, wozu wir hier her gefahren sind ist, dass ich beim Fussballspielen den Fussball, den wir in Töging am Inn vom Supermarktdach gefischt haben, auf dem Dach des geschlossenen Clubs versenke. Moralisch etwas niedergeschlagen nehmen wir den 1000 Kilometer Heimweg über den Ärmelkanal in Angriff und winken im vorbeifahren London zu. Wir wären heute besser dort hingefahren, dann hätte ich mir wenigstens ein paar coole Treter kaufen können. But we’ve done the Cavern! Das putzt uns keiner mehr von der Fahne.
Posted on 22 Apr 2009 by chrz
04.04.2009 parties break hearts @ Barrock Töging am Inn (D)
Ausgeschlafen tuckern wir unter der Sonne weiter. Da wir einen VW Bus haben werden wir von jedem entgegenkommenden VW Bus gegrüsst. Nett. Nach Schnitzerlstopp und Aussichtsstopp kommen wir zeitig in Töging am Inn an. Wir brauchten nur etwa eine Fahrstunde um Kaff und Land zu wechseln. Und hier sind wir nun mal wirklich in einem, sorry, Kaff. Es gibt ausser Häusern und unendlich flachen Ebenen nichts. Der Club ist gleich auf dem Parkplatz beim Supermarkt, am Rande Tögings und die Bühne ist ein Käfig über der Bar. Das macht diesen Gig sofort zu etwas ganz besonderem. Zum Glück haben wir den Basskühlschrankverstärker nicht dabei. Den da hoch zu schleppen wäre wahrscheinlich unmöglicher denn möglich und die Treppe zum Käfig knackt immer etwas verdächtig beim Tritt auf gewisse Stufen.
Wir kamen absichtlich früh her, um noch im Ort etwas Flyer zu verteilen. Aber damit, dass wir hier im Ort kaum Menschen auf der Strasse antreffen und so etwas wie ein Dorkern nicht wahrnehmbar ist, versuchen wir es in der nächsten kleineren Stadt. Das Stättchen ist wirklich schmuck, erinnert mich fast ein wenig an Murten. Aber Menschen… gibt’s auch hier kaum. Wir bleiben auf unseren Flyern sitzen, essen Eis und gehen an den Fluss Steine schmeissen. Irgendwann, nachdem wir uns vorgestellt haben, dass hier eigentlich nur die Heubüschel, die vom Wind über die Gasse geweht werden, fehlen, um das Filmset perfekt zu machen, wird es uns hier doch zu langweilig und wir fahren zurück nach Töging. Da stehen wir vor verschlossener Tür. Wir haben erst um halb acht zum Soundcheck abgemacht, bis dahin dauert es noch eine Stunde. Da entdecken wir einen Fussball auf dem Dach des Supermarkts. Wie kommen wir da bloss ran? Raufklettern geht nicht, Steine schmeissen nützt auch nichts und wirkt auf die Dauer kriminell. Doch ein kaputter Gartenzaun liefert uns genug material um eine fünf Meter Stange zu basteln. Mike macht mit meinem Sackmesser einen auf Mc.Gyver und anschliessend versuchen wir mit unserer super Verlängerung das unmögliche. Unmöglich. Bus muss her, ein erhöhter Standort wird helfen. Vom Dach des Busses aus, traktiere ich den Ball einige Male und unter feierlichem Getose fällt er vom Supermarktdach. „Mir ist langweilig“ kennen wir ab sofort nicht mehr. Schliesslich haben wir einen Riesen Parkplatz als Spielfläche und einen lauen Frühlingsvorabend in einer verschlafenen Gegend.
Nach einer knappen Stunde Sport dann wieder die Musik! Das Team der Bar zeigt sich und wir können Sound checken im Käfig. Da oben sind die Platzverhältnisse prekär, aber wir schaffen es und stellen uns in einer Reihe auf: Ich links aussen, dann Mike, dann Mexikaner, dann Chinamann. Oben klingt es katastrophal aber, das was die Mikros, die uns übrigens eine örtliche Band in letzter Sekunde zur Verfügung gestellt hat (DANKE!), einfangen, wird unten mit einem brutalen Druck aus den Lautsprechern gepustet. Dann freut euch da unten mal auf eine ordentliche Ladung.
Bis zum Konzert wird es jetzt aber noch einige Zeit dauern. Wir gehen uns erst mal die Mägen füllen. In der Kebab Bude, in der wir verköstigt werden, läuft eine Art Castingshow im TV, bei der es wohl um eine Türkische Hochzeit geht. Wir verstehen zwar kein Wort aber dass sich das Brautpaar überhaupt nicht freut, sieht auch der hinterste Wäldler. Sachen gibt’s. Zurück im Club versuchen Martin und ich im Auto noch etwas Schlaf vorzuholen, da wir uns, mangels Übernachtungsmöglichkeit, gleich nach dem Gig noch 7 Stunden Heimfahrt antun wollen. Um den Kreislauf auf Konzerttouren zu bringen, gehe ich vor dem Gig kurz Joggen. Als ich zurück komme, schauen mich die andern mit grossen Augen an und fragen mich, wo ich war. Der Türsteher habe ihnen erzählt der Drummer sei joggen gegangen, das könne doch nicht sein, wir müssen ja auf die Bühne!!! Na eben, ich war joggen. Probleme?
Dann ab in den Käfig. So weit oben zu spielen ist ein merkwürdiges Gefühl. Man sieht nicht die Gesichter von vorne, sondern die Köpfe von oben. Und man ist irgendwie abgesondert und performt entsprechend eher für sich selbst, was aber nicht unbedingt schlecht ist. So eine Art Übungsraumvertrautheit. Mike sagt nach dem Konzert, wir hätten sehr tight gespielt. Davon habe ich allerdings nichts gemerkt. Ich hatte einen ziemlichen Blindflug, da der Sound in meiner Ecke war, als würde eine Stunde lang dauernd eine Bombe explodieren.
Als wir am Ende (Post-Zugaabee) wahrlich einen Abgang vom Käfig machen, rennen uns die Leute nach CDs lechzend entgegen. Habt Ihr CDs? Ja. WO!? Ja, hinten, komme gleich. Wie viel kosten sie? 10. ICH NEHM 2! So geht das hier also! In der Nacht scheint hier einiges zu erwachen. Wir würden die Gelegenheit,, das Fest von gestern gleich fortzusetzen, gerne wahrnehmen, doch wir müssen nach Hause zu Frau und Kind. Um 2 Uhr sind wir abfahrbereit und verabschieden uns.
Mist, der Tank! Muss noch gefüllt werden. Ja kein Problem, nimm die nächste Tanke. Überhaupt kein Kinderspiel hier! Es gibt kaum Tankstellen und wenn, sind sie nicht mit Automaten ausgerüstet und sowieso sicher nicht bedient. Wo tagsüber niemand aus dem Haus geht, tankt ja nachts auch keiner. Nach einer knappen Stunde suchen auf dem letzten Tropfen, rollen wir zum Boxenstop bei der einzigen Nachttankstelle, die im Umkreis von 40 Kilometern zu finden ist, ein. Der Nervenkitzel zu später Stunde hat ein Ende und wir verlassen diese wahrhaftig nicht gerade wache Gegend in Richtung Heimat, die wir dann um neun Uhr morgens erreichen. Geschafft.
Posted on 11 Apr 2009 by chrz
03.04.2009 parties break hearts @ Hog Bar Golling (A)
Zwei Konzerte und 1270 Kilometer liegen in den nächsten zwei Tagen vor uns. Nach einer Schlappe im Gaskessel Bern gestern Abend, setzten wir grosse Hoffnungen auf das bevorstehende Schuelreisli.
Martin, der Sänger (aka. The Mexican Dude) und ich dürfen als einzige ans Steuer, die beiden anderen, Mike (the man with the fridge (grosser Bassverstärker, heute nicht dabei)) und Leandro (aka. The Chineese Dude) sorgen für Spass auf dem Rücksitz. Hinten im Ladebereich fährt unser Equipment feinsäuberlich gestapelt mit.
Erste Station auf dem langen weg nach Österreich ist der Hauptsitz von Red Bull. Die sponsern uns netterweise zwei volle Kartons RedBull, damit wir für die bevorstehende Englandtour auch genug Flügel für die Ärmelkanalüberquerung haben. Und die holen wir uns jetzt, man kriegt ja nicht alle Tage was geschenkt! Nach dem der Chinese und ich nach oben in die RedBull Lounge eins trinken gegangen sind, die Kartons gekrallt haben und wir anschliessend unten mit einem alten Mann auf Old School Fahrrad und mit verbundenen Zeigefinger einen netten Schwatz, der beinahe in einem bösen Rechtsstreit endete, weil wir „Herr Lustige Sprüche“ beiläufig abgelichtet haben, geführt haben, verziehen wir uns von der RedBull Baar. Die Fahrt nach Golling verläuft weiterhin ohne Zwischenfall und wir spielen die ganze Zeit „Zitchdog“, kehnt ja jeder…
Golling gefunden, Hog Bar auch. Wiedersehen macht Freude. Wir werden mit einem grossen Bier willkommen geheissen, dann Aufbau, Soundcheck, Zimmer beziehen, Essen, Blablabla und dann die Vorband testen. Ist die ulkigste Schlager Punk Band, die ich je gesehen habe. Und sie wissen auch wie man das mit den Instrumenten macht. Die Stimmung kocht. Der Club ist zwar nicht wirklich voll aber auch keineswegs leer. Die Vorband heisst DIE ENKEL und erfüllt total. Wir haben fast ein bisschen Angst, dass dem Publikum hier unser Sound zu hart ist. Befürchtete ich hier nicht letztes Mal mit Peter Piek so was Ähnliches und dann gings ab wie Ferkel? Als wir loslegen, erweist sich das wirklich als Irrtum. Ich sehe sogar eine, die jeden Song mitsingt, auch den neusten, zu dem Martin eigentlich noch gar keinen festen Text hat. Ich schlage ihm nach dem Konzert vor, fragen zu gehen, was sie gesungen hat, vielleicht hat sie ja einen super Reim parat. Während dem Konzert kassiert Mike einen Arschtritt vom Mexican Dude, da er sich einfach überhaupt aber gar rein nicht bewegt beim spielen. So eine Kartoffelsackperformance sind wir uns von ihm eben schlicht nicht gewohnt. Nach dem Konzert dann die Erklärung, er hätte Kopfschmerzen gehabt, sich deshalb lieber aufs Spielen konzentriert. Weises Kerlchen. Die Show kam bestens an. Die Hog Bar Betreiber strahlen bis hinter die Ohren und wir versuchen ihren Gästen noch ein paar unserer Scheiben anzudrehen, was gelingt, allerdings müssen die Gollinger erst etwas abgefüllt werden, bis ihre Kaufwut ausbricht.
Das Konzert, das anschliessend zu einer üblen Sause mutiert, was hier scheinbar üblich ist, hat sich für uns sehr gelohnt. Wir sind wieder frohen Mutes, dass es wirklich noch Menschen, die sich für dieses „Öffentliches-mit-Musik-Instrumenten-Hantieren“ interessieren, gibt.
Ab ins Etui, es ist spät/früh geworden. Aber wir haben ja Hotelzimmer, was für eine Wonne! Aber auch auf dem weichsten Kopfkissen spüre ich die Kopfschmerzen, die ich von einem Zusammenprall mit der Kante eines Lüftungskanals an der niedrigen Decke über der Bühne habe, noch zu gut für meinen Geschmack. Ein Krieger ohne Kriegsverletzung wäre ja auch ein Bubi.
Posted on 11 Apr 2009 by chrz
07.03.2009 CHEEKBONES @ Slidedisaster Gstaad
Blauer Himmel, Sonne und tonnenweise Schnee erwarten uns an diesem Nachmittag in Gstaad. Doch bis die Züri-Winterthurer Fraktion der Band dem Wetter in diesem feinen Skiort im Berner Oberland das Gesicht entgegenstrecken kann, muss sie noch durch die Blechlawine auf der A1. Als dann alle endlich beisammen und bereit zum Soundcheck, der eigentlich schon 13.30 hätte sein sollen sind, macht die Sonne schon Anstalten, sich hinter den Bergen zu verdrücken. Da wir, die eigentlich zu spät kamen, doch viel zu früh da sind, weil der Veranstalter und sein Team wohl etwas verpennt haben, suchen wir uns ein Beizli um noch eine OVO etc. zu kippen. Ist gar nicht so einfach, hier etwas Angemessenes zu finden. Überall Seidenservietten und Silberbesteck auf den Tischen. Wir suchen eher das Lokal vom Typ Kneipe, geben uns dann aber mit einem Kompromiss zufrieden.
Dann ist endlich Soundcheckzeit. Wir tragen unsere Instrumente und Verstärker ins Festzelt hinter der Gondelbahnstation. Immer schön vorsichtig, da die Trampelpfade durch den Schnee zu rutschig sind für unsere Musikantenturnschuhe. Gleichzeitig bringen die Slidedesaster-Slidecontestteilnehmer ihre brutal halsbrecherisch aussehenden Rutschseifenkisten oben am Hang in Startposition. Bis zum Contest geht es noch mindestens eine Stunde, doch keiner dieser mutigen Oberländer kommt zwischenzeitlich vom Berg herunter. Da liegt die Vermutung, dass die sich da oben Mut antrinken nicht fern. Würde ich wohl auch tun, wenn ich vor hätte, mit einer Feuerwerk spuckenden 3 Meter Geburtstagstorte, einem Pokertisch auf Kufen oder einer kompletten Rockbühne in Schlittenform den Berg hinunter zu rutschen. Tue ich aber nicht! Ich mache hier nachher für diese Masochisten und ihre Zuschauer (das können nur Schadenfreudige Gemüter sein) Musik. Und deswegen muss ich jetzt ein paar Tricks auspacken, um die Schlagzeugklangvorstellungen des Mischers (netter Franzose) zu erfüllen. Nach dem ich ein paar Schrauben an der Bass Drum gedreht und die Becken mit Schaumgummis namens CymPads an Stelle von Filzen unterlegt habe, ist das Schlagzeug leise genug für diese Ecke der Festzeltbühne, in die man uns als erste Band abgeschoben hat. Irgendwann kriege ich dann auch noch einen Monitorlautsprecher hingestellt (Franzose:“was willst du auf die Monitor“, Ich: „welchen Monitor? habe keinen!“ Franzose: „ Das ist gar nischt gut“) und ein Mikrofon, das die zuverlässigen Techniker beim falschen Schlagzeug aufgestellt haben.
Zu Essen gibt es Kartoffelsalat und Bratwurst. Da es hier kalt ist und ich mich im „Backstage“ schon mal mit einer Riesenpfütze aus eiskaltem Schneematsch angefreundet habe, denke ich mir, es kann nicht schaden, genug zu essen, da es schliesslich eine kalte Nacht zu werden droht. Also: Grosse Portion Kartoffelsalat, bitte. Beim letzten Bissen kommt er mir allerdings fast retour. Ich bin also doch etwas nervös. Es ist das erste Konzert mit dem neuen Bassisten David (Direktimport von Transmartha, Winterthur), was mir allerdings keine Sorgen bereitet. Aber wäre ich nicht nervös, wäre etwas nicht in Ordnung.
Nach dem alle Seifenkisten im Tal sind, strömt das Volk langsam ins Zelt. Wie immer in der Schweiz, füllt es sich von hinten. Wir haben die Aufgabe, diese halbe Völle für die nachfolgenden Ska Bands anzuheizen. Wie ich Ska doch über alles liebe! Naja, wenigstens geht das hier in einem Zelt über die Bühne, dann passt diese Zirkusmusik ja bestens.
Vor der Bühne sind schon ein paar angetrunkene Teenies, die uns weiss ich was alles zeigen wollen, damit wir endlich anfangen, während die restlichen, mittlerweile etwa 100 Nasen ein Gedränge an der Bar, weit weg von der Bühne, machen.
Wir eröffnen die Show und spielen ziemlich enthusiastisch, nicht zuletzt um der Kälte zu trotzen. Wir müssen erst um die Aufmerksamkeit des Publikums, dann um den Applaus und darum, dass sie sich zur Bühne schieben kämpfen. Die schon erwähnten, mittlerweile besoffenen Teenies unterstützen uns tatkräftig. Yves hat die passenden Sprüche parat und am Ende stehen sie tatsächlich alle vorne am Bühnenrand und einige singen sogar mit. Bravo! Da ist unser Set aber schon zu Ende und wir räumen die Bühnenecke schlagartig. Meine Laune ist nach dem Konzert auf einem steil absteigenden Ast. Erstens, diese Ska Musik! Zweitens, die Leute: Jetzt, wo wir fertig sind, feiern sie total ab. Haben wir euch wieder mal eine schöne Stimmung serviert, ihr Skatrompeter und Karrohosenträger! Eigentlich wäre es angebracht zu denken: Gut gemacht Jungs, diese Mürgel haben wir schön aufgetaut, guter Job. Das fällt aber in solchen Situationen nicht immer einfach.
Da wir eine Band sind, bei der es um die Musik geht und die nicht mehr nach jedem Konzert die ultimative Party erzwingen muss, verlassen wir bald einmal das sinkende Schiff (wer hier bleibt, wird nämlich garantiert abstürzen) in Richtung Hotel und machen uns dort noch ein gemütliches Beisammensein. Schliesslich gibt es genug Räubergeschichten, die wir uns erzählen können. Und am morgen danach werden wir der Sonne ohne Kopfschmerzen zuzwinkern, während wir uns dem Frühstücksbuffet annehmen.
Posted on 27 Mar 2009 by chrz
07.02.2009 Christoph Hauser POETRIO @ Kulturkneipe Hirsch Glems (D)
Glems hat weder mit Ems noch mit Glarus etwas zu tun. Und eine solche Kreuzung wollen wir uns auch lieber gar nicht erst vorstellen. Nein, es ist ein 1000 Seelen Dorf im Schwabenland, zwei Stunden Landstrasse entfernt von der Grenze zur Eidgenossenschaft. Das POETRIO, das des Zürcher Oberländer Liedermachers Lieder in klassischer Jazztriobesetzung betont hat noch nie im Ausland gespielt. Da das halbe Programm in Mundart gedichtet ist, hatten wir da immer so unsere Hemmungen, doch ausprobieren wollten wir es schon lange. Also machten wir uns auf den Weg durch eine weite, schöne, grüne Gegend, in der Fuchs und Hase sich gute Nacht zu sagen pflegen, um herauszufinden, wie viel Schweizerdeutsch der Deutsche erträgt.
Endlich im Club angekommen, fühlen wir uns per sofort wie zu Hause. Einfach so zu Hause, wie es zu Hause vor zwanzig Jahren war. Und: Wir werden behandelt als wären wir willkommen. Das erlebten wir auch schon anders. Aber da ja niemand, ausser der Frau, die fusswippend während dem ganzen Konzert Zeitung las, an unserem Gig in Meyers Raum für Theater zu Zürich war, kann keiner diese Erfahrung mit uns teilen. Vergessen wir das also schnellstens wieder, denn hier weht ein anderer Wind.
Beim Soundcheck haben wir leider erhebliche technische Probleme. Also was heisst hier wir, ich eigentlich nicht, hatte ich schon mal technische Probleme? Also wenn bei meinem Schlagzeug alle Schrauben festgezogen sind, kann nichts schiefgehen. Am Laptop, der uns hier mit den ultimativen Pianosounds aushelfen soll, da das örtliche Klavier klingt wie das im Saloon eines üblen Westernfilms, geht heute gar nichts. Während Heinz der Bassist (kein Kontrabass, dafür Tontechniker und Bandkoch (also Bratwürste organisieren)) und Christoph der Sänger, Pianist und Cheffspontanumarrangeur sich dem Technoproblem widmen, nehme ich mir jede einzelne Schraube meines Schlagzeugs vor. Dazu gehören auch die Stimmschrauben vom Resonanzfell meiner Bass Drum. Später fragt mich Walther, Big Boss im Hisrch, wozu ich eigentlich mein vorderes Fell stimme, er hätte noch nie einen gesehen, der das tut. Naja, was soll ich sagen...weil ichs kann? Und wenn ich der einzige bin, warum bin ich dann noch nicht berühmt???
Ausgiebige Schnitzelpause! Das tröstet uns über die permanente Sturheit des Laptops hinweg. Das Keyboart klingt auch ohne den akzeptzabel. Und hier haben wir sowieso ein gutes Gefühl bei der Sache, also lehnen wir uns zurück und geniessen. Wir werden noch für die örtliche Kulturzeitung ein wenig auf schwäbisch ausgefragt und dann tröpfeln auch schon die Leute rein. Wir kamen mit null Erwartungen hierher. Und nun sind schon sicher zwanzig Leute hergekommen, die uns offensichtlich wirklich HÖREN WOLLEN, hat nämlich jeder von ihnen satte zehn Euro Eintritt bezahlt um hier drin sein zu können. Meiner Erfahrung nach ist das nicht gerade eine Selbstverstöndlichkeit im Deutschen.
Unsere beiden Sets schmücken den abend dann zu einem gemütlichen und trotzdem mitreissenden Ausflug in Hausers Welt der Poesie. Die Leute lauschen gespannt den Texten und amüsieren sich an den kabarettistischen Einlagen, die bei unserem Trio so selbstverständlich wie spontan sind. Als dann nach dem Konzert ein Gast unsere Texte lobt, vorallem die, in denen das braun, an dem Deutschland besonders zu beissen hat angeprangert wird und uns dann die Geschichte von seinem Vater, der im KZ war erzählt, kriegt Hausers Christoph es mit der Gänsehaut zu tun.
Alles in allem ist das hier ein Erlebnis, das dem Poetrio zeigt, wo es hingehört. Dass wir das am ersten Konzert in Deutschland, nach zahlreichen Gigs in der Schweiz herausfinden, spricht Bände. Darüber und natürlich auch über andere Räubergeschichten wird dann auch noch ausgiebig mit Walther diskutiert, der sich mit Getränkenachschub nicht Lumpen lässt. Ein toller Abend für alle beteiligten und ein langer. Definitiv.
Posted on 10 Feb 2009 by chrz
28.01.2009 parties break hearts @ Altes Wasserwerk Lörrach (D)
Es ist Mittwoch abend, kurz nach 18.00 Uhr, als wir unsere Instrumente in Basel über die Grenze schaffen. Auch wenn die Location, in der wir heute spielen, nur wenige Kilometer nach der Grenze ist, braucht man da andere Netzstecker, die wir nicht dabei haben. Und so ein langes Verlängerungskabel, das bis in die Schweiz reicht, haben wir auch nicht. Na, jedenfalls werden wir heute trotzdem spielen. Im Club werden wohl noch irgendwelche SCHUKO Kabel rumliegen, die unsere Amps mit dem World Wide Web des Stroms verbinden können. Mir jedenfalls ist es eh egal, mich hört man auch ohne Strom.
Die Band aus Österreich, die heute auch noch spielen sollte, hat sich spontan aufgelösst, deswegen sind wir die einzige Band, die heute abend hier rockt. Nett, dass der Veranstalter die Show nicht gerade ganz abgeblasen hat. Uns alleine kennt da draussen ja noch nicht gerade mancher. Aber wir freuen uns, dass wir dafür etwas länger spielen dürfen, wenn auch nur in der Ecke vor der mannshohen Bühne. Könnte einem glatt deprimieren sowas, aber lieber den Club künstlich verkleinern, dann ist weniger Publikum mehr. Und so wird es dann auch. Immerhin besuchen uns an die dreissig Leute und nützen den Platz vor der "Bühne" aus, um sich ordentlich auszutoben. Ausser eine, die sitzt neben der Bühne und pennt. Hat wohl ein äusserst strapaziöses Wochenende hinter sich. Es passiert bei parties break hearts nämlich nicht gerade alle Tage, dass jemand das Konzert im Schlaf überlebt. Aber wir danken auch dieser Spenderin von 1.50 EUR Eintritt für den Beitrag.
Nach dem offensichtlich gelungenen Konzert schwört uns der Veranstalter baldiges wiedersehen und wir machen uns, bewaffnet mit Spezi, auf den Heimweg durch den Dschungel von Blitz und Radar, ungesehen.
Posted on 10 Feb 2009 by chrz
17.01.2009 parties break hearts @ ISC Bern PLATTENTAUFE
1. Darauf haben wir lange gewartet:

a) Plattentaufe
b) Videclippremiere
c) im ISC zu spielen

2. Davon haben wir lange geträumt:

a) Unser Konzert: AUSVERKAUFT

Schon beim Einladen im Übungsraum ist die Euphorie deutlich spürbar. In dieser Band sowieseo, wo jeder immer den Clown spielt. Und beim Soundcheck wächst die Vorfreude noch mehr. Denn wenn du erst einmal dein Drumset anschaust, wenn es im ISC auf der Bühne steht, freust du dich schon ein wenig. Und wenn dir dann noch auffällt, wie delicious der Bühnensound ist... Es kommt selten vor, dass ich, wenn die ganze Mucke lärmt, auf der Bühne noch jede kleinste Vibration meiner Trommeln spüre und die ich ganze Resonanz meines Sets hören kann. normalerweise macht das sofort nur noch hack klepf hack von meinem Instrument, egal wie gut es gestimmt ist, weil aus den Monitoren und den Amps wummert mir die ganze Band gegens Fressbrett und deckt alles zu. Nicht hier. Es ist schön leise und ich kann mir förmlich auswählen, was ich jetzt einen zacken besser hören möchte und so weiter. Ob das meine Kumpels auch so freut? Ja bestimmt. Aber die lassen sich beim Soundcheck etwas ablenken von ihren weiblichen Begleitungen und ihren Digitalkameras und Handykameras. Hehe.
Im Backstage wurde unterdessen ein ordentliches Catering aufgebaut. Nur für uns! Das ist aber nicht das Nachtessen. Das gibts nämlich a la carte im La Nonna. Als wir gegen zehn zurück in den Club kommen stehen da schon zwei von Pierrock, die Vallisser, bei denen ich auch trommle. WAAAAS? IHR HIER? zu diesem Zeitpunkt weiss ich noch nicht, dass ich das heute abend noch einige Male sagen werde. Die Freude wächst.
Nachdem ich mir blöd vorgekommen bin, als ich der Kassendame sagte, sie solle drei Eintritte für Freunde von mir reservieren (denkt der Spinner das wird voll heute oder was?) stelle ich mich an die Bar um unseren Merchandisestand im Auge zu behalten.
Da wird der Club geöffnet und als die Tür aufgeht denke ich, ah da sind sicher die Vallisser, die zu früh da waren. Nein. Die stehen weit hinten in der Schlange, die siech in den Club drängelt. Da kommt ja Volk ohne Ende! Heissahopsassa. Und jeden dritten kenn ich. Mindestens. Es kommen wirklich alle. Musiker, Schüler, Freunde, Bekannte, Unbekannte, JA UNBEKANNTE und ich werde mit jedem Stempel, der einen Eintritt bestätigt nervöser. Ich mache die Runde um zu begrüssen, weiss nicht was sagen, mir bleibt die Spucke weg und ich merke, dass ich damit wohl nicht vor Showtime fertig werde. Zu viele. Es wird Zeit in den Backstage zu gehen, sonst überleb ich das nicht. Mein Magen macht onkologische Saltos und mein Nervositätssypmtom *gähn* meldet sich immer öfter.
Unmittelbar vor unserer Show wird unser erster Videoclip auf der Leinwand hinter der Bühne und auf den zahlreichen, im Club und an der Bar verteilten Monitore gezeigt. Kaum beginnt das Ding, rennen die Leute wie gebissen hoch vor die Bühne. Vom Backstagetörchen erkennt man nicht viel aber die Geräusche lassen vermuten, dass sich da ein ordentliches Grüppchen angesammelt hat. Der Schlusston des Videclips ist unser Zeichen. Wir entern die Bühne. Applaus, oh mein Gott, das ist ja voll hier! Noch selten kam mir ein einstündiges Konzert so kurz vor wie das hier. Und das Publikum tobt. In den ersten Reihen wird gehüpft und getanzt. Endlich haben wir auf der Bühne mal mehr Platz als die im Publikum. Dann ist das Set zu Ende. Wir gehen unter tosendem Beifall von der Bühne und beim Ausgang wartet Dany, unser Booker, mit einer Flasche Sekt und jagt uns wieder reus auf die Bretter. Zugabe und Taufakt müssen noch absolviert werden. Beim Taufakt klettere ich noch hinter dem Drumset hervor, um übers Gesangsmikrofon allen zu danken, die die Platte möglich gemacht haben. Mir fallen genau vier Namen ein. Ich werde nie mehr lachen, wenn die Gewinner bei den Grammys ihre Zettelchen hervorkramen.
Das war sie also die ISC Show. Eingetreten sind hier Punkte 1a) b) c) und 2a) Als ich nach der Show vom Verladen zurück komme und zur Vordertür rein will, steht da AUSVERKAUFT. Und ich erinnere mich, wie ich auch schon vor genau diesem Zettel wieder kehrt machen musste und mir dabei gedacht habe, ich würde jetzt gerne da drin sitzen und spielen.
Wieder im Club drin, wird ordentlich gefeiert. Aber wie das geht, wisst ihr ja.
Posted on 30 Jan 2009 by chrz
15.01.2009 parties break hearts @ KIFF Aarau
Die erste Show im Jahr im KIFF zu spielen ist doch mal ein ganz ordentlicher Start. Dass es Donnerstag ist, Schnee liegt und wir "nur" im kleinen Foyer anstatt im grossen Saal spielen und unser Konzert gratis ist, müssen wir ja nicht jedem erzählen. Aber dass die Band, die weit gereist ist und jetzt oben im Saal vor leerer Hütte spielt, während wir unten immerhin etwa 20 Nasen beschallen, lockert die Verhältnisse wieder etwas auf.
Es ist unsere erste Show, seit ich wieder von meinen Herbst- und Wintertouren mit Cheekbones und Piek zurück bin. Alls ich weg war, spielten parties break hearts mit einem Kumpel von mir einige Gigs. MERCI ENDEL! Wir haben zwar nur einmal geprobt seither, sind aber fit wie eh und je. Die Umgebung im KIFF ist ziemlich professionell und der Sound entsprechend definiert. Wir sehen das ganze als Hauptprobe für unsere Plattentaufe am Samstag, bei der es so richtig zur Sache gehen soll und spielen recht entspannt. Das Publikum nimmt das als sympathisch auf und lässt sich durchaus, den Umständen entsprechend gut motivieren, mit den Hüften zu wackeln. Wenn man gut hinschaut, jedenfalls. Aber die Mischerin hat definitiv Spass an unserem Sound (und hoffentlich am nächsten Tag kein Äckegstabi).
Mit gutem Gefühl und wohlgenährt fahren wir nach dem Konzert und den paar Worten, die wir mit bekannten und unbekannten Konzertbeesuchern und-Veranstaltern gewechselt haben den Katzensprung nach Bern und werden langsam nervös.
Posted on 30 Jan 2009 by chrz
04.12.2008 Zum Falken Weimar
Fünf Stunden Sprühregen und Schneefall. Und mit jeder Flocke fällt auch die Motivation in sich zusammen. Heute wird nämlich unser letzter Auftritt sein, es sei denn es geschieht noch schnell ein Wunder. Die zwei Auftritte, die wir noch hätten, wurden erst abgesagt, weil die Clubs Probleme mit den Behörden haben. Wir und die Veranstalter haben uns darum gekümmert, dass wir Ersatzlocations kriegen und die Gigs trotzdem stattfinden können. Dann in den Ersatzlocations wieder das gleiche Theater. On/Off Booking deluxe. Das nervt gewaltig, vor allem, weils so kurzfristig ist und uns damit auch nette Gagen durch die Lappen gehen. Und dem Tourabschluss in Leipzig, der Stadt aus der Peter kommt, weinen wir natürlich schon die eine oder andere Träne nach. Scheint, als hätten wir auf dieser Tour das Glück nicht gerade mit den Schöpflöffeln gegessen. Aber was solls. Wir haben uns wacker gehalten bis hierher, gingen durch dick und sehr dünn und erlebten, was man bei den Pfadfindern nicht bekommt. So und bevor ich jetzt sentimental werde, erzähl ich euch vom Falken und dem Mann, der drin sitzt:
Das Lokal ist eine Kneipe irgendwo in Ostdeutschland. Wir spielen in einer Ecke, vor einer Wand die tapeziert ist mit Postern von vergangenen Konzerten. Da steht auch der Name Bernhard Eder. Oi Mate! Es hat eine rudimentäre Verstärkeranlage und ein total verstimmtes Klavier, das mit Sprüchen von Bands, die schon hier gespielt haben, vollgetagt ist. Nettes Personal und ein Gerücht, dass es hier immer rund zugeht sind auch vorhanden. Alles schön, also machen wir uns an die Arbeit. Den Soundcheck verfolgen schon einige Gäste mit, unter anderem ein alter Mann Namens ZZTop. Sein Name erklärt treffend sein Aussehen oder umgekehrt und ich hab auch seine Telefonnummer! Er tritt im Falken nämlich auch auf. Regelmässig! Und er sucht einen Schlagzeuger. Seiner hat hier ein Jahr Hausverbot, wegen Prügelei, üble Sache. Und er macht so AC/DC, die alten Sachen, du weisst schon. Er demonstriert mir auch luftgitarrenmässig sein Leadgitarrentempo und bietet mir nach dem Konzert an, in seiner Band spelen zu dürfen. Der Barkeeper hier würde auch Schlagzeug spielen, will aber nicht bei ihm einsteigen, weil er schon in fünf Bands spielt.Hmm, geht mir ähnlich. Und abgesehen davon steig ich doch nicht in eine Band ein, die achthundert Kilometer von mir zu Hause wohnt... Wenn also jemand den Job will, wie gesagt, ich hab die Telefonnummer. Aber nur Festnetz.
Das ist also der Mann im Falken, der auch irgend was von nem Falken hat.
Das Konzert verläuft erst eher durchschnittlich. Sie demotiviertheit muss sich erst noch in wir spielen ums letzte Hemd umwandeln. Break-even beim dritten Song, weil ich irgend ein Break derart überstrapaziere, dass Peter die Spucke wegbleibt und ihm ein Lacher in die Quere kommt, als eigentlich die Strophe dran wäre. Das Herz der Band flammt nochmal gehörig auf. Das Publikum hat bestimmt einige Fragezeichen wegen unserem kuriosen Verhalten und der, für Aussenstehende wohl langsam nicht mehr im Geringsten nachvollziehbaren Art, uns untereinander auf der Bühne zu verständigen. Doch gegen Ende des Sets schwappt die Stimmung doch noch auf das eher kritische Publikum (Kunsststudenten, Rocknrollpolizei und so) über. Gut gemacht. Wir Pfeffern ihnen unsere Zugaben um die ohren. In der Ballade, Peopole we aren´t free enough, die den Zugabenblock eröffnet, drücken wir ab wie noch nie. Jeder Snareschlag (muss hier übrigens übelst layed back gespielt werden) sitzt dermassen, dass ich bei jedem Schlag 10 cm über dem Hocker schwebe. What about the ladies ist danach dann noch sozusagen die Supernova dieser Tour.
Und schon sind die knapp 5 Wochen, die wir zusammen erlebt haben fast vorbei. Jetzt liegt nur noch die Heimreise vor uns. Die muss aber erst einmal neu organisiert werden, da die Tour ja früher zu Ende ist als geplant. www.mitfahrgelegenheit.de
Es war wirklich eine sehr tolle Zeit und ich freue mich nicht nur aufs Heimkehren, sondern auch auf den Stolz, den ich verspüren werde, wenn ich übers Grauholz fahre, die Lichter von Bern sehe und daran denke, welchen Reichtum an Erfahrungen ich mir auf dieser Reise wieder ins Gepäck geladen habe.
Posted on 05 Dec 2008 by chrz
03.12.2008 Kulturrampe Krefeld
Die Kulturrampe in Krefeld ist gut versteckt. Peter hat zwar hier schon gespielt und unser Navigationssystem war noch nie unzuverlässig, doch eine Punktlandung gelingt uns trotz dem nicht. Aber wir sind ja zur abwechslung mal nicht zu spät dran, denn die Fahrt von Köln hier her war ein Katzensprung.
Das Gebäude in dem wir spielen, ist eine ehemalige LKW Verladerampe, die zu einem schönen Konzertlokal rausgeputzt wurde. Es gibt Kafee und Schoggi zur Begrüssung und gesundes vegetarisches Essen, nachdem beim Soundcheck unsere Ohren mit ein paar massiven Feedbackpiepstössen wieder mal so richtig durchgeputzt wurden.
Vor uns wird heute abend eine Band aus Sollingen spielen, die sich Blackberries nennt und sich darüber beschwert, dass ihr Name auf den Flyern falsch geschrieben sei. Das ist aber nicht das einzige Problem, dass die vier Jungs, die schätzungsweise knapp zwanzig Jahre auf dem Buckel tragen, beim Soundcheck haben. Um halb acht muss dieser nämlich beendet sein und ihr Schlagzeuger hat sich erst auf acht Uhr angekündigt. Da der Schlagzeuger aber sein Equipment den Jungs mitgegeben hat und sich sein Setup von meinem praktisch gar nicht unterscheidet (beachtlich: selten eine Band in diesem Alter gesehen, die schon einen derart ausgebildeten Geschmack an Equipment hat, siehe Fender Ausrüstung der Seitenschrummler), kann ihn beim Souncheck auch gut jemand ersetzen. Peter Piek himself reisst sich förmlich darum und heizt den Jungs ein. Lucka und ich amüsieren uns prächtig und als die Band nach dem Soundcheck Peter fragt, ob man da hinten denn auch genug höre, schreien wir, "der ist sowieso taub". Gelächter unter den Freundinnen der Vorband. Ja, das waren noch Zeiten, in denen unsere Freundinnen beim Soundcheck auch dabei waren.
Backstage ist also die Stimmung gut und die Blackberries verpassen, vor lauter Sprüche klopfen mit uns, fast ihren Auftritt. Als sie sich dann doch auf den Weg zur Bühne machen, sehen wir zu, dass wir den Zuschauerraum noch etwas voller aussehen lassen. Unsere Anwesenheit vor der Bühne vegrössert die Audienz um ca 15%. Lucka und ich überlegen uns gerade, wie wir uns denn heute auf der Bühne vorstellen wollen. Wieder mal Peter Piek and the innocent emos? Ich schaue so beiläufig durch die Reihen, während ich einen Schluck trinke, da fällt mein Blick auf etwas kauzig aufgetakeltes, mit Unterlippenseitenpiercing, in Röhrli Jeans und Converse Latschen. Drei originale Emo Chicks, wie sie im Buche stehen! Sogleich überfällt mich ein Lacher, der natürlich voll auf der Fahrbahn des aktuell angesetzten Schlucks entgegen kommt. Frontalkollision im Rachen, das wulstend sprudelnde Geräusch, dass sich nicht mehr vermeiden lässt, zieht die Aufmerksamkeit der um mich stehenden Leute auf mich. Hat da eben jemand gelacht? Ich? Nein... weswegen denn? Zum Glück fängt endlich die Band an! Dann haben die Leute was anderes anzuglotzen als mich. Das halbe Set der Band ziehe ich mir rein, dann gehe ich mich aufwärmen.
Als wir dann den ersten Song spielen, trennt sich die Spreu vom Weizen. Alle die wissen, was Jimmy Hendrix ist, bleiben da und finden uns toll, der Rest rümpft die Nase und geht. Peter Piek and the inoncent Emos also.
Im Publikum steht auch diejenige, die uns heute ihr Gästezimmer anbietet und Peter schon kennt. Lange Geschichte. Sie hat glaubs ein Musiklabel und scheint sich auszukennen. Damals, als sie Peter mit der Akustikklampfe gesehen hat, war Lucka auch mit der Akkustikklampfe da und hat seine Songs gespielt. Heute spielt er bei Peter Bass und sie meint, sie sei gespannt, ob er das kann. Lucka murmelt: "pff, was will die, ich hab das studiert". Als wir von der Bühne kommen ist sie dann auch baff. Wir haben uns schliesslich extra Mühe gegeben. Aber nicht unbedingt wegen ihr, sondern weil wir uns heute die Aufnahme vom letzten Konzert angehört haben. Uiuiui. Wie vom Schnellzug verfolgt hat das geklungen. Deswegen gingen wir heute alles etwas lockerer an, um der Präzision etwas nachzuhelfen.
Nach langem Philosophierendem mit dem Clubbsitzer, über den Niedergang der Konzertclubs auf Grund sich beschwerenden Nachbarn, begeben wir uns dann zum Haus der Frau mit den Connections und reden da noch die halbe Nacht (interessiert euch bestimmt nicht: Musikerklatsch), während sie ihren Hund erzieht, diesen Spacko! Immerhin ist hier unser Equipment sicher. Am Morgen beim Frühstück erscheint ihr Partner, den man für den Bruder eines Schlagzeuglehrers, den ich mal hate, halten könnte. Der schiebt dann die CD seiner Band rein. Die heissen Studio Grande und Bands wie Silbermond und Konsorten könnten hier noch was lernen, wie ich finde.
Posted on 05 Dec 2008 by chrz
02.12.2008 MTC Köln
Köln ist eine schöne Stadt. Doch die Live-Kultur ist etwas fragwürdig. Hier zahlt man nämlich überall, um spielen zu können. Einmal auf der Tour kann man sich das ja erlauben. Köln macht sich ja gut im Tourkallender. Und wir haben Unterstützung von Flanger aus Bonn und Ebbel aus Köln, die dafür gesorgt haben, dass wir genug Publikum haben. Somit wäre die Miete für den Club auch schon bezahlt. Doch der Mischer will auch noch 30 Euro und als ich mir ein Bier aus dem Backstage Kühlschrank nehme, hab ich so ein mulmiges Gefühl. Aber auch unter diesen Vorzeichen ist es möglich, dass sich der Abend durchaus sehen lassen kann.
Nach dem wir uns beim kostengünstigsten Inder der Stadt verpflegt haben, kreuzen wir im MTC auf, wo gerade auch die Musiker der anderen Bands reintröpfeln. Ich stelle mein Schlagzeug auf die Bühne und der Schlagzeuger von Ebbel meint, na da haben wir wohl den selben Geschmack. Später bestätigt sich meine, auf diese Äusserung getützte Vermutung, dass nach vier Wochen endlich mal eine Band mit uns spielt, die uns auch gefällt. Ebbel legen eine grossartige Eröffnung des Abends hin, das zahlreich erschienene Publikum, das hauptsächlich wegen Flanger da ist, kommt schnell in Höchstform. Neidisch sehe ich nach der Darbietung zu, wie der Ebbeldrummer seinen Schlagzeugstuhl wegräumt. Er hat genau den selben, den ich vor der Gibsyattacke in Milano jahrelang besass. A propos Gipsies: Flanger haben Gitarre, Akkordeon und Violine am Start. Das klingt verdächtig nach Zigeunermusik. Aber sie heizen auch ohne Bass und Schlagzeug ganz ordentlich ein. Dass eine Band überhaupt ohne Bass und Schlagzeug spielen kann verwundert den Bassisten von Ebbel, in dessen musikalischer Biografie es auffällige Parallelen zu meiner gibt und mich sehr. Der Mann ist aus Hamburg und er ist bei weitem nicht der einzige coole Typ, den wir hier kennenlernen. Die Kontakte, die wir hier knüpfen, machen die nicht vorhandene Gage wohl längst wett.
Dann ist es endlich an der Zeit, dass wir den Kölnern ordentlich einen vors Fressbrett rocken. Das warten auf den Auftritt kommt mir mittlerweile immer länger vor. Um so mehr muss ich es geniessen, wenn die einzige Stunde des Tages, in der ich zur Zeit Musik machen kann, da ist. Heute spielen wir irgendwie alles einen Zacken zu schnell. Liegt es wohl daran, dass uns um Mitternacht der 30 Euro Mischer den Saft abdreht? Peter hat heute anscheinend auch keine Lust nach Programm zu arbeiten, so wie er den Ablauf des Sets durcheinander wirft. Macht nichts, denn er wählt die Songs der brodelnden Stimmung entsprechend. Im Gegenlicht der Scheinwerfer sehen wir gar nicht, wie viel Publikum noch da ist, doch die Welle des Beifalls, die jedes Ende eines Songs überfährt, ist gewaltig. Köln macht dem einzigen Publikum, das wir in Italien je hatten und das die Messlatte in Sachen Tanzen, Applaus und Stimmung verdammt hoch gesetzt hat, gefährlich Konkurrenz.
Schon bei Peawee Princes, einem Song, der aus zwei sehr leisen Teilen, die Peter alleine spielt, einer Strophe mit leiser Bandbegleitung und einem mitreissenden Soloteil besteht, brechen gewisse Konzertbesucher imitten im Song in Begeisterungsstürme aus. Unser "letzter Song", Underwater Death Song gelingt vorzüglich, sie tanzen und schreien und Peter quält mich wieder mal sehr lange mit seinem Soloteil, bei dem er auf dem Piano minutenlang Achtel bei hoher Geschwindigkeit (Viertel = 200 Schläge die Minute). Das ich das auf der Hi Hat mitmachen muss und es davor fünf und danach noch mindestens zwei Minuten ebenfalls tun muss, kümmert ihn ja wenig. Er kann, nach dem er die Tastenausgeklopft hat und wahrscheinlich auch nicht mehr klopfen kann (weil Kondition = Ende), seelenruhig vom Piano aufstehen, seine Gitarre nehmen und stimmen, während Lucka in diesem Tempo ein Basssolo zu meinem fastforward Beat spielt. Dann lässt er uns ein wenig feiern, ich mach ein tosendes Fill und dann raspelt er sich auf der Gitarre noch einen ab. So komme ich schon recht ins schwitzen. Aber ich will mich ja nicht beklagen. Warum? Weil ichs kann. Und womit? mit Recht.
ZUGABEE ZUUGAABEEE.
Jaja. What about the Ladies?
ZUUGAABEE ZUUUUUGAAAABEEEE
Peopole, we aren´t free enough.
Und dann ist es zwölf. Der Club ist so schnell leer, wie er voll wurde, weil peopole aren´t free enough, müssen den letzten Zug kriegen (fährt drei nach zwölf, sind wir hier in der Schweiz oder was?) und müssen morgen arbeiten. Zurück bleiben wir mit einer Hand voll Euro aus CD Verkäufen und dem Gefühl den Job richtig gemacht zu haben. Job.ist das nicht das, bei dem man Geld verdient?
Posted on 03 Dec 2008 by chrz
29.11.2008 Rockbühne Goch
Auf unserem Zickzackturn zwischen Ost und West landen wir heute in Goch. 30´000 Menschen sollen hier leben, hier, wo schon Holländische Käffer ausgeschildert sind. Das Personal der Kneipe, in der wir spielen ist total nett und kennt sich aus: Mein Peawees T-Shirt wird sofort mit einer tollen Band aus Italien assoziiert. 100 Punkte für den Herrn, der mich auslacht, als ich beim Aufbauen das zweite Mal in Folge fast von meinem Drumhocker falle. Ey: Ich habe hier mit Platzproblemen zu kämpfen! Die Bühne ist nach vorne sehr schmal und ich möchte nicht zu viel Platz beanspruchen, nach dem ich gestern gesehen habe, was die beiden Jungs da für eine Action drauf haben. Deswegen steht jetzt mein Drumhocker auf dem Fensterbrett, der Tiegerstoffvorhang baumelt mir andauernd vors Fressbrett und die Sitzfläche ist etwas instabil. Kommt dazu, dass mein richtiger Hocker weich, flauschig und breit wäre und wahrscheinlich immer noch ein Gipsywohnzimmer ziert. Das Ersatzding hier ist klein, wacklig und rutschig. Mein Allerwertester ist im Umgang damit noch nicht so geübt.
Hier warten wir wieder mal viel länger auf das Publikum, das sich offensichtlich nicht mal am Samstag zu uns verirren will. Zwischenzeitlich finden wir im Backstage, der eigentlich eine Kogelbahn ist einen uralten, tollen Gitarrenverstärker, der Peters volle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Irgendwann akzeptieren wir dann, dass das Warten nichts bringt und wir beginnen die Show. Die Bar ist zwar viel zu gross für so wenig Leute und alle, die da sind sagen, so wenig Publikum hätte es hier noch nie gehabt. Danke für die Aufmunterung! Aber das vergessen wir schnell wieder, als wir merken, wie sehr sich die Leute über dieses Privatkonzert freuen. Wir verschiessen sämtliches Pulver bis zum bitteren Ende und dürfen danach einmal mehr die Edding Stifte zücken und CDs und Poster signieren.
Jetzt fängt der Film erst an: Unser Schlafplatz befindet sich nämlich in einem Gebäude ausserhalb des Ortes. Das Gebäude gehört zu einer geschlossenen Anstalt der Psychiatrie. Mitten in der Nacht erkunden wir die vielen, leeren Räume, die heute als Laboratorien für Künstler dienen. Dass hier vor langer Zeit aber mal irgendwelche Psychos eingesperrt waren, spürt man noch ziemlich deutlich. Wir kommen uns vor wie die Akteure eines schlechten Horrorfilms, in dem irgendwelche Halbwüchsige nachts genau so einen Ort aufsuchen, um ihren Freundinnen einen Schrecken einzujagen und dann im Morgengrauen irgendwo geschlachtet werden, wenn der böse Geist des Hauses aus Spass Ernst macht. Alle Details stimmen mit den Filmen überein, nur dass unsere Freundinnen nicht da sind. Einerseits gut, weil wir dafür am anderen morgen noch frühstücken können und nicht selbst das Frühstück irgendwelcher Kettensägenmonster sind. Andererseits, passiert das nur im Film, Sehnsucht gibts wirklich.
Posted on 01 Dec 2008 by chrz
28.11.2008 Moritzbastei Leipzig
Moritzbastei, was für eine coole Location. Aber der Name des Events? Festival der unbekannten Bands. Hallo??? öhm, schreibt doch gleich aufs Plakat "bleibt zu Hause". Ich sage jetzt nichts aber das stinkt nach Subventionen, denn wir kriegen hier ne ordentliche Fixgage.
Bleibt zu hoffen, dass unsere Plakataktion für diesen Gig wenigstens noch etwas gebracht hat. Das Programm der Veranstaltung ist auch nicht ganz zu unseren Gunsten gestaltet. Wir spielen als zweite von sieben Bands auf zwei Bühnen. Das heisst, auf unserer Bühne sind wir die erste Band. Doch unsere Bühne ist die grössere und beim Soundcheck, bei dem ich das Schlagzeug der anderen Drummer schön wegputzen lasse und mein kleines Baby hinstelle, wird klar, hier kann ordentlich gekloppt werden. Yeah.
Zehn Minuten nach dem Soundcheck müssen wir auch schon anfangen. Eine Tatsache, die nur ich wirklich mitbekomme. Lucka quatscht irgendwo mit einem Kumpel und glaubt mir nicht wirklich, als ich sage "hey anfangen". und Peter... wo ist eigentlich Peter??? auf der Bühne werden wir gerade angesagt! Lucka versucht Peter aufzutreiben, erfolglos. Ich stehe derweil beim Bühneneingang, bereit, irgenwas zu unternehmen, damit der ganze Schlamassel nicht all zu sehr auffällt. Unser Konzert beginnt immer mit einem Schlagzeugintro, dass sich mit Quatschunterbrüchen von Lucka gut in die Länge ziehen lässt. So geschiehts dann auch in Leipzsch. Gerade als Lucka nichts mehr einfällt und er mich etwas ratlos ankuckt, rennt ein grosser Mann mit Wintermantel und Mütze durchs Publikum zur Bühne. Endlich! Peter kommt auf die Bühne und meint, "hallo, ich hörte ich soll hier spielen". Intern gibt das aber einen Punkt Abzug, wegen zu spätem erscheinen am eigenen Konzert!
Wieder aller Erwartungen stehen doch auch schon ein paar Leute rum, die uns gerne zuhören. Und auf der Bühne hat es sowas von Platz! Hinter dem Schlagzeug hat es mindestens zwei Meter. Da kann ich zwischan den Songs auch etwas spazieren gehen. Lucka und Peter liefern sich ein ordentliches Battle an Stagemooves. Am Ende der Show sind ihre Kabel total verknotet.
Das Set musste für diese Show zwar gekürzt werden, da man auf einem Festival nur eine Stunde spielen darf, trotzdem hauen wir Zugaben raus.
Ein Musiker, der das Konzert mitverfolgt hat, sagt, wir hätten eine Energie gehabt wie die Smashing Pumpkins in früheren Zeiten. Das schmeichelt der Tourseele. Doch noch ein erfolgreicher Abend geworden hier. Das weitere Programm beeindruckt uns allerdings nicht so und wir machen uns vom Acker, denn auch der Bierkasten im Backstge wurde von den kräftigen Schwermetallern leergetrunken. angry
Posted on 01 Dec 2008 by chrz
27.11.2008 Werkstatt Witten
Mein Mitbewohner Beni sagt immer, subventionierte Läden sollte man sprengen. Wie recht er hat. Die dürfen nämlich keinen Umsatz machen, sonst kriegen die nächstes Jahr nicht mehr so viel Kohle von der Stadt. Und deswegen können da unbekannte Bands auch spielen. Macht nichts wenn keiner kommt. Alles klar?
Aber hey! Wir haben einen Bassisten, der kommt hier aus der Gegend und stellt das Publikum. Das gibt einen Punkt auf der Liste des Weges zum Alles! Und wenn wir schon daran sind, Punkte zu vergeben, kriegt er auch noch gerade einen für seine Freundin, die er uns heute endlich mal vorstellt. Das gibt dann auch gleich noch einen Bandpunkt für die Band mit den gutaussehendsden Freundinnen.
Der Laden hier ist eigentlich ganz cool. Es ist wie ein einem Dorf aus kleinen Clubs und Restaurants, das in einer riesen Lagerhalle steht. Die Vorband ist zwar wiedermal etwas übermotiviert ausgerüstet, kann aber wirklich nicht übel spielen. Also hören wir sie uns an. Sie allerdings, verschwinden sofort nach dem Auftritt. Die haben wohl Probleme mit kleinem Publikum. Wir gar nicht. Wir schmettern denen ein übelst motiviertes Set um die Ohren. Das begeistert sogar Punks und Deathmetalfans. Yoo, und da Lucka seine Freundin jetzt für ein paar Stunden wieder sieht, sind Peter und ich diese Nacht wohl nur zu zweit zu Gast bei der Übernachtungsmöglichkeit, die uns via Couchsurfing.com vom Booker organisiert wurde.
Das Päärchen, bei dem wir pennen dürfen, Jana (Maskenbildnerin, hätte noch zwei Kunstglatzen zu Hause, falls wir morgen Lucka erschrecken wollen) und Timo (studiert Medizin, hat aber kein Skelett in unserem temporären Schlafzimmer stehen, uff), wohnt direkt gegenüber eines Irish Pubs, in dem Timo auch arbeitet. Da geniessen wir natürlich noch ein Guinness, bevor wir uns in die schöne Altbauwohnung führen lassen. Kaum da angekommen kritisiert Peter natürlich als erstes mal die Kunst, die da an den Wänden hängt. Das geht leicht ins Auge, denn die Bilder hat Jana selbst gemalt. Aber da wir uns alle gut verstehen, kriegen wir diesen Ausrutscher gleich wieder bei Tee und Schnitte hin. Gute Nacht.
Nach dem morgens Timo und Jana sich den "ausgibeigstes Tourfrühstück Award" gesichert haben, übergeben wir ihnen eine Peter Piek CD und Postkarten, auf denen Peters Kunst zu sehen ist, als Dankeschön. Jetzt könnte Jana den Spiess umdrehen, tut sie aber nicht.
Posted on 01 Dec 2008 by chrz
26.11.2008 Weltecho Chemnitz
Chemnitz liegt 100 Km südlich von Leipzig. Von dem Katzensprung da hin lassen wir uns nicht beeindrucken und nehmen am frühen Nachmittag in Leipzig mal eben noch einen Song auf. Dann heisst es: Wir müssen los machen. Sagt man hier so, wenn man aufbrechen muss. Nach drei Tagen eisiges Leipzig mit Plakaten zupflastern, Schnee, Sprühregen und Einnachten um 17 Uhr wird es höchste Zeit wieder Gigs zu spielen. Ui, in Chemnitz? In meinem Reiseführer längst als verlassene Stadt der untoten bekannt... Aber wir spielen im Weltecho! Besser kann man es da nicht treffen, toller Laden. Und da wurde auch wirklich ordentlich Werbung gemacht. Mittwoch sei auch der Tag, an dem hier was läuft und es ist Peters Heimatstadt. Warum sagt dann Peter mitten im Konzert "es ist total Scheisse hier zu spielen"? Kein Mensch da, ausser der Vorband und einer Hand voll Zahlender. Totenstille. Chemnitz macht seinem Ruf bei mir alle Ehre. Mehr gibts zu diesem abend eigntlich nicht zu sagen. Doch, etwas noch: Die Asiapfanne, die wir um 01.00 Uhr nachts bei Peters Mutter zu Hause verzehren. Schliesslich soll man das Highlight des Abends nicht unerwähnt lassen.
Posted on 01 Dec 2008 by chrz
22.11.2008 Hog Bar Golling
Der erste Schnee in Österreich fällt ausgiebig, während wir die 300 Kilometer von Wien nach Golling fahren. Dem entsprechend spät kommen wir im verschneiten 4000 Seeln Dorf an. Da hat es eine Rock Bar namens Hog Bar, in der wir spielen. Die Vorband hat sich bereits installiert und heisst uns freundlich willkommen. Das Angebot, ihre Verstärker und ihr Schlagzeug zu benützen lehnen wir dankend ab. Das Schlagzeug ist zwar schön aber viel zu gross. Des öftern wundere ich mich auf dieser Tour über andere Schlagzeuger. Immer viel rumstehen haben aber dass man für den Sound, den man macht auch die richtigen Felle aufspannen kann etc., scheint in den Musikinstrumentenkatologen, in denen man für Geld fast alles kriegt, noch nicht durchgedrungen zu sein.
So gegen Mitternacht dürfen wir dann unser Equipment auf die Bühne stellen. So sieht es da ja schon viel aufgeräumter aus. Von den 4000 Seelen sind 3975 wo anders. Aber die, die hier sind, machen einen ordentlichen Radau. Und sie lassen sich beinahe zum Tanz motivieren. Na ja. Ein besoffener Wiener, der gestern etwas von Österreichern mit Stock im Hintern brabbelte, hatte wohl nicht ganz unrecht. Wir nehmen es den Leuten hier auch nicht übel. Dürfen wir gar nicht, bei diesem Quatsch der zwischen den Liedern wieder aus unsern Futterluken sickert.
Gegen Ende des Sets werden uns plötzlich Whiskeys auf die Bühne spendiert. Wie gut nur, dass wir hier ein Hotelzimmer für die Übernachtung haben. Aber bevor wir da hingehen verhökern wir den Gollingern noch den hintersten und letzten Fanartikel, der noch übrig ist nach dem Italoraub zum Wucherpreis (den die Käufer übrigens selbst bestimmten) und signieren Fanposter fürs Kinderzimmer.
Am nächsten Morgen kommen wir auf unsere Verabredung zum Frühstück mit einem der Organisatoren und seinen Freunden zurück. Vor der lanngen Fahrt nach Leipzig muss schliesslich der Bauch gestopft werden. und wir landen wo? Bei McDonads. Das darf doch nicht wahr sein.
Posted on 01 Dec 2008 by chrz
21.11.08 Cafe Carina Wien
Cafe Concerto, Cafe Carina, klingt fast gleich. ist auch nur gleich über die Strasse. Kürzester Anfahrtsweg ever. Es bringt gar nichts, dafür das Auto zu nehmen. Wir brauchen das Equipment nur über den Fussgängerstreifen tragen. Aber immer schön warten bis grün ist.
Das Carina ist in einem Gewölbe unter dem Bahndamm am "Gürtel". Hier dürfen wir wieder etwas lauter spielen, wenn noch nicht ganz so laut, wie wir eigentlich möchten. Aber es wird schon rocken hier. Zwischen Souncheck und Gig gehen wir zu einem echten Türken im Türkenviertel essen. Scheinbar hat sich während unserem Soundcheck draussen ein übler Autounfall ereignet. Waren wir denn soo laut? Ah nein, mein Mikro war wieder nicht schön eingestellt, das hat wohl dem Fahrer die Zehennägel nach hintengerollt...
Zum Konzert erscheinen dann die Hand voll Freunde, die wir uns hier in Wien die Tage gemacht haben und eine stattliche Anzahl unbekannter Ignoranten, die wir mit unserer Show dann doch zu Zuhörern erziehen können. Die neue Ansagetechnik funktioniert auch: Der nächste Song geht um In Your Eyes und heisst In Your Eyes. Beim dritten Mal finden es die Wiener witzig und als wir dann While The Sun Is Burning Away als Ballade ankünden, haben wir die Wiener im Sack (Wer das jetzt nicht versteht kann sich auf www.myspace.com/ppiek den Song mal anhören..). Die Siebenminutentanznummer Underwather Death Song, den wir als Promosong für die Tauchindustrie ansagen und den wir immer als Zugabenprovozierer einsetzen, gelingt auch vorzüglich. Wir geben ihnen mehr. Und dann schreien sie sich erneut die Kehlen wund, um uns noch mehr Songs zu entlocken. Tja, da müssen die Wiener aber schon früher aufstehen und nicht die erste Hälfte des Sets verpennen... Unseren neusten Hit "Baby, Youre Gonna Be My Baby", der als First Take von Peter Piek, Bernhard Eder (Google NOW!) und Mister Tambourine auf Peters Handy bereits die Klingeltoncharts stürmt, behalten wir schön für uns. Wir können morgen auch noch berühmt werden damit.
Posted on 22 Nov 2008 by chrz
19.11.08 Cafe Concerto Wien
Wir kommen in Wien an. Pünktlich wie eine Schweizeruhr. Doch wo parken? zum Ausladen mal eben gleich mitten auf dem Bürgersteig vor dem Club. Schon kommt ein junger Mann an und ruft was von "jo was parkst den hier, habts überhaut ä Parkschein oda solli di gläi oafschreibn". Ich kuck in verdutzt an, denn er hat keine Polizeiuniform sondern lange Haare und seine Freundin dabei, die über schätze mal vier Haarfarben gleichzeitig verfügt. Das sind Marco und Sophie, die uns die Tage in Wien beherbergen und betreuen und auch die Konzerte hier für uns organisiert haben. Während alle beteiligten unseren Krempel in den schönen Kellergewölbeclub schaffen, gehe ich mal eben parken, was einen Zeitaufwand von 40 Minuten in Anspruch nimmt. Ich parke schliesslich hundert Meter neben dem Club, nachdem ich den ganzen Bezirk nach einer freien Parklücke infiltriert habe. Dafür kenne ich jetzt jede Einbahnstrasse und jede Garageneinfahrt, die eben kein Parkplatz ist aber so tut.
Beim Soundcheck ein kleines Problem: Der Amp, den Peter von Philipp Swiss Cheekbone ausgeliehn hat, hat einen Schweizer Stecker und das Kabel ist fest montiert, so dass man nicht einfach ein EU Kaltgerätekabel nehmen kann. Man muss entweder mit einem Steckeradapter, den wir dummerweise nicht haben arbeiten oder den Stecker wechseln. Was ich wieder für Sprüche über mich ergehen lassen muss, von wegen wir Eidgenossen sollen uns endlich der EU anpassen und Schengen und blabla. Derweil versuche ich Peters Leben zu retten, in dem ich allen ausrede auf den Vorschlag von Sophies Vater zu hören, der da lautet: Einfach den Erdungsstift am Schweizer Stecker abmontieren, das paassst scho. Wollt ihr Peter mit aufgestelltem Krausehaar oder so wie auf dem Poster fönfrisiert?! Heinz der Clubbesitzer lösst dann zum Glück die Sache geschickt mit Elektrowerkzeug und EU Stecker.
Beim Soundcheck sind wir dann natürlich viel zu Laut. Heinz rennt kopfschüttelnd mit einem Dezibelmessgerät rum und versucht uns unter die 95 Dezibel zu dressieren. Wozu bitte sehr habts a Rockband engagiert? Und unter 96 dB stelle ich mein Schlagzeug gar nicht erst auf, normalerweise. Aber weil hier trotz allem alle sehr nett sind, nehme ich halt die Holzbesen und Spiel den Gig so leise es geht. Wir sind so leise wie noch nie und glaubs auch so lustig wie noch nie. Lucka läuft zur Höchstform auf und bringt neben seinem extreme-Publikum-zum-Mitmachen-animiering sogar die Diktatorimitationsnummer "der döööitsche Tooonraum muss bis auf die letzte vieeeerundsechzigstelnote verrrrteeeeidigt weeeerden". Ja ja ab heute wird zurückgerockt. Beim letzten Song zücke ich dann doch noch die richtigen Sticks, gebe den Jungs ein zeichen, sie sollen mal eben die Amps lauter machen. Heinz wird automatisch feucht auf der Stirn. Aktion = Reaktion. Schlussendlich sind dann doch alle begeistert.
Und die Welt ist ein Dorf! Hab ich das schon mal erwähnt. Ja aber ihr habt es nicht lesen können, weil der Eintrag, in dem das steht, ist in der Gewalt der Gipsies. Egal, heute wurde mir diese Tatsache schon wieder vor Augen geführt. Also Leute, wenn mir sowas auf der Tour noch mal vorkommt, erzähl ichs euch... gute Nacht.
Posted on 21 Nov 2008 by chrz
18.11.08 DANKE Bern
Wir möchten uns 1000 Mal bei allen bedanken, die an unser spontanes Konzert im Berner Übungsraum gekommen sind! Wir hatten grossen Spass, ihr hoffentlich auch. Dank euren Spenden und eurer Kauflust an unseren Merchandiseretposten, hat sich die, dank den Gipsies angeschlagene Spritkasse wieder erholt und wir konnten uns auf dem Weg nach Wien in München allen noch fehlenden Musikerschnickschnack kaufen, den wir uns nicht von Freunden ausleihen konnten. Danke auch auch an Heinz und Winti Philipp, dass uns eure Amps auf der Tour weiterhin mit Bass- und Gitarrenverstärkung versorgen. Ohne die Hilfe von euch allen hätten wir die Tour abblasen können. Aber als Musiker darf man nie aufgeben, hörst du?
Posted on 21 Nov 2008 by chrz
LAST CHANCE HONEY* Peter Pieks Robbed by Maia Show in Bern!
Unser Pech ist euer Glueck. Wir spielen morgen Montag 17.11.08 abend in Bern. Ganz Privat, nur fuer euch und alle die ihr mitbringt! Aber alles der Reihe nach:
Die Konzerte in Schaffhausen und Biel waeren ja eigentlich unsere einzigen in der Schweiz gewesen. Aber auf so einer Strolchtour passiert halt schon mal was aussergewoehnliches:
In Milano wurden wir also am helllichten Tag ausgeraubt. In einer Nacht und Nebel Aktion konnten wir zwar die geklauten Schlagzeugteile wieder zuruek erobern, nicht aber den Gitarrenverstaerker, Bassverstaerker, Kabel und mein Notebook. Um die Tour noch fortsetzen zu koennen muessen wir jetzt den Weg nach Wien ueber Bern fahren, wo wir uns mit dem noetigsten aufruesten werden. Da wir nicht tatenlos rumsitzen und uns bemitleiden wollen, moechten wir ein Konzert geben. fuer euch. Ihr kriegt also das was die Italiener am Samstag und Sonntag abend dank der Gipsy Mafia verpasst haben. Aber ich sage euch eins. Am Freitag abend haben uns die Italiener am Konzert gezeigt, was sie drauf haben. Zieht euch also warm an, eh nein lieber nicht, denn es wird schon warm werden.

KONZERT MONTAG 17.11.08 20 Uhr PARKING CITY WEST EINGANG SEILERSTRASSE 6 U1
EINTRITT Fr. 5.--
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Posted on 16 Nov 2008 by chrz
15.11.08 irgedwo in Milano
Ich würde euch ja anz gerne hier von den letzten beiden Konzerten berichten. Das Problem ist, dass diese Tagebucheinträge noch auf meinem Laptop gespeichert sind. Den Laptop hat jetzt diejenige arme Seele, die uns heute Nachmittag in Mailand das Auto ausgeräumt hat. Am helllichten Tag, mitten in einem Wohnquartier und wir haben sogar mit Leuten gesprochen die zugeschaut haben, wie irgendwelche Idioten zu Fuss (!) Gitarrenverstärker, Bassverstärker, Bassdrum und so weiter abtransportiert haben. Weit kann das also nicht sein. Mafia? Gipszy Peopole? Tja, wenn irgend jemand das Zeugs auf EBAY sieht, kaufen!!! Und wir? Ja, das wissen wir auch nicht. Krisensitzung bei Pasta anstatt Spontangig in Milano, den wir eigentlich heute hätten geben können. Aber eins steht fest wir geben uns hier nicht einfach so geschlagen...
Posted on 15 Nov 2008 by chrz
08.11.08 Schäferei Schaffhausen
Ich will ja nicht meckern, aber die Nudeln schmecken vorzöglich. Trotzdem kommt der Koch höchstpersönlich und bringt ersatzweise Reis, die Nudeln seien nicht gut genug. Wir sind in der Schweiz, schon gemerkt?
Dafür merken es Schweizer nie, wenn etwas läuft in ihrer Stadt. Darum nehmen wir das mit der Werbung gleich selber in die Hand, obwohl schon ganz Schaffhausen mit Peter Pieks Gesicht auf Postergrösse tapeziert wurde. Wir verbinden Sightseeing mit Flyerverteiling.
In der Schäferei, ein Pub, das zur Fassgenossenschaft gehört, werden wir übelst nett bedient, bewirtschauftet und unterstützt. Der Booker, der sich hier um die Veranstaltung kümmert, ist selber auch Musiker und weiss wie man Bands einen angenehmen Arbeitsabend beschert. Das wissen wir zu schätzen!
Doch auch hier erreicht uns ein kleiner Wink vom Bünzlitum. Kurz vor 22 Uhr, als wir unnütz wartend im Pub rumstehen fragt ein, für unsere Verhältnisse altes Paar, ob wir heute überhaupt noch mal spielen. Mein Gott, waren die schon mal an einem Rockkonzert? Wissen die überhaupt, dass sie an einem sind, jetzt?? Denn es fängt JETZT gleich an. Und bei meinem Intro zerschellen definitiv alle Illusionen, dass mein Schlagzeug das eines Jazzmusikers ist. Schnurstracks verziehen sich die zwei und der Tisch wir sofort von zwei Mädels und einem Typen in unserem Alter besetzt. So ist es recht. KAUFT CDS! (gestern konnten wir uns den Scherz verkneiffen, dass das ein Psalm sei. Heute queselt Lucka, während Peter die Gitarre stimmt was von "heisst das Rotlichtmillieu von Schaffhausen eigentlich Anschaff Hausen?" *Gelächter*) Wir merken, dass wir langsam recht gut eingespielt sind und geniessen die Show extrem. Schliesslich hat es zum ersten Mal auf dieser Tour Monitorboxen auf der Bühne!
Nach dem Konzert fahren wir dan noch zu mir nach Bern durch dichten Nebel. Aus der Autostereoanlage bröselt Pearl Jam. Peter lässt nicht locker auf dem Rücksitz mit "mach mal die Mucke lauter!"
Posted on 13 Nov 2008 by chrz
07.11.08 13eins Ansbach
Das Ding in Ansbach soll ein Hardcore/Emo/Metal/Ponk Schuppen unter den Fittichen von ein paar Jesus Freaks sein. Wir sind gespannt was aus diesem Abend wird. Reissen uns die hier in Stücke? Die Jesusfreaks kommen kurz nach unserer Ankunft auch an, schliessen auf und machen Kaffee. Es gibt hier überhaupt nichts zu bemängeln. Nach dem Peter klargemacht hat, dass er der Kickerchampion in der Band ist, stellen wir u nseren Kram auf die übelst (Leipzigerslang für krass, mega, etc.) kleine Bühne. Mein Schlagzeug ist zum Glück für diese Tour aufs Minimum reduziert. Aber wo stellen bloss die Deathmetalprügler, die sonst hier spielen, ihre Küche hin? Egal. So Kompakt wir stehen, so kompakt klingt es hier (darf nicht sagen "tönt", werde andauernd von den Deutschen korrigiert).
Der Holzofen gibt zwar schön warme Füsse, aber meine Trommelfelle qüält das ganz schön, wenn die Luft plötzlich so trocken wird. Heute wieder mal den Stimmschlüssel benützen, würde ich meinen. Während wir beim Soundcheck noch die unsicheren Stellen im Set proben, duftet es schon lecker aus der Küche. Doch auch nach dem Abendessen ist der Publikumsandrang nicht gerade überwältigend. Aber wir spielen auch für 12 Leute so gut wie für 1'200'0000. Happy Joes Pizza, wie sich der Vorbandmann nennt, spielt seine Lieder und stellt eine gemütliche Wohnzimmerstimmung her, die ich dann mit meinem Schlagzeugintro schön wieder futsch mache. Sie tanzen, wollen mehr, kaufen CDs und wir werden nach dem Konzert in DIE WG eskortiert. in der es Schlafplatz zum versauen hat. Die wohl grösste WG der Welt, zumindest von Ansbach. Am darauffolgenden Morgen gibt es ein r i e s e n Frühstücksbuffet. Die "unbeteiligten" WG Bewohner freut es und leisten uns Gesellschaft. Lucka schreibt ins Gästebuch...ich hörte die Glocken läuten, doch es war zu spät. Etwas dunkles, weiches schiebt sich ins Bild.... Gesellschaft schafft nicht immer nur Geselligkeit. Schaffhausen wir kommen.
Posted on 13 Nov 2008 by chrz
06.11.08 Kap Tomentoso Stuttgart
Am Dienstag bin ich nach Leipzig in den Nebel gefahren um mit Peter Piek und Lucka zu proben. Seit da habe ich die Sonne nicht mehr gesehen. Sprühregen scheint hier das Lieblingswort vom Wetterfrosch zu sein.
Lucka, der Bassist, kommt aus Münster ich aus Bern. Das ist ein ganz ordentlicher Anfahrtsweg zum Proberaum. Dafür hats im Proberaum, der sich in Peter Pieks Wohnung befindet eine Katze, die alles attackiert, das sich bewegt und Türen selbständig öffnet.
Nach gut eineneinhalb Tagen proben, mchen wir uns heute am frühen Nachmittag auf den Weg nach Stuttgart. Nebel, Nebel, Nebel, Stau. Um viertel nach 8 sind wir endlich beim Club, der mitten in der Innenstatt liegt und den ich bei meinem letzten Aufenthalt in Stuttgart leider nicht gesehen habe. Schnell, schnell packen wir alles auf die Bühne, wo aber erst noch ein paar Gäste verscheucht werden müssen, damit es Platz fürs Schlagzeug gibt. Es wird unser erstes Konzert überhaupt sein mit dieser Band, nach 1 1/2 Proben und einem Treffen vor einem Jahr.
Im Club hat es schon ordentlich Leute und das Personal ist wirklich sehr nett und zuvorkommend. Nach einer kulinarischen Stärkung ziehe ich mir noch schnell ein sauberes Hemd an und dann ab auf die Bühne. Da steht ein ungeduldiger Peter und ein verwirrter Lucka (seine Setliste wurde dreist geklaut, sammt Eding Marker; Aso!?)
Ich darf die Show eröffnen mit einem fetten Beat. Und dann knallen wir eine Stunde lang ordentlich rein. Die üblichen kleinen Schnitzer verzeihen wir uns hinterher und diejenigen Gäste des Kaps, die sich von der Musik nicht in ihren Gesprächen gestört fühlen und somit bleiben, applaudieren lautstark und kauffen CDs.
Schon jetzt wird klar, dass wir unsere Bandgeschichte, von wegen im Internet kennengelernt, einmal geprobt und dan ab auf die Bühne, noch ein paar Mal erzählen müssen. Vielleicht fällt uns dazu ja noch was besseres ein. Aber auf alle Fälle bleibt der Eding Stift und die Setliste für immer verschollen. Was wir mit dem Stift nicht alles anstellen hätten können...ACH. Tour Regel 611: Immer genug Edings dabei haben!
Nachdem wir halt eben keine Autogramme gegeben haben, verziehen wir uns. Wir können heute bei einem, in Stuttgart wohnenden Freund von Peter übernachten. Und auch hier fühlen wir uns sehr wohl und tauschen in der Küche Musikergeschichten bis in alle Nacht aus.
Ich muss schon sagen, Stuttgart hat seinen Ruf bei mir gerettet.
Posted on 07 Nov 2008 by chrz
SAY HELLO TO PETER PIEK TOUR
Das Programm von Chrzs nächstem Streich geht so:

06.12.08 20Uhr Koennteman / Leipzig D
04.12.08 22Uhr zum Falken / Weimar D
03.12.08 20Uhr Kulturrampe / Krefeld D
02.12.08 20Uhr MTC + Flanger + Ebbel / Köln D
29.11.08 20Uhr Rockbuehne / Goch D
28.11.08 20Uhr Moritzbastei / Leipzig D
27.11.08 20Uhr WerkStadt / Witten D
22.11.08 20Uhr Hog Bar / Golling AT
21.11.08 20Uhr Cafe Carina / Wien AT
17.11.08 20Uhr U1 City West/ Bern CH (Zusatzshow)
16.11.08 20Uhr Dada Club / Alatri, Frosinone I Ausgefallen wegen Backline klauender Mafia Gang
14.11.08 20Uhr SpazioMusica + Stead / Pavia I
13.11.08 20Uhr Gaskessel / Biel CH
08.11.08 20Uhr Schäferei / Schaffheusen CH
07.11.08 20Uhr 13eins / Ansbach D
06.11.08 21Uhr Kap Tormentoso / Stuttgart D

www.peterpiek.com
www.myspace.com/ppiek
Posted on 28 Oct 2008 by chrz
18.10.2008 Gaswerk Winterthur
Tourabschluss. Ende. Aus.
Ich erhielt Reklamationen, weil es über diesen Abend keine Story gibt. Naja. Vom zuHauseindieRöhreglotzen hat man schliesslich nicht mehr Erlebnisse auf dem Buckel. Und Winterthur ist ein Katzensprung entfernt. Also, Pech. Die, die anwesend waren, werden damit belohnt, dass sie die Story kennen....

Bis zur nächsten Tour!

Cheers

Chrz
Posted on 28 Oct 2008 by chrz
17.10.08 Hemperium Ulm
Hemp, verstehen das alle? Hanf. Ulms Münster sieht fast aus wie das in Bern. Und da hat es auch solche Läden wie die, die in Berns Münstergasse bekannt gemacht haben. Das Hemperium ist aber nicht beim Hanfladen in der Altstadt, welchen wir gemäss unserer Touradressliste angesteuert haben, sondern etwas am Rand des Zentrums. Da gibt’s Hanfburger, Hanfbier, Hanfalles.
Und der Typ mit den Dreadlockrastas nimmt alles easy. Sogar die angeblichen 114 Dezibel, die wir beim Soundcheck fabrizieren. Wir glauben zwar nicht so recht an diese Messung und die Vorband aus Ulm ist dank grösserem Schlagzeug und Marshall Gittiturm auch nicht leiser. Und das Publikum, das die mitgeschleppt haben, schreit auch immer nur „LAUTERR“.
Nach verdrücktem Hanfburger und Klorunde, war leider nicht der erste Burger an diesem Tag und Omas Schnitzel in Köln am Abend vorher belastet auch noch den Darmtrakt, gehen die 40 Minuten Vorband los. Sie dauern ca. 1 ½ h. Naja, das Publikum wird ja auch so blau. Dann gehen wir Cheekbones in die erste Runde Schweizer Poonk für den heutigen Abend. Das Moshpunkpublikum, dass sich kleidet wie Manowarfans, macht uns etwas Sorgen. Mögen die unsere Melodien überhaupt, weil, wollen die überhaupt Melodien hören? Ja sie klatschen anständig, wenn auch nicht sonderlich motiviert. Das Set endet heute mal nicht mit Hard Days Night, sondern mit Heart Of Gold, auf Wunsch von Bass - Gilles, der immerhin schon sein 21igstes Konzert gibt auf dieser Tour. Gleich nach unserem Set folgt sein 22igstes mit den Slarties. Romek, wie immer voll bei der Sache lässt sich, wie immer, nicht von der immer weniger aufmerksamen, dafür immer besoffeneren Zuhörerschaft entmutigen. Yves geht zwischendurch auch mal Nicos Gitarre Zupfen helfen, so wie Nico vorhin bei unserem Philipp die zupfende Hand bot. Nach der Show werden dann noch ordentlich Hände geschüttelt und CDs getauscht und verkauft und eilig das Equipment verladen. Wir haben nämlich beschlossen, noch heute Heim zu fahren. Lieber 3 Stunden durch die Nacht kurven, anstatt in einem Raucherraum zu pennen, auf dessen Sofas den ganzen Abend Bier gesickert ist und Hunde gelegen haben. Trautes Heim, wir kommen!
Posted on 20 Oct 2008 by chrz
15.10.08 Poortgebouw Rotterdam
Es regnet in Holland. In Rotterdam schleichen die Wolken um die Wolkenkratzer und das Wasser am Hafen ist trüb. Wir finden das Poortgebouw auf Anhieb. Es ist ein altes Hafengebäude das wie eine Brücke über die Strasse gebaut ist. Da lebt eine alternative GrossWG und das Treppenhaus ist tapeziert mit Zeitungsbeiträgen aus vergangener Zeit, als diese Hütte noch besetzt war. Jetzt scheint das hier alles auf so halb legaler Basis zu laufen. Nach so langer Zeit könnte man die Hütte wohl auch nicht mehr räumen, bei all diesem Kram der sich hier kreuz und quer angesammelt hat.
Kevin, unser „I don’t wanna die in the streets ooof – Winterthur tonight, two three four“ –Freund, der uns das hier organisiert hat, ist noch nicht da. Ein Junge und eine Frau zeigen uns schon mal das Haus und wo wir Schlafen können. Scheinbar wissen nicht alle Bewohner Bescheid, dass wir hier Pennen werden, aber stören tut es trotzdem niemanden. Die Leute hier sind alle sehr tolerant. Die Wartezeit vertrödeln wir damit, uns über Fotos von unseren Konzerten auf den Webseiten der Clubs, in denen wir schon gespielt haben, zu amüsieren. Als dann endlich Kevin kommt, gehen wir mal aufbauen. Zuerst müssen wir aber den Raum, in dem wir spielen werden etwas entrümpeln. Kevin hat Deutsch gelernt, seit wir ihn das letzte Mal gesehen haben: Vier Uhr, Bier Uhr. Super, Kevin! Als unser Plunder steht, können wir aber noch nicht soundchecken, weil der Microphoneman noch nicht da ist. Also essen wir zuerst beim alternativen Dinner mit und lassen uns von Kevin die neusten Punkrock Storries auftischen. Nach dem Soundcheck beginnt dann gleich das Konzert der Slarties. Ich verpasse es leider, da ich zu einer längeren Sitzung auf dem Klo gezwungen werde. Irgendwas am Essen war wohl faul hier. Als ich es dann zu unserem Konzert nach unten komme, staune ich nicht schlecht, als ich sehe, wie viel Leute sich tatsächlich hierher verirrt haben. Fünfundzwanzig Leute sind es etwa, was dem Club bereits eine gewisse Völle gibt. Es ist sehr klein hier. Und wenns klein ist, ists immer laut. Hier so laut, das das halbe Publikum die Show von der Bar im Nebenraum aus mitverfolgt. Wir Cheeks sind heute sehr gut drauf und rocken was das Zeugs hält. Ich habe das irgendwie kommen sehen und schon mal vorsichtshalber meine alten Crashbecken montiert. Somit habe ich Freipass zum Prügeln und bei dieser Lautstärke ist es auch nicht so schlimm, wenn die Becken tönen wie Arsch und Friederich. Mitten im Set covern wir spontan Kevins Hit: I don’t wanna die in the streets of winterthur tonight. Dieser kleine Scherz unsererseits kommt gut an, wie eigentlich die ganze Show an sich.
Nach dem Konzert gehen wir dan noch Frikandelen essen, ein muss für einen Slarty Cheekbone in den Netherlands. Ejt smaggelig!!!
Posted on 17 Oct 2008 by chrz
14.10.08 Modernes Bremen (Vorbands von Sugarplum Fairy Babies (S))
Heute erwartet uns so etwas wie Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig für zwei unberühmte Dubelibands wie wir. Dies nach zwei Tagen „Erholung“ in Hamburg, wo wir uns die Beine in den Rumpf getschumpelt haben und dabei viel gesehen haben.
Also in Bremen kommen wir schon mittags an. Der Veranstalter hat uns da ein Hotel gebucht, eins, zwei, drei, vier Sterne! Vier mal Doppelzimmer mit Frühstück. Wir fühlen uns schon mal wie Rockstars. Nach dem Zimmerbezug – Freudi gehen wir uns die schöne Altstatt angucken. Als wir beim Club ankommen, sind nicht nur die Sugarplum Fairy Typen aus Schweden mit ihrem Nightliner Bus da, sondern auch schon eine Hand voll Groopies, die ums verrecken in die erste Reihe wollen. Plus: Es gibt zwei Stagehands (helfer vom Veranstalter) die unseren Kram ins innere des Clubs schaffen wollen. Aus mangelnder Gewohnheit in solchem Luxus tragen wir die schweren Verstärker und sie die leichten Gitarrenkoffer hinein. Der Club ist a) riesig und b) das mit Abstand edelste und c) bestausgerüstetes Lokal auf dieser Tour. Es gibt ein Mischpult für die Bühne und eins für Front of House, will meinen fürs Publikum. Es gibt eine riesen Lichtanlage, und einen Backstage mit Dusche, Kühlschrank, Spiegel und fettem Dinnerbuffet. Eigentlich alles für die Schwedenbubis aber wir dürfen auch ran, schliesslich sei das das mindeste, meint der Veranstalter. Nach dem elens langen Soundcheck der Fairies nimmt man sich extrem viel Zeit für unseren Soundcheck. Auch damit hätten wir nicht gerechnet, da die Schweden mit solchen Klamotten als eher Arrogant ihren Vorbands gegenüber gelten. Dann ziehen wir uns in den Backstage zurück und freuen uns aufs Konzert. Heute haben wir je nur zwanzig Minuten Zeit und müssen punkt viertel vor acht loslegen. Wir von SCB fangen an. Da das Publikum logischerweise auf Indie steht, können wir hier auch alle unsere neuen nicht punkrocksalonfähigen Songs spielen und guten Gewissens einen Applaus dafür erwarten. Es gibt dann schlussendlich nicht nur Applaus, sondern auch tanzende erste Reihen. Es stehen ca. hundert Teeneiegirls und etwa fünfzehn Buben da. Schöner Momment. Die Slarties sind dann sofort auch an der Reihe um abzugrasen. Die Show geht ratzfatz vorbei wirkt aber wie Balsam für die Tourseele. Im Backstage diskutieren wir die unzähligen Fehler, die wir in der ungewohnten Aufregung um die paar Minuten Schulmädchenbeschallen gespielt haben und kommen zum Schluss: Hat kein Schwein gemerkt. Auf der Treppe zur Bühne machen sich der weil die Zucker Pflaumen Märchen bereit. Da heisst es Go. Ich wünsche den Jungs aus Anstand Glück und der Mando Diao Bruder, der da mitspielt und wegen dessen die band wahrscheinlich so berühmt ist knallt sich schön den kopf an der Decke an. Tja, Schweizer Freundlichkeit sind die sich offensichtlich nicht gewohnt.
Ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, diesem Haufen durchgesteilter mitzwanziger Frauenschwärme in die Küche zu schauen und Verfolge die ersten drei Lieder vom Backstagetreppchen aus. Da entdecke ich so einiges: Zum Beispiel, dass der Schlagzeuger dieser Band wohl ein Problem hätte, müsste er mal wieder in einem Kleinen Club spielen. Seine Becken spielt er nämlich viel zu laut, den Rest zu leise und Barfuss, wie er hier spielt würde er wohl auch nicht jede Bühne, die wir in den letzten Tagen gerockt haben betreten. Zudem hat er vergessen, einen Gurt zu seinem Anzug anzuziehen. No Go. Da rutschen einem doch die Füdligedanken viel zu rasch in den Kopf. Ha. Nach dieser Analyse schaue ich mir die Show noch etwas von da an, wo das Publikum steht, fühle mich dann dort aber doch ein wenig zu alt und unterstütze den kurzzeitig ausser Gefecht gesetzten Romek an unserem bescheidenen CD Stand. Da üben wir uns nach dem Konzert noch ein Wenig in „wie luchse ich den Schweden die Fans ab“.
Elf Uhr, Show zu ende, alles zusammengepackt. Normalerweise spielen wir erst um diese Zeit. Aber da die Fans der Fairies morgen zur Schule müssen und die Sugarplümpels in ihren Tourbus, läufts hier halt anders. So haben wir wenigstens Zeit uns in einem gut besuchten Club zu feiern, dort zur Abwechslung wieder mal einigen Konzertbesucherinnen über den Weg zu stolpern und uns danach im Viersternebett auszuschlafen.
Posted on 17 Oct 2008 by chrz
11.10.08 EGAL Braunschweig
Es ist eine Fahrt unter der Sonne bis nach Braunschweig. Die meisten von uns sind einigermassen ausgeschlafen, ich sogar sehr. Die Nerven liegen nicht mehr blank und wir finden das Hotel, sowie den Club und trotzen so den Spinnereien unseres Navigationsgeräts mit dem Namen Tomtom. Der Club liegt am Stadtrand in einem Industrieviertel. Völlig Abseits von „Arsch und Friedrich“ (ein Top10 Ausdruck im Tourvokabular neben „nimm di zäme“, „du regsch mi uf“ und „schrei mi nid a!“). Ob diesen Ort irgendjemand wegen uns aufsucht heute?
Der Clubbesitzer warnt mich schon mal ausdrücklich, dass wir dann nicht zu laut spielen dürfen, als ich mein Bassdrum Mikrofon installiere. Beim Soundcheck beruhigt er sich aber sofort wieder als er merkt, dass wir Schweizer Ohrenstöpselbenützer mehr Vernunft an den Tag legen als die Skandinavische Heavymetalband vom letzten Event hier. Allgemein stellen wir fest, dass in Deutschland die Lautstärkenbegrenzung eher lockerer gehalten wird als bei uns, im Land der Dezibelpolizei.
Und da haben wir ja auch noch so eine lokale Vorband, die so Heavymetalgrungealternativefusionrock machen. Naiv, wie wir sind, stecken wir grosse Hoffnungen in ihren Publikumsmagnetismus. Tja, als es dann langsam Zeit für die Show wird, sind ausser ein paar Eltern und Geschwister der Vorband natürlich noch null Gäste da. Doch draussen ist eine Gruppe Braunschweiger, alle ca. in unserem Alter, die sich nicht so recht entscheiden können, ob sie eintreten sollen, in den leeren Saal. Kein Problem, die knöpf ich mir vor und schon sind die überzeugt, Eintritt zu zahlen, obwohl sie noch nie etwas von diesem Laden hier gehört haben. Bis zur Show bringen wir es doch satt auf zwanzig Zahlende. Es hätten natürlich noch mehr Platz, doch hier ist ja wohl allen klar, dass das alles ist, was uns Braunschweig bieten will. Dafür bieten die Slarties den Braunschweigern eine ordentliche Portion Rock n’ Roll. Aber erst nach der Vorband, die irgendwas mit Egger heissen. Der Raum im Egal tönt ausserordentlich gut. Aber: Es hat zwar eine gute Gesangsanlage, allerdings keinerlei Monitore für die Musiker auf der Bühne. Das bedeutet Blindflug. Pha. Ein anständiger Slartybart trifft auch im Nebel.
Unsere Show ist dann auch entsprechend motiviert. Diesmal schafft es Yves sogar mit der Gitarre bis an die Bar. Die ganzen Shows über bis hierher haben wir immer wieder an unserem Set gebastelt, Abläufe geändert und dann doch spontan Songs getauscht oder gestrichen. Das machte sich dann auch irgendwie bei der Bühnenpräsenz bemerkbar. Aber jetzt haben wir endlich die richtige Mischung unserer Hits gefunden. Nach Zugabe endet die Veranstaltung, ein paar CDs gehen über den Ladentisch und eine Viertelstunde später ist der Laden leer.
Braunschweig ist eine schöne statt. Das lockt uns nach dem Konzert noch ins Getümmel, wo wir als erstes mal eine Privatparty stören und uns anschliessend der Haifischbar verfuttern. Echt cooler Laden. Und da treffen wir sogar noch auf ein Pärchen, dass an unserem Konzert war und von beiden Bands CDs gekauft hat. Auch Braunschweig ist also klein.
Posted on 17 Oct 2008 by chrz
10.10.08 Chemiefabrik Dresden
Im Vorfeld des Konzerts wurde uns für diesen Abend noch eine dritte Band ins Programm gebucht. Die Archies, Ü30 Punkrocker aus Argentinien, die es immer noch lustig finden 80 Shows am Stück zu spielen auf ihren Touren. Okeh, schön, dafür hab ich eine feste Freundin.
Als wir im Club ankommen werden wir vom sehr freundlichen und zuvorkommenden Booker des Clubs begrüsst. Ist mit Abstand die angenehmste Bekanntschaft an diesem Abend. Allerdings erklärt er uns, dass leider noch 2 weitere Bands an diesem Abend spielen werden, so Ruhrpottpunker in voller Montur. Aber fairer Weise können wir wählen, wann wir spielen wollen. Wir entscheiden uns angesichts des erwarteten Ernstmeinerpunkpublikums für die Plätze Cheekbones zwei und Slaryberten 3 und finden uns damit ab, dass wir für diesen Event hier kurzerhand vom Headliner zum Kanonefutter umfunktioniert wurden.
Soundcheck machen nur Archies. So können wir gemütlich Essen gehen und unser Kajütenquartier beziehen, das wir mit den Archies teilen. Eigentlich ist hier alles sehr schön und komfortabel, wenn man bedenkt, was für ein runtergekommener Laden das hier eigentlich ist. Wir verbringen den Abend bis zur Show in diesem Backstage, palavern mit dem Archies Sänger. Etwas überraschend, da wir die Zeit etwas vergessen haben und sowieso nicht so genau wissen wann es los geht, werden wir vom Booker abgeholt, damit wir rechtzeitig auf der Bühne stehen.
Wir bekommen noch etwas von der ersten Band mit, finden aber nicht heraus in welcher Sprache die lärmen. Dann wir. Mässige Begeisterung bei den Punks. Kein Wunder, wir machen ja auch nicht Punk und sehen auch nicht so aus. Für die hier sind wir Popper. Aber wenigstens stinken wir nicht so. Trotz allem hat es ein paar Leute im Publikum, die etwa gleich wenig hier her passen wie wir und die etwas schüchtern das Tanzbein schwingen. Wir geben Vollgas, vielleicht sind die ja wegen uns hier. Nach aussen scheint das ordentlich zu rocken. Nach etwas abgekürzter Darbietung von Seiten Cheekbones gehen die Slarties auf die Bühne. Gleiches Szenario. Ein militanter Punk und Verfechter des organisierten Lärms, lehnt gelangweilt am Pfosten und meint so „die sind einfach nicht gut, einfach nicht gut“, kommt aber nicht auf die Idee, den Raum zu verlassen. Genau so wenig kommen die etwa hundert, überaus sozialen Menschen draussen auf dem Vorhof nicht auf die Idee, drei Euro Eintritt für ein Konzert mit 5 Bands zu zahlen. Sie saufen sich lieber draussen einen an den Kessel und hören ihren Krach aus dem Ghettoblaster.
Mir stinkts langsam hier. Und kann meinen Frust über diesen Abend langsam nicht mehr verbergen. Wir verladen sofort unseren Krempel. Ich mache wieder den Tetrisspieler, merke gar nicht, dass es direkt hinter dem Bus eine Pfütze hat. Natürlich trete ich ein paar Mal rein, bis meine Schuhe und das Trittbrett nass genug sind und ich ausrutsche. Mein Bein klemmt zwischen Verstärker und Autoheck. Meine Klappe gibt fluchartige Ausstösse von sich. Das Auto belade ich noch fertig, doch dann ist Schluss. Einer von meinen Kumpels vermutet noch, dass diese Pfütze aus Punkerpisse besteht. Stocksauer stampfe ich in den Backstage. Kurz nach mir folgen zwei von der Band, die nett fragen, was los sei, ich so was wie „lasst mich einfach in Ruhe wütend sein“. Nach einem beruhigenden Telefongespräch mit meiner Freundin stelle ich dann wenigstens fest, dass weder meine Schuhe noch meine Hose verdächtig stinken. Falscher Alarm also. Trotzdem, für mich ist es heute gelaufen. Ich gehe als erster ins Bett. Ich verpasse hier eh nichts mehr, will schlafen und dann möglichst schnell weg. Am nächsten Morgen berichten mir meine Bandkollegen, was in der Nacht in unserem Schlafraum noch so alles gelaufen sei (Hauptakteure: Irgendeine Blondine und der Sänger der Archies, der am Morgen dann mit einer aufgesetzten, roten Schlafbrille im Schlafsack anzutreffen ist). Ich möchte mich an dieser Stelle ausserordentlich bedanken, dass ich so einen tiefen Schlaf habe.
Posted on 15 Oct 2008 by chrz
09.10.08 Café Könnteman Leipzig
Im Club in dem wir heute spielen, ist die Bühne noch im Bau, als wir ankommen. Holz wird geschnitten, Paletten platziert, Teppich gelegt. Man hat wohl entschieden, da heute zwei Bands aus dem Ausland hier spielen, brauchen wir endlich eine feste Bühne, also bauen wir sie doch jetzt noch hurtig. Also vertreten wir uns noch etwas die Beine in dieser wunderschönen Stadt. Wir sind extra ein bisschen früh hier her gekommen um etwas von Leipzig mit zu bekommen. Spontan besuchten wir am Nachmittag auch noch eine zeitgeschichtliche Ausstellung, womit wir etwas gegen das passive Tourverblöden gemacht haben.
Die Show hier kam ziemlich kurzfristig zu Stande und wir sind etwas skeptisch, ob das hier alles klappt. Aber Matze, der Veranstalter nimmt alles locker und wir fühlen uns sofort wie zu Hause, als wir zurück zum Soundcheck kommen. „Nur keine Panik, die Leute kommen dann schon“ sagt er, als wir nervös werden, weil um 21 Uhr eigentlich noch niemand da ist ausser ein paar Schischarauchern. Da kreuzt die Freundin von Peter Piek (mit dem ich im November Touren werde) auf. Ich freue mich sehr über diesen erneuten, kleinen Heimvorteil.
Gegen 23 Uhr geht’s los. Wir Cheekbones eröffnen den Abend und heizen ein. Das Publikum, wie immer bei der ersten Band noch etwas fest am Boden angewurzelt, findet uns glaubs nicht schlecht. Wir dürfen hier auch die „langsamen“ Lieder ungeniert spielen. Die Leipziger haben Geschmack.
Die Slarties haben nun eine gute Startposition und starten voll durch. Sie brettern eine energiegeladene Show hin, obwohl der Gitarrenamp von Nico aussteigt. Romek schaffts fast in den ersten Stock bei seinen Singspurts. Das Publikum will mehr, mehr, mehr. Wir auch. Yves und ich stehen plötzlich auf der Bühne und unterstützen die Slarties bei einem Refrain. Sofort krallt sich Romek Yves und macht Stageschwingen mit ihm und legt ihn auf den Rücken. Dafür kann sich Romek kaum mehr zusammennehmen, als er einen Lachkrampf kriegt, weil er zwischen zwei Songs nach einer Nahkampfgitarrensolotanznummer mit Nico sagt, „Nico, du stinksch“…sagt gerade der richtige. Ich möchte hier anmerken, dass Gilles, der ja beide Bands auf der Bühne am Bass unterstützt, aus geruchsemissionstechnischen Gründen in der Jugendherberge Stuttgart das Cheekboneszimmer dem Slartenschlag zum Nächtigen vorzog.
Nach der Schow könnteman ja noch weiter. Das passiert auch. Als der Club schliesst, packen wir husch alles in den Bus und lassen uns von Matze in eine Bar führen, in der man sich an armen Tagen das Hotelzimmer sparen könnte. Müssen wir ja eigentlich nicht, da wir hier genug Pennplätze im Angebot haben. Romek findet ca.halbstündlich „jetzt machen wir noch einen drauf“. Irgendwie machen wir mit, obwohl wir alle schon genug müde sind. Wir bleiben noch eine Weile sitzen bei Leinwandunterhaltung von TV Smith. Irgendwann gwaggeln wir dann zu Matze nach Hause und legen uns schlafen und wecken damit Matzes Mitbewohnerin. Gut erzogen wie wir sind, entschuldigen wir uns, doch sie entgegnet, „macht nichts, ich muss sowieso arbeiten gehen jetzt“. Hoppla.
Posted on 12 Oct 2008 by chrz
08.10.08 Wild at heart Berlin
Ich sitze gerade im Club in Leipzig, sehe den Eingang und hoffe, dass bald Publikum dort reintröpfelt. Wir spielen hier in 1 ½ Stunden. Doch zu erst zu der gestrigen Berliner Nacht:
Die Fahrt Nach Berlin, unter dem Motto WEG HIER, läuft Spektakellos und die Jugendherberge beziehen wir schon am frühen Nachmittag. Genug Zeit sich den Chemnitzer Schweiss vom Leib zu waschen. Dann gehen wir auf einen Streifzug durch Kreuzberg und saugen die Stimmung da förmlich ein. Wir haben es auch bitternötig. Wir stopfen die Mägen mit chinesischen Nudelschachteln, da wir denken im Wild at heart gäbe es nix zwischen die Zähne. Denkste. Super Tikki Restaurant Speise dürfen wir geniessen. Und der Soundcheck geht so schnell, dass wir ihn kaum mitbekommen. „So macht man Soundcheck und nicht anders“ sagt das Cheekbonesoberhaupt. Allgemein läuft hier alles sehr professionell und bestimmt. Aber die Leute sind schwer OK. Vor der Slartyshow warten wir wieder mal auf Publikum. Die Berliner scheinen sich nicht von 7.50 EUR für uns beide Schweizermucken anziehen. Naja. Einige Touristen und paar einheimische Gesichter tauchen trotzdem auf. Unter anderem auch sehr überraschend Freunde aus der Heimat.
Die Slarties beginnen und legen ihr Set hin, ohne dass ich viel davon mitbekomme. Ich bin nervös und will besonders gut vorbereitet sein in dieser Stadt, in diesem Club, bei diesem Publikum. Irgendwie komisch, wenn in Berlin do viele Schweizer zuhören. Und Amis und Australier und Franzosen…welche Sprache sollen wir bloss für die Ansagen benützen?
Dann sind wir endlich dran. Der Sound hier ist der fetteste auf dieser Tour bis jetzt. Ich geniesse es und als vor der Bühne plötzlich auch unbekannte Gesichter den Platz tanzend ausfüllen, habe ich meinen Frieden für diesen Abend. Allerdings schwindet die Tanzlaune kurz vor Ende des Sets und wir enden in Berlin ohne Supplement. Nicht so schlimm, der Abend wird noch fröhlich genug. Das Publikum feiert mit uns bis in die frühen Morgenstunden. Ich habe mich freiwillig gemeldet, anschliessend den Bus ins Hostel zurückzuschaukeln und geniesse dieses Fest im Schmelztegel mit absolut klarer Birne. Einer muss immer den Überblick behalten auf dem Piratenschiff und ich bin sehr froh, dass ich es ausgerechnet heute bin.
Posted on 09 Oct 2008 by chrz
07.10.08 Subway to Peter Chemnitz
Chemnitz ist eine Stadt ganz im Osten Deutschlands. Als ich auf einer anderen Tour zum ersten Mal da war, meinte ich mich in einer Geisterstadt. Gestern wusste ich und die Hälfte der Truppe was uns da erwartet. Ein sehr cooler Keller in einem Ort, in dem der Krieg eine Stille hinterlassen hat, die einem fast erdrückt. Und die Sprache der Leute da ist zutiefst sächsisch, da musste gut hinhören.
Eine Bühne gibt’s nicht. Es hat eine Ecke im Gewölbekeller, wo paar Mikros stehen und eine Gesangsanlage. Wir murksen unser Zeugs hin und rumpeln den Soundcheck. Die Vorfreude auf das Essen, von dem wir wissen, dass es sich lohnt dafür den Tag über zu Hungern (was wir allerdings nicht taten, Autohof sei dank), stimmt uns ungeduldig. Später, der Club ist offen, zeigen sich die Chemnitzer spärlich. Romek wird langsam mürrisch. Riecht den selben schlappen Abend wie am Tag davor, als man das ganze Publikum bei den Vornamen aufzählen konnte. Kurz nach Zehn stehe ich mit Yves in einer Ecke, von der aus nur er den Eingang sehen kann. Er behauptet, da kommen im Fall Leute, eins, zwei, drei, vier... acht, neun, Frauen, Männer, waaass? Doch, tatsächlich, schon füllt sich der Keller. Und draussen hat es noch mehr. Wir machen den Slarties Beine, fangt an! Jetzt oder nie! Die Slarties, leicht verwirrt, machen sich an die Arbeit. Zehn Minuten später sind es wieder „nur“ noch 15 dafür echte Zuhörer. Das Slartybartfast Set endet mit einer Zugabe und wir wechseln sofort die Mannschaft.
Das Publikum klatscht sich in die Hände in der Vorfreude, dass da noch mal eine Band kommt. Spielt ihr auch so schnell? JAAAAHAAAA. Unser Set wird spontan entsprechend angepasst. Alle „Mädchensongs“ raus, nix Ballade, das muss kesseln. Schweissgebadet kommen wir am Schluss von der Bühne, naja, aus der Ecke.
Nach (diejenigen die keine Freundin haben schon während) der Verladerei tummeln sich die Musiker wieder unter den Leuten. Einige knüpfen Bekanntschaften, andere treffen alte Bekannte. Und jetzt kommt die Tradition: Die Band MUSS einen Knobi to Peter stürzen. Wenn man das erzählt, kann man sich das so richtig auf der Zunge zergehen lassen, wenn man das trinkt gar nicht. Dafür brennt es sich unwiderruflich ein. Und am nächsten Morgen erinnert man sich beim ersten Atemzug an den KNOBLAUCHSNAPS. Prost und weg.
Posted on 09 Oct 2008 by chrz
06.10.08 Zwölfzehn Stuttgart
NEVER TRUST A BASEBALLCAP OVER 25*
Und der Mensch im Club war genau so einer. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass unser Konzert den nicht wirklich interessiert. Egal, es ist Montagabend in Stuttgart. Was kann uns da schon passieren.
Es hat satte 2 Konzertbesucher und wir Cheeks fangen die Show an, da die Slarties hier gross als Hauptband aus der Schweiz angepriesen worden sind. Irgendwie füllen die Gäste den Raum zu wenig und es kommt kein Adrenalin auf. Doch Mühe geben wir uns trotzdem und haben Spass an uns selbst. Als 3 Schotten im gesetzten Alter hereinkommen, ändern wir sogar das Programm und spielen sofort "London Town". Ist geographisch das passendste, was wir zu bieten haben.
Dann kommen die Slarten und lassen ihr Tier los. Es rennt durch den ganzen Raum, auf die Bar, Gläser zerschellen, Barhocker stürzen. Wie ich dieses Privatkonzert geniesse!
Nach der "Show" landet unser Krempel in Windeseile und im Tetrissystem im Bus und wir wechseln danach noch einige Worte mit dem zahlreichen Publikum, das sogar CDs kauft. Scheinbar haben wir denen den Abend gerettet. Sie uns auch. Guter Dinge fahren wir nach Jugendherberge-Hause, dorthin wo wir Stunden zuvor rockstarmässig rausgetschalpt sind, durch die Gasse in der anstehenden Masse...

*Zitat Yves Honegger
Posted on 07 Oct 2008 by chrz
05.10.08 Gleis13 Basel
Der Club ist Cool. Irgendwo im Niemandsland hinter Kleiboosel. Da steht nicht mehr viel. Nur noch Rock´n Roll. Niggi, der Chef, mit der steilsten Frisur ist ein astreiner Kerl. Serviert uns leckeres Essen und schaut, dass wir bei Laune bleiben (Jägermeister zum Znüni). Uns ists wohl hier.
Auf der kleinen Bühne proben wir beim Soundcheck "London calling". Beide Bands auf der Bühne, 4 Gitarren. Der typische Schülerbandeffekt. Entsprechend tight tönt es. Ich werfe das Handtuch. Die Premiere dieser "wir wechseln jetzt die Band" Nummer wird vertagt. Dafür blamiere ich mich beim anschliessenden Töggeli-(für Zürcher Jöggeli) Wettkampf grausam mit derben Eigentoren. Dafür gefällt Gilles, dem Basser beider Bands mein Flankentrick mit den Zweiern. Er probierts auch und trifft anstatt das Tor die Lampe. Wäre die nicht gewesen, hätte es Jaschus (Slarty 1.99m Gitarrenmann) Auge erwischt.
Okeh. Halb 12, 30 Leute da. Rock n`Roll jetzt. Wir Cheekbonen machen die Vorband und werden entsprechend behandelt. Wir spielen ein kurzes, pannenfreies Set. Über den Mangelhaften Beifall trösten wir uns mit unserer Vorfreude auf die Slarties hinweg. Nicht vergebens. Die Slarties geben dem Publikum was es will. Romek wird sogar vom Publikum (w) aufgefordert, seinen Gürtel (Da steht drum ELVIS drauf) auszupacken. Bei seinen Ausflügen abseits der Bühne trifft er offensichtlich überrascht auch auf Nico die Rampensau (Gitarren Slarty). Die anwesende Punkrockpolizei lässt das alles kalt. Gähnt vor sich hin und lässt sich nach dem Konzert als DJ feiern. Legt Moskau Moskau und Cracy for you auf. Frage mich was ein Nachtschattengewächs aus den 80ern wie der in den 20ern werktags so macht. Egal, ich für meinen Teil bin auf Tour und habe beste Aussichten, nach einer Nacht auf einer atemberaubenden Kajüte (in der ich sogar noch eine Wieterei verpasse) dem Typen nie wieder zu begegnen.

Der nächste Tag ist dazu da nach Stuttgart zu reisen. Warum ich das hier erwähne, frage ich mich. Stuttgart ist abgesehen davon, dass es auf einer Landkarte steht eigentlich nicht so erwähnenswert für jemanden, der Berlin, London, Dublin und Edinburgh cool findet.
Posted on 06 Oct 2008 by chrz
04.10.2008 Fasskeller Schaffhausen
Freitag später Nachmittag. Der Satu auf der Autobahn kostet mich die erste Stunde der Tour. Doch die Lacher, die ich so verpasse kriege ich beim Abendessen nachgeholt *verschluck*.
Das Drumset, auf der Bühne aufgebaut, tönt schon mal fantastisch. Die Slaries beginnen den Abend. 3 zahlende Zuschauer. 10 Minuten später 50 zahlende Zuschauer. Romek (Sänger) nützt den Platz vor der Bühne, um mit dem Publilum zu tanzen, während sich auf der Bühne eine Lache einer umgekippten Flasche breit macht. Dann...Sturz. Romek rollt sich tosend von der Bühne dass es scherben gibt. Sieht auswie im Film. Die Band hört auf zu spielen. In der Pause nach den Slarties kleiner Rüffel von Romek: Ihr habt da einfach aufgeört zu spielen! Die andern: Der Song war fertig.
Dann Snotty Cheekbones. Eine der der tanzenden im Zuschauerraum entschuldigt sich für die lahmen Schaffhauser. Yves, unser Sänger, wiederholt die Durchsage ins Mikrofon. Tempo Tempo, machen wir bisdie Pauke mitten in Kids are allright aussteigt. Restart. Es tönt alles laut und gut. Und wir sind gut in Form. Das Publikum will mehr und wirgeben alles.
Der Abend endet mit der ersten Fahrt im Tourbus. Der Vorspann auf eine irrwitzige Piartenreise.
Posted on 06 Oct 2008 by chrz
TOURSTART "THE SNOTTY CHEEKBONES GERMANY TOUR"
am 03.10.2008 geht die zweiwöchige tour mit THE SNOTTY CHEEKBONES feat. unseren übungsraumgenossen SLARTYBARTFAST los!

hören und sehen:

www.snottycheekbones.com
www.slartybartfast.com

TOURDATEN:

03.10.08 fasskeller, ch-schaffhausen
04.10.08 gleis 13, ch-basel
06.10.08 zwölfzehn, de-stuttgart
07.10.08 subway to peter, de-chemnitz
08.10.08 wild at heart, de-berlin
09.10.08 könnteman, de-leipzig
10.10.08 chemiefabrik, de-dresden
11.10.08 egal, de-braunschweig
14.10.08 modernes, de-bremen
15.10.08 poortgebouw, nl-rotterdam
17.10.08 hemperium, de-ulm
18.10.08 gaswerk, ch-winterhur (w/rod from die ärzte)

freue dich auf anekdoten von dieser piratenreise im punknroll schlachtschiff!

soon!

hier!!
Posted on 27 Sep 2008 by chrz
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